Mel Gibson, Ray Winstone, Danny Huston, Bojana Novakovic, Shawn Roberts
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© Universal Pictures
Boston, Massachusetts, im Jahr 1990: Als sie vier Jahre alt war, liebte Emma Craven (Maria Gabrielle Popa) am Strand in die Brandung zu laufen und mit ihrem Vater, dem Polizeioffizier Thomas Craven (Mel Gibson), im Sand zu spielen, der sie dabei mit einer Videokamera filmte… Heute wartet der Witwer am Bahnhof auf seine 24-jährige Tochter, die in Northampton lebt, und ist erstmal ein wenig desorientiert mit all den ankommenden Zügen. Als Emma (Bojana Novakovic) schließlich vor ihm steht, neckt sie ihn, dass die Züge doch fast immer pünktlich seien, nur er immer zu früh dran sei. Bei strömendem Regen hält er auf dem Heimweg noch an einem Supermarkt, doch als er mit seinen Einkaufstüten zum Wagen zurückläuft, sieht er Emma in der offenen Beifahrertür stehen und sich erbrechen. Auf der Fahrt nach Hause räumt sie gleich mal den Verdacht aus, dass sie etwa schwanger sei, obgleich sie die Rückfrage, ob sie einen Freund habe, ohne Zögern bejaht. Doch ihr Vater würde ihn (Shawn Roberts), dessen Namen sie ihm verschweigt, kaum mögen, vermutet Emma, obgleich nunmehr er versucht sie zu beschwichtigen. Vater und Tochter, die ja nicht weit voneinander leben, sehen sich nicht allzu oft, und Thomas Craven weiß praktisch nichts darüber, was sie in ihrem Praktikum bei Northmoor so treibt, einem privaten Unternehmen, das sich der Forschung an Atomenergie verschrieben hat. Während er noch das Abendessen zubereitet, geht es Emma plötzlich wieder schlecht, so dass Thomas Craven jetzt beschließt, seine Tochter ins Krankenhaus zu fahren…
"It isn't what it is, Tommy. It is never what it is. It is what it can be made to look like.” William Monahan ist ein guter Drehbuchautor und vor allem einer, der bereits geschriebene und verfilmte Stoffe neu zu adaptieren weiß, ein Spezialist fürs Remake also. Er lieferte das Skript für Martin Scorseses Departed – Unter Feinden (USA/HK 2006), im Original Infernal Affairs - die achte Hölle (HK 2002) der Regisseure Alan Mak und Wai-Keung Lau. Er verfasste das Drehbuch zu Rupert Wyatts The Gambler (USA 2014), eine gelungene Neuverfilmung von Karel Reisz’ Spieler ohne Skrupel (USA 1974). Auch Martin Campbells Auftrag Rache ist solch ein Remake, basiert der Thriller doch auf der sechsteiligen, britischen TV-Serie Die Plutonium-Affäre (UK 1985) mit Bob Peck, Joe Don Baker und Joanne Whalley in zentralen Rollen. Regie führte damals ebenfalls Martin Campbell, der selbst Brite und seit den 70er Jahren als Filmregisseur tätig ist. Die Serie war unter ihrem Originaltitel Edge Of Darkness seinerzeit ein Riesenerfolg; Eric Clapton und Nick Kamen steuerten die Musik bei, Schauspiel und Drehorte waren superb. Warum tritt Campbell folglich mit sich selbst in Konkurrenz? Nun, seine ersten Hollywoodwerke ab 1988 erwiesen sich als Flops, doch mit dem James-Bond-Film GoldenEye (UK/USA/RUS 1995) war der Regisseur endgültig im Mainstream angekommen. Auftrag Rache war als Kinofilm mit einem Drittel der Spielzeit der TV-Serie nicht bloß für ihn als Mann in Hollywood ein Erfolgsvehikel, - vier Jahre zuvor lieferte er mit Casino Royale (USA/UK/CZ/GER/ITA 2006) seinen zweiten James-Band-Film ab - er war auch eines für Mel Gibson. Der in den 80ern und 90ern enorm populäre Action-Star hatte sich durch eine Reihe von Skandalen konsequent ins Abseits manövriert. Rassistische, antisemitische und homophobe Äußerungen, Alkoholismus und häusliche Gewalt hatten den erzkonservativen, fanatischen Katholiken und späteren Donald-Trump-Anhänger in Hollywood zur Persona non grata gestempelt. Auftrag Rache sollte ihm nach 7 Jahren, in denen er in keinem Film mehr aufgetreten war, zu einem Comeback verhelfen.
“This is a great neo-noir film. The movie could easily be set in the 1950s with little change in the plot”, schreibt Chris Rufert für The Fedora Chronicles. Die Aussage trifft einen zentralen Punkt, doch hinkt der Anspruch seiner Umsetzung leider hinterher. Vieles im fertigen Film wirkt implausibel oder eben sprunghaft und gehetzt, standen Monahan und Campbell doch nur knapp zwei Stunden Spielzeit zur Verfügung. Der gefährdete Police Detective Thomas Craven kooperiert nie und nimmer mit Kollegen und Vorgesetzten; er agiert gänzlich allein. Obwohl er als gefährdet gelten muss, lebt er konsequent Zuhause, wo zu Beginn ein Attentäter seine Tochter erschießt. Er befreit sich im Nu aus Gefangenschaft und überwältigt im Handumdrehen seine Wärter und Verfolger, die ihn alle längst hätten umbringen können, es aber nicht taten – schließlich muss die Geschichte weitergehen. Über die ganze Laufzeit des Werks konnte ich mich eines Kopfschüttelns wiederholt nicht erwehren, denn derartige Stolpersteine waren schon 2010 eines ernstzunehmenden Thrillers unwürdig. Durchschnittlich spannend, durchschnittlich gespielt, gut inszeniert und mit Ray Winstone und Danny Huston als besten Darstellern des Ensembles ist Auftrag Rache kein übler Neo Noir seiner Zeit und auch kein bemerkenswert guter. Aber wie gesagt, William Monahan versteht sein Handwerk. So einige der Dialoge dürften die meisten Cineasten zu schätzen wissen: "I don't know what it means to have lost a child, but I know what it means never to have had one.“ – “Yeah, got nobody left to bury you.”
Es gibt je eine deutsche BD- und DVD-Ausgabe (2010) der Universal Pictures Germany GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformal, bild- und tontechnisch erstklassig, dazu den englischen Originalton und die deutsche Kinosynchronisation, dazu optional Untertitel auf Deutsch und Englisch. Obendrein werden mehrere dokumentarische Bonus-Features geboten: Auftrag Rache - Die Serie, die Kurzdokumentation Mel is back, ein Porträt Martin Campbells, Die Musik zum Film, Auftrag Rache - Von der Serie zum Film, der Drehort Boston und ein Featurette: Über den Film und zu guter Letzt noch entfallene Szenen, ein Interview mit Mel Gibson und der Original-Kinotrailer.











