Jack Warner, Nigel Patrick, Elizabeth Sellars, Terence Morgan, Greta Gynt
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Die Zollbehörde im Hafen Londons erfreut sich keiner großen Beliebtheit. Dabei geht es ihr hauptsächlich nicht um die Vergehen von Touristen sondern um organisierte Kriminalität, die mit dem Schmuggel von Devisen, Drogen und Alkohol erheblichen Schaden anrichtet und für die es eine eigene “Criminal Investigation Division“ (CID) gibt. Ihr steht Major Alec White (Jack Warner) vor, der sich an einen besonderen Fall des organisierten Schmuggels erinnert, der mit einer Beschwerde von Vogelschützern aus der Ortschaft Seaburyness begann. Lady Flavia Queensway (Joyce Grenfell) hatte an einem geschützten Strandabschnitt von East Anglia beobachtet, wie Soldaten der Kriegsmarine eine Landeoperation vornahmen. Auf Rückfrage wurde ihr mitgeteilt, dass in dem Naturschutzgebiet keine Manöver veranstaltet würden. Nachdem ein Gesandter des Vogelschutzgebiets (Roger Maxwell) bei ihm vorsprach, entsendet White Inspektor Michael Kenyon (Nigel Patrick), um nach dem Rechten zu sehen. Letzterer trifft Flavia Queensway und befragt sie nach der Landeoperation, bei der Kisten verladen worden seien. Als er in Seaburyness den dortigen Police Sergeant (Philip Stainton) auf die Vorfälle anspricht, bestätigt jener Queensways Beobachtungen, gibt jedoch an, dass er persönlich mit einem der Offiziere gesprochen habe. Der habe ihm erläutert, dass die Manöver geheim gehalten würden, was erkläre, warum die Marine sie gegenüber den Vogelschützern geleugnet hätten. Das Kriegsschiff, von dem die Soldaten operierten, sei die HMS Warrior…
Michael Bayers Web-Portal Heart Of Noir führt eine eigenwillige Rubrik, der man den Namen Nautical Noir gab. Es finden sich Beispiele aus dem Kanon klassischen Film Noirs, darin unterschiedliche Aspekte eines Lebens auf und an Gewässern, seien es Flüsse oder Meere, eine Rolle spielen. Neben Norman Fosters Journey Into Fear (USA 1943), Compton Bennetts Aus dem Tagebuch eines Henkers (UK 1948) und Joseph M. Newmans Gefährliche Überfahrt (USA 1953) ist auch Harold Frenchs Verbotene Fracht nach einem Drehbuch von Sydney Box (Tanz in den Abgrund, UK 1948) hier gelistet. Dabei beginnt Harold Frenchs Film wie ein harmloses Kriminalabenteuer, dass an Enid Blytons Kinderbuchreihe mit dem Titel Fünf Freunde (EA 1953 - 1966) erinnert. Erst als ein Schmuggler und möglicher Informant polnischer Herkunft, Steven Lasovic (Eric Pohlmann), in London ermordet wird und Michael Kenyon in der südfranzösischen Hafenstadt Cannes als verdeckter Ermittler zu den mutmaßlichen Drahtziehern der Operationen in Kontakt tritt, driftet das Werk ins Fahrwasser des Film Noirs. In Cannes gerät Kenyon mit Miss Rita Compton (Elizabeth Sellars) und ihrem Bruder Roger (Terence Morgan) in Kontakt, die mit der Modedesignerin Madame Simonetta (Greta Gynt) und deren Assistent Max (Theodore Bikel) auf der Yacht Fantasia lebend wegen einer Modenschau vor Ort sind, bei der Rita als Model arbeitet. Michael Kenyon gibt sich als Bankmanager aus, der sich auf einer Geschäftsreise befindet. Roger und Max werden jedoch, als Kenyon mit Rita einen Flirt beginnt, schnell misstrauisch… Sobald Harold Frenchs eingangs betulicher Thriller Fahrt aufnimmt, zieht der Regisseur viele Register des Spannungsaufbaus, die er bis ins Finale konsequent zur Anwendung bringt. William Nighs Allotment Wives (USA 1945), Anthony Manns Geheimagent T (USA 1947) und William Berkes Der Brandstifter von Los Angeles (USA 1949) hatten schon im vorherigen Jahrzehnt den Undercover-Einsatz thematisiert. László Benedeks Rauschgiftbrigade (USA 1949), Michael Curtiz‘ Menschenschmuggel (USA 1950) und Basil Deardens Unterwelt (UK 1951) hatten jeweils den Schmuggel auf dem Seeweg ins Zentrum eines Film Noirs gerückt.
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Obgleich Verbotene Fracht seinerzeit auch im deutschsprachigen Raum im Kino zur Aufführung kam, ist der Film sowohl hierzulande als auch international nahezu vergessen. Seine Schwäche ist die brüchige Logik im Handeln und Verhalten der skrupellosen Schmuggler, als Roger Compton erkennt, dass Michael Kenyon ein Zollfahnder ist. Nachdem er die Gelegenheit Kenyon geräuschlos zu beseitigen, nicht konsequent nutzte, teilt er solches Wissen weder mit Schwester Rita noch mit Max, dem federführenden Kopf des Schmugglerrings. Das erweist sich als geradezu widersinnig, denn die enorm vorsichtigen und im Übrigen cleveren Gangster bringen sich dadurch völlig überflüssigerweise in Gefahr. So wird offensichtlich, dass Roger Comptons Leichtsinn, der zu seiner Persönlichkeit im Widerspruch steht, nur dazu dient, die Mechanik des Drehbuchs in Gang zu setzen. Im Anschluss wird die Filmhandlung vorhersehbar und erweist sich trotz Tempos und erstklassiger Inszenierung durch Harold French und dessen Kameramann C.M. Pennington-Richards (Der Wahnsinn des Dr. Clive, UK 1949) zuletzt als enttäuschend. Gern hätte ich dem Film Ende 4 Sterne zugestanden, doch die Marke hat das Werk, welches im Übrigen mit einem exquisiten Ensemble punkten kann, leider knapp verfehlt.
Obgleich gerade Großbritannien in der Pflege seiner Filmklassik vorbildlich agiert, gibt es von Verbotene Fracht bis heute (2025) weltweit keine BD oder DVD-Edition, weshalb der Film lediglich in einigen Online-Portalen als Fernseh- bzw. als VHS-Videomitschnitt zur Verfügung steht, ungekürzt und im Originalformat, doch in einer Fassung von bescheidener Bild- und Tonqualität und ohne Untertitel.