McGee, der Tiger



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Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
***
Originaltitel
Darker Than Amber
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1970
Darsteller

Rod Taylor, Theodore Bikel, Suzy Kendall, Ahna Capri, William Smith

Regie
Robert Clouse
Farbe
Farbe
Laufzeit
96 min
Bildformat
Widescreen

 


 

 

Auf einer Landstraße im Bundesstaat Florida fährt des Nachts ein weißes Cabriolet: am Steuer Martin Griffin (Robert Phillips), auf der Rückbank der Gangster Terry Bartell (William Smith) und neben ihm die Prostituierte Vangie (Suzy Kendall). Deren rechter Fuß steckt fest verankert in einem 85 Pfund schweren Hantelgewicht für die Beine. Im Neonlicht der Straßenlaternen fährt das Auto auf eine Brücke, die über einen Fluss führt und hält an. Martin Griffin stellt den Außenspiegel auf der Fahrerseite ein, so dass er Vangie sehen kann, doch sie blickt ihn feindselig an und spuckt aufs Spiegelglas, was Terry Bartell amüsant findet. Sie warten kurz und lassen einen Truck an sich vorüberziehen. Dann fährt der Wagen wieder an und hält auf der gegenüberliegenden Straßenseite, mit der Fahrerseite direkt an der Begrenzungsmauer. Unterhalb der Brücke sitzen Lebenskünstler und Privatdetektiv Travis McGee (Rod Taylor) und sein Kumpel Meyer (Theodore Bickel) in einem Motorboot und angeln, für Bartell und Griffin unsichtbar, im Schein der Laternen. Von der Rückbank erhebt sich Terry Bartell, springt auf den schmalen Standtreifen zwischen Auto und Geländer und hebt die willenlose Vangie aus dem Wagen und über die Bregrenzungsmauer. Dann lässt er sie ohne viel Aufhebens los, und von dem schweren Gewicht gezogen fällt die Frau in die Tiefe. Als sie neben McGee und Meyer im Fluss versinkt, reagiert ersterer sofort, gibt dem Freund seinen Handscheinwerfer und springt ihr ohne zu zögern hinterher… 

 

"I was so convinced it would be utterly rotten, that I was pleased to find it only semi-rotten“, kommentierte der US-Kriminalschriftsteller John D. MacDonald die Verfilmung seines Romans Darker Than Amber (EA 1966, auf Deutsch 1967 als Dunkler als Bernstein), des siebten Buchs um den von ihm erdachten Lebenskünstler und Privatdetektiv Travis McGee. Obwohl zu Beginn der 60er Jahre zwei Romane des seit 1945 aktiven Autors fürs Kino verfilmt worden waren, namentlich Edmond O’Briens Die Menschenfalle (USA 1961) und J. Lee Thompsons Ein Köder für die Bestie (USA 1962), hatte sich MacDonald gegen eine Fernseh-Adaption seiner Travis-McGee-Reihe ausgesprochen, die mit The Deep Blue Good-by (EA 1964, auf Deutsch 1967 als Tausend blaue Tränen) begonnen hatte und für ihn den finalen Durchbruch bedeutete. Der wie sein Private Eye in Florida ansässige Schriftsteller fürchtete, dass eine TV-Serie ihm die Leser abspenstig machte. Seine Enttäuschung über McGee, der Tiger, die erste und bis heute einzige Adaption für die Kinoleinwand, kann ich gut nachvollziehen. Bemerkenswert sind einzig die Drehorte im tropischen Florida, die für ihre Zeit harten und dynamischen ersten 10 Minuten sowie zwei Kampfszenen, die Robert Clouse mit punktgenauer Choreographie zu inszenieren wusste. Auch die Beteiligung eines Veteranen des Brit Noirs, Theodore Bickel (Verbotene Fracht, UK 1954), erwies sich als ein guter Griff. Bickel spielt McGees Sidekick namens Meyer, einen dem Lebensstil Travis McGees treu ergebenen ex-Wirtschaftsexperten, der sich durch detektivischen Scharfsinn auszeichnet. Ebenfalls im Ensemble sind James Booth (31 Grad im Schatten, CSK/UK 1965), Robert Phillips (Der Tod eines Killers, USA 1964) und Jane MacLachlan (Black Power, USA 1968) in Nebenrollen, und auch sie werten viele Szenen auf. All das kann den dramaturgisch lahmen und holprigen Film mit seinem für 1970 teils altbackenen Soundtrack jedoch nicht retten. 

 

”Robert Clouse's cinematic venture for (…) a balmy Florida Keys neo noir (…) of colorfully psychedelic counter-culture clashing an otherwise gray-toned detective-style thriller”, schreibt James M. Tate für cult film freak und fasst seinerseits die Atmosphäre des Werks in Worte. Leider wird nichts Ganzes daraus. Die Rollen der Bösewichte Terry Bartell und Martin Griffin sind nicht besonders ausgeschärft. Gewinnen wir erst den Eindruck eines im großen Stil organisierten Rings von Betrügern, die ältliche Millionäre mithilfe von Prostituierten (Suzy Kendall, Ahna Capri) auf luxuröse Kreuzfahrten locken, sie ausrauben und über Bord werfen, handelt es sich schließlich um einen psychopathischen Einzeltäter. Was hier vor allem fehlt, ist Spannung. Daran haben auch die teils idiotischen Entscheidungen einiger Protagonisten Anteil. Nicht einmal die Chemie zwischen Rod Taylor (Blutige Straße, USA 1955) und Suzy Kendall (Angst ist der Schlüssel, UK 1972) überzeugt, deren romantische Liaison auf mich forciert wirkt. Schier eine Katastrophe ist ein Cameo-Auftritt Jane Russells (Macao, USA 1952), die mit 48 einzig das von langjährigem Alkoholismus gezeichnete Wrack verkörpert, dass sie zu dem Zeitpunkt tatsächlich war. McGee, der Tiger markierte ihren letzten Auftritt in einem Kinofilm, demgegenüber Gloria Grahame in Chandler (USA 1971) oder Lizabeth Scott in Pulp (UK 1972) stets Talent und Engagement präsentierten. Warner Bros. Television produzierte 13 Jahre später unterm Titel Travis McGee (USA 1983) den Pilotfilm für eine geplante Fernsehserie mit Sam Elliott als McGee und Gene Evans als Meyer, doch wurde solche Serie nie realisiert.

 

Bis heute (2026) gibt es von McGee, der Tiger auch unterm Originaltitel Darker Than Amber keine offizielle BD- oder DVD-Edition. In einigen Online-Portalen steht der Film als TV- bzw. Videomitschnitt zur Verfügung - in einer Version von bescheidener Bild- und Tonqualität und mit der englischen Tonspur ohne UT. Bereits die 1989 auf VHS-Video (USA) via Chiron Industries publizierte Fassung zeigte das Werk im falschen Bildformat (Vollbild 4:3 anstatt Widescreen 16:9) und deutlich gekürzt. Die offizielle Laufzeit der Kinoversion von 1970 beträgt 96 Minuten. Demgegenüber weist die aktuelle Online-Fassung, die auf dem Mitschnitt einer britischen Fernsehausstrahlung in den 80er Jahren basiert, lediglich eine Länge von 92 Minuten und 24 Sekunden auf.

 


 

Neo Noir | 1970 | USA | Robert Clouse | John D. MacDonald | James Booth | Theodore Bikel | Jane Russell

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