caja 507, La

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Bewertung
****
Originaltitel
La caja 507
Kategorie
Neo Noir
Land
ESP
Erscheinungsjahr
2002
Darsteller

Antonio Resines, José Coronado, Goya Toledo, Dafne Fernández, Sancho Gracia

Regie
Enrique Urbizu
Farbe
Farbe
Laufzeit
111 min
Bildformat
Widescreen

 


 

La Caja 507-Poster-web1.jpg La Caja 507-Poster-web2.jpg La Caja 507-Poster-web3.jpg La Caja 507-Poster-web4.jpg

 

In einer Stadt an der Costa del Sol, Andalusien, Spanien: Die 16-jährige María Pardo Muñoz (Dafne Fernández) ist die Tochter von Modesto Pardo (Antonio Resines) und seiner Ehefrau Ángela (Miriam Montilla), die mit ihr in einem hübschen Apartment wohnen. Auf dem Balkon raucht María heimlich einen Joint und packt inklusive einiger Kondome ihren Rucksack, denn sie wird die Nacht bei einer Freundin verbringen - zumindest glauben das ihre Eltern. Tatsächlich fährt María mit ihrem Freund Ramón (Félix Álvarez) per Motorrad zum Camping. Der Weg führt sie von der Autobahn auf eine nicht asphaltierte Nebenstraße in die Region Las Zarzuelas, deren Befahren ebenso wie Zelten ein Schild ausdrücklich verbietet. Am Strand schlafen die beiden miteinander im Zelt, und in der Dämmerung des Abends stürzt sich Rámon in die Wellen. Indessen kramt María ihr Haschisch und ein Feuerzeug hervor, um im Zelt einen Joint zu drehen. Zu spät bemerken die beiden, dass das trockene Buschwerk ums Zelt herum in Flammen aufgeht. Als der junge Mann aus dem Wasser an den Strand stürmt, sind das Zelt und María bereits vom Feuer eingeschlossen. Wohin das Mädchen auch blickt, allerorten lodert es lichterloh… Sieben Jahre später: Bankdirektor Modesto Pardo frühstückt am Samstagmorgen mit seiner Frau Ángela, die ihre Tabletten einnimmt. Als er den Apartmentblock verlässt, wird er von Toni Lomas (Javier Coromona) in der Uniform eines Staatsbeamten beobachtet, bevor letzterer rasch selbst das Haus betritt…

 

Ein konsequent harter und oft überraschender, exzellent gespielter und sicher inszenierter spanischer Thriller in der Tradition des Film Noirs. Mit dem Tod ihrer Tochter bei einem Feuer, das jene offenbar selbst verursachte, ist das Lebensglück der Eheleute Pardo zerstört. Als sieben Jahre später bei einem Überfall auf die Bankfiliale des Direktors Modesto Pardo sich in einem aufgebrochenen Schließfach Dokumente finden, die belegen, dass bei Verkauf und bei Erschließung jener attraktiven Strandregion Las Zarzuelas, die ursprünglich als Agrarland unter Naturschutz stand, die Lokalpolitik und die italienische Mafia ihre Finger im Spiel haben, wird Pardo klar, dass jenes Feuer, darin seine Tochter María den Tod fand, nicht von den Teenagern verursacht worden war. Damit transformiert Autor und Regisseur Enrique Urbizu seinen Neo Noir La caja 507, der international als Box 507 nur auf Filmfestivals und nicht im Kino (sowie irgendwann auf DVD) zu sehen war, nach dem ersten Drittel in einen Rachethriller. Auf diesem Terrain behauptet er sich als überaus sehenswert, was vor allem Pardos zentralem Gegenspieler, dem ehemaligen Polizeichef Rafael Mazas (José Coronado) zuzuschreiben ist, der seinerzeit für die Untersuchung des Feuers am Strand von Las Zarzuelas zuständig war, inzwischen aber für den Mafiosi Marcelo Crecci (Luciano Federico) als ein Mann fürs Grobe tätig ist, weil es deutlich einträglicher ist. Allerdings war er derjenige, der die verräterischen Dokumente über die Transaktionen zur Erschließung der Region als ertragreichem Ferienressort im Schließfach seiner Freundin Mónica Vega (Goya Toledo) unterbrachte. Denn Rafael Mazas hintergeht den Crecci-Clan, um doppelt zu kassieren und sich früher oder später mit Mónica aus dem Staub zu machen. Nicht allein der Banküberfall sondern vor allem der nach dem Auffinden der Akte zur Rache entschlossene Vater Marías, Modesto Pardo, durchkreuzen seine bis dato wasserdichten Pläne.

 

Der Handlungsverlauf ist komplex, allemal nicht kompliziert, und ein Kunstgriff der Inszenierung, welcher die Spannung konsequent aufrecht hält, besteht darin, dass Pardo und Mazas für eine lange Zeit nicht mal etwas voneinander ahnen. Pardo sucht die namenlosen Mörder seiner Tochter, Mazas jene Bankräuber, die womöglich seine Dokumente haben, und beide tappen im Dunkeln. Der eine ist schlau, der andere zudem skrupellos, erst am Schluss stehen sie sich für einen kurzen Moment gegenüber… Schön inszeniert und fotografiert von Carles Gusi (El Niño - Jagd vor Gibraltar, ESP/FRA 2014) sowie mit einigen raffinierten Wendungen versehen, stören am Ende nur zwei, drei unwahrscheinliche Koinzidenzen und die simple Tatsache, dass der biedere Bankdirektor Modesto Pardo allzu rasch zum Racheengel wird und damit über sich selbst zu weit hinauswächst. Letzteres ließ mich an Cédric Kahns Schlusslichter – Feux rouges (FRA 2004) denken, und tatsächlich lässt auch Urbizus Film seine Zuschauer in der Schlusssequenz über die Bildungsbürger, welche über Leichen gehen und sich den Verlust ihrer Tochter mit Luxus auszahlen lassen, gehörig erschrecken. Empfehlenswert für alle, die spanisches Kino eh lieben und für alle, die es bis dato nicht kennen.

 

Eine spanische DVD-Edition (2002) der Twentieth Century Fox Home Entertainment España S.A. bringt den Film als La caja 507 bild und tontechnisch einwandfrei, ungekürzt und im Originalformat mit der original spanischen Tomnspur und mit optional englischen oder spanischen Untertiteln. Als Extras finden sich ein Making of, Bildergalerien, Filmografien, der Kinotrailer und geschnittene Szenen. Die US-DVD (2004) von TLA Releasing bietet den Film unter dem Titel Box 507 gleichermaßen ungekürzt im spanischen Original und mit nicht ausblendbaren englischen Untertiteln sowie ohne die oben genannten Extras. Andere europäische Editionen bieten meist nur UT in der jeweiligen Landessprache; eine deutsche Edition als BD oder DVD existiert nicht.


Neo Noir | 2002 | International | Enrique Urbizu | Antonio Resines | José Coronado

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