River – Staffel 1



Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
*****
Originaltitel
River – A Major 6 Part Series
Kategorie
Neo Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
2015
Darsteller

Stellan Skarsgård, Nicola Walker, Adeel Akhtar, Lesley Manville, Eddie Marsan

Regie
Jessica Hobbs, Richard Laxton, Tim Fywell
Farbe
Farbe
Laufzeit
349 min
Bildformat
Widescreen

 


 

© polyband Medien GmbH

London, England: An einem nasskalten Abend im Oktober fahren Detective Inspector John River (Stellan Skarsgård) und seine Kollegin Detective Sergeant Jackie Stevenson (Nicola Walter), von Familie und Kollegen meist “Stevie“ gerufen, in ihrem 1998er Mercedes-Benz S 280 in eine Drive-Thru-Filiale der Fastfoodkette Burger Home. Bei der Bestellung erwähnt River dummerweise nicht, dass Stevie auf ihrem Burger keine Zwiebeln haben wolle. Zudem vergisst er den Bananen-Milchshake, den sie immer nimmt, weshalb der Verkäufer (Scott Hunt) sie nochmals zum Ende der Warteschlange bittet. Sie essen in einer Parklücke im Wagen, obgleich der Regen inzwischen aufhörte. Stevie rechnet ihrem Kollgen vor, wie viele Punkte in der Tabelle der Weight Watchers bestimmte Fastfood-Gerichte bekämen, bevor sie ihm rät mal in Urlaub zu gehen, Ibiza solle richtig schön sein. River erklärt, er hasse Urlaub und hat für ihren Hinweis, dass alle Schweden Karaoke sängen, kämen doch Abba und Roxette aus seinem Land, nur ein Lächeln übrig. Im Radio kündigt der Moderator den Disco-Klassiker I Love To Love von Tina Charles an. Während River den Mercedes durch die Stadt steuert, singt Stevie laut mit und fordert River auf es ihr gleichzutun, was jener schmunzelnd verweigert. Plötzlich folgt John River einem Ford Mondeo, den er wiederzuerkennen glaubt, und auch Stevie bestätigt, dass es sich um denselben Wagen handele. In der Ridley Road, Dalston, parkt der Fahrer (Josef Altin) am Straßenrand und steigt aus…

 

“Abi Morgan has absolutely nailed it. Her writing is smart, devoid of cliché, and paced in a way that seems organic and compelling”, schreibt Andy Wolverton in seiner dem Film Noir und dem Neo Noir gewidmeten Blog Journeys in Darkness and Light. Solche Einschätzung ist bis aufs i-Tüpfelchen richtig. River – Staffel 1 ist auch über 10 Jahre nach Erstausstrahlung ein Hochgenuss, für mich heute schon ein zeitloser Klassiker und ein Paradebeispiel für die Transformation des Film Noirs in den Neo Noir des 21. Jahrhunderts. Und das beginnt mit der Autorin, Abi Morgan, die uns eine verzweigte, dramatische und hoch emotionale Geschichte liefert, deren Figuren bis in Nebenrollen auf den Punkt genau skizziert und mit Leben erfüllt sind. Ich vermeide die Rede vom Realismus und von Realitätsnähe. Letztere haben mit der Qualität einer Kino- oder Fersehproduktion als Kunstraum im Grunde nichts zu tun. Aber Morgan ist gelungen, sich von ihrer Zeit in einer Weise inspirieren zu lassen, dass sie uns ihre Sicht auf solchen Kosmos derart nahebringt, dass sie uns unter die Haut geht. Detective Inspector John River ist ein brillanter Mordermittler, ein schwedischer Einwanderer und Einzelgänger gleichermaßen, aber auch eine psychisch labile Persönlichkeit. Ihm erscheinen die Toten als Manifestationen seines Inneren im Außen; er spricht mit ihnen und sie mit ihm. Leider wird er sie nicht immer so schnell wieder los, wie es ihm lieb wäre. So gilt er unter Kollegen inzwischen als labil, wird von seiner Vorgesetzten Detective Chief Inspector Chrissie Read (Lesley Manville), die ihm wohlgesonnen ist, zu Sitzungen mit der hauseigenen Psychotherapeutin Rosa Fallows (Georgina Rich) verdonnert, die nur langsam River näherkommt. Sein neuer Partner Detective Sergeant Ira King (Adeel Akhtar), Sohn einer Jüdin und eines Muslim in Gaza, ist ebenfalls Einwanderer. Gemeinsam sollen sie sich um den Fall der vermissten Erin Fielding (Shannon Tarbet) kümmern, nachdem der Drogendealer Christopher Riley (Josef Altin) bei einer Verfolgungsjagd in den Freitod sprang. Detective Inspector John River hatte ihn nämlich im Verdacht, am kaltblütigen Mord an seiner Kollegin Jackie Stevenson beteiligt gewesen zu sein…

 

“Well... All murderers are punished, eventually. Unless they kill in large numbers, and to the sound of trumpets.” John River ist ein Polizeibeamter, den die alltägliche Konfrontation mit den Abgründen des Lebens, die bis in seine Kindheit zurückreicht, aus dem Gleichgewicht zu bringen droht. Solche Tradition des gepeinigten Ermittlers wurzelt im Film Noir, hat seine Anfänge bei Nichlas Rays On Dangerous Ground (USA 1951), Fritz Langs Heißes Eisen (USA 1953) oder Richard Quines Schachmatt (USA 1954) und fand im Neo Noir mit Buzz Kuliks Der Todessschuss (USA 1967), Sidney Lumets Sein Leben in meiner Gewalt (UK/USA 1972) oder Burt Kennedys Der Mörder in mir (USA 1975) seine Fortsetzungen. Die von drei britischen TV-Regisseuren fein inszenierte River – Staffel 1 folgt der Spur und ist dennoch ganz und gar eigen. Nicht allein Stellan Skarsgård sondern das gesamte Esemble ist perfekt gewählt und bietet teils überragende Leistungen, von denen diejenigen Lesley Manvilles, Adeel Akhtars und Eddie Marsans nochmals hervorzuheben wären. Was mich besonders freute, war unter anderem, dass mit Rosa Fallows eine Psychotherapeutin als kompetent und sattelfest dargestellt wird, noch dieser Tage im Neo Noir eher die Ausnahme. Eine zweite Staffel, die viele sich wünschten, gab es nie. Womöglich liegt darin auch die Klasse von Abi Morgans sechsteiliger Filmerzählung, dass ihr nämlich keine schwächere, zweite Auflage nachfolgte, sondern sie genau wie Stewart Harcourts Jericho (UK 2005) und Steven Zaillans The Night Of – Die Wahrheit einer Nacht (USA 2016) in ihrer prägnanten Einmaligkeit erhalten bleibt. 

 

Als River - Staffel 1 gibt es eine deutsche 2-Blu-ray oder auch 2-DVD-Box (2016) der polyband Medien GmbH im Pappschuber und zwar bild-und tontechnisch exzellent, dazu den englischen Originalton und eine (wie immer nicht zu empfehlende) deutsche Synchronisation inklusive optional deutscher Untertitel, dazu die drei Featurettes The Making of River, Creating Manifests und Being River sowie den TV-Trailer und geschnittene Szenen als Extras. Unbedingt ansehen!

 


 

Neo Noir | 2015 | UK | Jessica Hobbs | Richard Laxton | Tim Fywell | Eddie Marsan | Josef Altin | Stellan Skarsgård

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