Einer nach dem anderen



Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
Kraftidioten
Kategorie
Neo Noir
Land
NOR/DNK
Erscheinungsjahr
2014
Darsteller

Stellan Skarsgård, Bruno Ganz, Pål Sverre Hagen, Jack Sødahl Moland, Arthur Berning

Regie
Hans Petter Moland
Farbe
Farbe
Laufzeit
112 min
Bildformat
Widescreen

 

 

 


 

© good!movies

 

In und um ein Dorf in der Nähe von Oslo liegt zur Winterzeit der Schnee derart hoch, dass Tag für Tag mit Schneefräse oder Schneepflug die Straßen geräumt werden müssen. Zusammen mit seiner Ehefrau Gudrun (Hildegun Riise) betreibt der schwedische Einwanderer Nils Dickman (Stellan Skarsgård) eine Firma, die im Auftrag der Gemeinde diesen Winterdienst zuverlässig durchführt. Seine Akkuratesse und Treue haben Nils die Anerkennung der Gemeinde eingebracht, so dass er zum Bürger des Jahres gewählt wurde. Beim abendlichen Festakt muss der stille und stoische Nils sich fein anziehen. Gudrun bügelt ihm das Hemd und sucht ihm die Krawatte aus, und ihr wortkarger Mann soll sogar eine Rede halten. Die beiden verlassen das Haus, blicken in die Berge, welche sich in der letzten Abenddämmerung am Horizont erheben, und machen sich auf den Weg… Indessen arbeitet Nils und Gudruns Sohn Ingvar (Gard B. Eidsvold) als Gepäckabfertiger am Flughafen, wo zur späten Stunde ein Passagierflugzeug aus dem Ausland auf dem frisch geräumten Rollfeld niedergeht. Mit einem Mini-Traktor und einer Reihe von fünf Anhängern fährt Ingvar die Gepäckstücke zur Abfertigung. Danach endet seine Schicht, und er verstaut seine Arbeitskleidung in dem dafür vorgesehen Spind. Plötzlich aber stehen die Gangster Jan Petter “Jappe“ Eriksen (Jan Gunnar Røise) und Ronny “Ronaldo“ Amundsen (Kåre Conradi) mit einer Pistole im Anschlag neben ihm, stülpen Ingvar einen Sack übern Kopf und zwingen ihn mitzukommen… 

 

Was mich nach Anschauen dieses Films seines norwegischen Regisseurs Hans Petter Moland (Absolution, USA 2024) am meisten wunderte, waren all die irreführenden und/oder falschen Kommentare seitens der etablierten Kulturjournaille. Erstens ist das trotz schwarzen Humors keine Komödie: das Etikett ist unangebracht. Zweitens ist das auch nicht „Tarantino on ice“ - Moland hat im Vergleich zu Quentin Tarantino ein ganz anderes Verhältnis zu seinen Figuren. Zudem spielen Eis plus Schlittschuhe gar keine Rolle: die Assoziation zielt in die falsche Richtung. Ohnehin ist der Vergleich jedes Thrillers mit Werken Tarantinos so ausgelutscht, dass man die Ahnungslosigkeit der Autoren dahinter ahnt. Drittens hat das Werk kaum etwas mit „Splatter“ am Hut… Ich könnte problemlos fortfahren, aber dann käme ich nicht dazu, selbst über den Film zu schreiben. Einer nach dem anderen, der als waschechter Nordic Noir im November 2014 sogar in der Bundesrepublik Deutschland im Kino aufgeführt wurde, ist in erster Linie ein Rachethriller. Nachdem Ingvar Dickman vom Drogenkartell um deren Boss Ole “Greven“ Forty (Pål Sverre Valheim Hagen), dessen Spitzname übersetzt „Graf“ bedeutet, mit einer Überdosis Heroin hingerichtet wurde, will die Polizei nichts unternehmen. Für sie war der junge Mann ein Junkie, während er in Wirklichkeit durch seinen bankrotten Kumpel Finn (Tobias Santelmann) unwissentlich in den Raub geschmuggelten Kokains verwickelt wurde… Folglich nimmt der Bürger des Jahres, Nils Dickman, die Sache selbst in die Hand und beginnt die Handlanger von “Grevens“ Organisation und damit die Schuldigen am Tod seines Sohnes umzubringen. Zur gleichen Zeit entfremdet sich Gudrun von ihm, war doch der gemeinsame Sohn der Kitt einer Beziehung, die ohne Ingvar in die Brüche geht. Während “Greven“ bald die serbische Mafia um “Papa“ Popovic (Bruno Ganz) hinter den Morden an seinen Männern vermutet, bekommt Nils Dickman mit, dass auch sein Widersacher einen Sohn (Jack Sødahl Moland) hat.

 

© good!movies

 

“In Oder Of Disappearance is Scandinavian neo-noir at its best (…) establishing surrealism, as ‘perfect’ Scandinavia is not supposed to cultivate an organized crime identity”, schreibt Erik Toth für The Movie Buff, und ich kann ihm nur zustimmen. Kim Fupz Aakesons Drehbuch basierend auf einer Erzählung Finn Gjerdrums, Hans Petter Moland Dramaturgie und Philip Remy Øgaards Kameraarbeit, dazu die schauspielerischen Leistungen von Stellan Skarsgård (River – Staffel 1, UK 2015) und Bruno Ganz (Der amerikanische Freund, GER/FRA 1977) runden den Film zu einem sehenswerten Nordic Noir seiner Zeit. Wer herausfällt, ist Pål Sverre Hagen und seine Figur des “Greven“, die in ihrer ruchlosen Blödigkeit zu flach ausfällt und einen Geruch nach Comic Strip absondert. Über weite Strecken hin bewegt sich Moland mit Einer nach dem anderen stilsicher im Fahrwasser von La caja 507 (ESP 2002), Le Convoyeur (FRA 2004), Auftrag Rache (UK/USA 2010) oder The Body (ESP 2012). Leider ging mir “Greven” zunehmend auf die Nerven, so dass ich mich nur knapp zu 4 Sternen entschließen kann und abschließend die Beschreibung von MIB’s Instant Headache anfüge: “The Count is difficult to take seriously as a powerful crime lord (…), with his lanky appearance, boyish looks and silly hair cut. His petulant behaviour and apparent mood swings aren’t explained by any exposition.” Fünf Jahre später führte Hand Petter Moland auch beim (überflüssigen) Remake Hard Powder (UK/NOR/CHN/CAN/USA/FRA 2019) mit Liam Neeson und Laura Dern die Regie, dem seitens Neesons mit Memory (USA 2022), Retribution (FRA/GER/ESP /USA/CAN/IRL 2023) und Die nackte Kanone (USA/CAN 2025) noch drei weitere Remakes internationaler Erfolgsfilme nachfolgten. 

 

Es gibt eine jeweils fein editierte deutsche Blu-ray disc und DVD-Edition (2015) von good!movies, bild- und tontechnisch topp, ungekürzt im Originalformat, dazu die norgwegische Tonspur und auch die (nicht empfehlenswerte) deutsche Kinosynchronisation, optional noch deutsche Untertitel. Leider ist der Kinotrailer das einzige darauf beinhaltete Bonus-Feature, auch ein Wendecover gibt es nicht.

 


 

 

Neo Noir | 2014 | International | Hans Petter Moland | Bruno Ganz | Stellan Skarsgård

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