Jeffrey Dean Morgan, Famke Janssen, Cush Jumbo, Joachim Król, Steven Mackintosh
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© EuroVideo Medien GmbH
London, England: In ihrem eigens für die Flitterwochen gemieteten Apartment liegen die Leichen Kimberley (Maryam Grace) und Thomas Stevensens (Ryan O’Sullivan) nebeneinander auf dem Doppelbett. Eine Hand führt eine Kanüle in eine Vene in der Armbeuge ein und lässt mittels einer elektischen Pumpe langsam das Blut aus einem der Körper abfließen… Der New Yorker Police Detectice Jacob Kanon (Jeffrey Dean Morgan) sitzt in Schockstarre in seinem Hotelzimmer, als es an der Tür klopft und zwei uniformierte Polizeibeamte ihn abholen. Gemeinsam mit Detective Inspector Rupert Pearce (Steven Mackintosh) betritt Kanon das Leichenschauhaus und muss die blutleeren Körper seines Schwiegersohns Thomas und seiner Tochter Kimberley identifizieren. Der Anblick übersteigt die Grenzen des Erträglichen und Jacob Kanon gibt sich allein im Hotelzimmer dem Alkohol hin und trinkt sich mit hochprozentigen Spirituosen in die Bersinnungslosigkeit. In einem Regionalzug in Schweden auf dem Weg nach Stockholm machen die jungen Rucksackreisenden Sylvia (Naomi Battrick) und Mac Randolph (Ruairi O’Connor) aus den USA die Bekanntschaft des bärtigen und tätowierten Pieter Holl (Dylan Devonald Smith), der vor einer Horde Fußballfans Reißaus nimmt und ihre Bekanntschaft sucht. Dabei zeigt sich Mac zugewandt und freundlich, Sylvia jedoch ein wenig reserviert… Als sie am Morgen um 9:00 Uhr an der Tür seines Hotelzimmers klopft, öffnet Jacob seiner Frau Valerie Kanon (Famke Janssen) nicht…
Ich bin ein Freund internationaler Co-Produktionen. Beim Zusammentreffen von Menschen unterschiedlicher Kulturen können erstklassige Filme entstehen, wie etwa Brad Andersons Der Maschinist (ESP/FRA/UK/USA 2004) oder Daniél Espinosas Easy Money – Spür die Angst (SWE/GER/DNK/FRA 2010) belegten. Mit The Postcard Killings verfilmte der einst in Yugoslawien geborene Danis Zanovic den Roman The Postcard Killers (EA 2010) der schwedischen Autorin Liza Marklund und ihres US-amerikanischen Kollegen James Patterson. Vor der Kamera stehen Darsteller und Darstellerinnen aus den USA und den Niederlanden, aus England, aus Irland, aus Deutschland. International sind auch die Schauplätze. Von London aus verfolgt die Geschichte die Spur der Serienmorde über München und Stockholm in weitere Metropolen Europas. The Postcard Killings beginnt flott und zieht seine Zuschauer rasch in die Handlung und die Suche nach dem mysteriösen Mörder junger Ehepaare hinein, deren Ableben bei Journalisten je mit einer Postkarte angekündigt wird. Die Atmosphäre erinnert an den Nordic Noir skandinavischer Produktionen vor 10 bis 15 Jahren; auch das ist für mich ein Qualitätsmerkmal. Aber noch vor dem Ende des ersten Drittels rutscht die Erzählung langsam aus der Spur. Die europäischen Polizeibeamten verweigern dem US-amerikanischen Kollegen und trauernden Vater aus New York die Zusammenarbeit und den Zugang zu ihren Informationen. Sie erweisen sich als zaghaft, bürokratisch und uninspiriert, was den Zusammenhang der Mordfälle und das Profil des Täters betrifft. Der Mordermittler aus den USA ist dynamisch, clever, unbeirrbar und unkonventionell - ein einsamer Wolf, der seiner Fährte folgt und den doofen Europäern (inklusive der Nicht-Europäer aus London) immer um eine Nasenlänge voraus ist. An seiner Seite steht die in Stockholm ansässige Journalistin Dessie Lombard (Cush Jumbo), die selbst eine Postkarte mit Ankündigung eines Mordes erhielt, auch sie US-Amerikanerin. Doch die klischeehafte Setzung, zwei kluge US-Bürger gegen die uneinsichtige und altbackene europäische Welt, nervt zusehends.
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Am Ende verschenkt das Werk so eine vielversprechende Prämisse und damit sein Potential. Zwar hält sich der Patriotismus in Grenzen, sind immerhin auch die Mörder aus den USA, doch das Finale des Thrillers wirkt im Verhältnis zum Ganzen wie aus einem anderen Film. Famke Janssen, während der 90er eine in Hollywood erfolgreiche Schauspielerin aus den Niederlanden, ist hier kaum noch erkennbar sie selbst, auch ihr Schauspiel lässt zu wünschen übrig. Der Deutsche Joachim Król wirkt als Münchner Kriminalkommissar neben Jeffrey Dean Morgan wie ein (nikotinsüchtiges) Schulkind, dass seinem Papa eine schlechte Note beichten muss, also gänzlich fehlbesetzt. Danis Tanovices Neo Noir ist stellenweise unterhaltsam; auch dramaturgisch versteht der Mann auf dem Regiestuhl sein Handwerk. Ein US-Amerikaner in der Fremde ist ein aus dem klassischen Film Noir hinlänglich bekannter Antiheld, man denke nur an Der dritte Mann (UK 1949), The Lost Hours /The Big Frame (UK 1952) oder auch French Connection II (USA 1975). In der Summe schafft es The Postcard Killings allerdings nicht zu begeistern. Dafür bleibt auch das Porträt der Mörder, im Nordic Noir meist mit Sorgfalt dargebracht, um Längen zu blass. Fazit: Kann man sich ansehen, muss man aber keinesfalls.
Via EuroVideo Medien GmbH gibt es eine jeweils gut editierte deutsche BD- und DVD-Ausgabe (2020) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch exzellent, dazu die original englische Tonspur und eine deutsche Synchronisation (im hiesigen Kino lief das Werk nicht) sowie optional Untertitel auf Deutsch. Extras gibt es hier keine. Die Inhaltsangabe auf dem Waschblatt beschreibt eine Szene am Flughafen in London, die es nur im Buch, nicht jedoch im Film gibt. Auch wird die US-Journalistin Dessie Leonard genannt, im Film aber heißt sie Dessie Lombard. Zu guter Letzt wird das Ganze als rein US-amerikanische Produktion etikettiert, was ebenfalls unzutreffend ist.














