Easy Money - Spür die Angst

 

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Bewertung
*****
Originaltitel
Snabba Cash
Kategorie
Neo Noir
Land
SWE/GER/DNK/FRA
Erscheinungsjahr
2010
Darsteller

Joel Kinnaman, Matias Varela, Dragomir Mrsic, Lisa Henri, Mahmut Suvakci

Regie
Daniél Espinosa
Farbe
Farbe
Laufzeit
124 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Obwohl er nur noch ein Jahr in einer schwedischen Strafvollzugsanstalt vor sich hätte, bricht der Chilene Jorge Salinas Barrio (Matias Varela) am helllichten Tag aus dem Gefängnis aus und schafft es tatsächlich, das nahegelegene Waldstück zu erreichen, wo ihn Sergio (Hugo Ruiz) mit einem Wagen erwartet. Doch die Polizei hat auch die Feldwege bereits abgesperrt und Jorge muss zu Fuß in Richtung Stockholm weiter… Im Auftrag der serbischen Mafia treibt Mrado Slovovic (Dragomir Mrsic) für Radovan (Dejan Cukic) Schutzgelder ein und begeht auch schon mal einen Auftragsmord. Wenn er irgendwo auftaucht, begegnet man ihm ablehnend. Auch heute muss er sich in einem Nachtclub den gebührenden Respekt verschaffen, und schlägt zu diesem Zweck zwei der dortigen Türstehener auf dem Pissoir brutal zusammen… Der Student der Betriebswirtschaftslehre Johann Westlund (Joel Kinnaman), von allen nur JW genannt, verkehrt im teuren Stadtviertel Östermalm in den Kreisen von Sprösslingen aus reichen Elternhäusern, nachdem er sich mit Nippe (Joel Spira) angefreundet hat. Nippe und seine Kumpels bestellen sich zu ihren Privatparties Stripperinnen, verkehren in teuren Nachtclubs und trinken ausschließlich Champagner und Cocktails. Um sich den aufwendigen Lebensstil leisten zu können und seine eigene Armut zu verschleiern, schreibt und verkauft JW für andere die Studienarbeiten und fährt wie sein Kollege Mahmut (Fares Fares) des Nachts für den Kleinunternehmer Abdulkarim (Mahmud Suvakci) Taxi…

 

„Souverän inszeniert und von ebenso komplexen wie glaubwürdigen Charakteren angetrieben, überzeugt der spannende Film als moderne »Film noir«-Variante über den Preis des Geldes“, urteilt das Lexikon des internationalen Films, und es stimmt. Daniél Espinosa hat ein fantastisches Gespür für den Erzählfluss, den er einerseits dynamisch hält, andererseits ganz sorgfältig mit Details zu seinen Charakteren spickt, die uns nach und nach immer vertrauter werden und mit den moral-ethischen Fragestellungen, darin sie sich verstrickt sehen, auf die Pelle rücken. Zeichnet sich der klassische Film Noir dadurch aus, dass die simple Teilung in Gut und in Böse einem Schnittmuster der Vaiablen gewichen war, so ist Easy Money - Spür die Angst ein Neo Noir par excellence, denn er rückt die Fragestellungen nach Recht und Unrecht in einer auf allen Ebenen aus den Fugen geratenen Welt ins Zentrum des Geschehens. Aus den Fugen ist sie, weil ihr der Kompass abhanden gekommen ist, wie Espinosa uns in teilweise nur sekundenlagen Szenen wissen lässt, wenn JW beispielsweise in einer Vorlesung sitzt und die Worte des Professors, der die Misere der Globalisierung erwähnt, allein durch die Schnittfolge plötzlich mehrdeutig und geradewegs abgründig erscheinen. Die Verfilmung des Romans Spür die Angst: Stockholm Crime (EA 2006, auf Deutsch 2009), das Debüt des schwedischen Strafverteidigers und Kriminalautoren Jens Lapidus, dreht sich um ein zentrales Thema, das schon für den klassischen Film Noir der 40er und 50er Jahre, der von den Buchvorlagen zu Zeiten der Rezession in den USA der 30er Jahre ins Leben gerufen wurde, ein Treibstoff seiner Geschichten war. Es geht allen und und es geht jedem immer nur ums Geld.

 

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© Wild Bunch Germany GmbH

Der Materialismus, wie ihn westliche Gesellschaften vorleben und zum Lebensideal küren, war schon für manchen Klassiker des US-Kinos der Dreh- und Angelpunkt der Motivation ihrer Handlungsträger und auch ihres Scheiterns: Edgar G. Ulmers Ohne Erbarmen (USA 1948), John Berrys Steckbrief 7-73 (USA 1951) und Richard Quines Schachmatt (USA 1954) sind in dieser Hinsicht Schlüsselfilme, die in den lezten 10 Jahren als Meilensteine des Film Noirs wiederentdeckt wurden. Zum anderen hat Espinosa mit Sicherheit auch den einen oder anderen Film von Jean-Pierree Melville im Regal stehen, an dessen Der zweite Atem (FRA 1966) und Vier im roten Kreis (FRA/ITA 1970) sein Easy Money - Spür die Angst gleichermaßen anzuschließen versteht. Hier sind es vor allem die Aspekte der Freundschaft, des Vertrauens und der Loyalität in der Sphäre des Verbrechens, die ins Visier der Aufmerksamkeit gerückt werden. Mit Joel Kinnaman, Matias Varela, Dragomir Mrsic und Fares Fares in den jeweils gleichen Rollen drehten Babak Najafi Easy Money II: Hard To Kill (SWE 2012) und Jens Jonsson Easy Money III: Life Deluxe (SWE 2013), erneut nach den Büchern von Jens Lapidus, und brachten die Trilogie damit auch als Filmzu einem Abschluss. Auf BD und auf DVD erschien in Deutschland allerdings nur Easy Money - Spür die Angst, der u.a. von der Filmförderung Hamburg und von ZDF/Arte co-produziert worden war. Dieser erste Film der Trilogie allemal ist für jeden Neo-Noir-Freund ein Muss!

 

Erstklassige BD- und DVD Editionen (2012) der Senator Home Entertainment GmbH aka Wild Bunch AG (seit 2015) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch topp. Neben der deutschen Synchronisation steht auch der schwedische Originalton mit deutschen Untertiteln zur Verfügung. Meine liebste Edition ist die in der Reihe Große Kinomomente in Kooperation mit dem Kulturspiegel erschienene DVD (2012) im Digipack, die ein 11-seitiges Booklet mit einer kurzen Einführung von Daniel Sander, mit einer Pressenotiz, mit einem Director’s Statement von Daniél Espinosa sowie mit diversen Kurzbiographien und Filmfotos als Extras enthält.

 


Neo Noir | 2010 | International | Daniél Espinosa | Fares Fares | Joel Kinnaman

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