Carla Gugino, Mark-Paul Gosselaar, Kevin Alejandro, Bridet Regan, Omid Abtahi
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Boston, Massachusetts: Im Schutz der Dunkelheit dringen vier Teenager mit Taschenlampen auf das Gelände des seit 20 Jahren verwaisten Fremont State Mental Hospitals ein. Der Haupteingang zu dem im neugotischen Stil errichteten Gebäude ist fest verschossen. Also jagen sie sich durch den Park. Einer der Jugendlichen (Brett Lapeyrouse) gerät dabei auf eine im Rasen verborgene, hölzerne Luke, die unter ihm bedenklich knirscht und schließlich bricht. Er fällt mehere Meter tief in ein Kellergewölbe, verletzt sich sich jedoch nicht und auch seine Lampe bleibt intakt. In deren Schein erkennt er in dem feuchten und verwahrlosten Verlies leere Flaschen, die von der Decke hängen und dringt langsam ins Innere vor, nachdem er seinen um die Luke stehenden Kameraden mitteilte, dass es ihm gut ginge. Plötzlich aber hören diese einen markerschütternden Schrei, als nämlich der Junge im Dunkel des Kellers nicht auf alte Flaschen sondern skelettierte Leichen in Plastiksäcken stößt… Police Detective Bobby Dodge (Kevin Alejandro) erwacht vom Summen des Blackberrys, das ihm eine Textnachricht anzeigt. Er stellt fest, dass die andere Seite des Bettes verlassen liegt; dann steht er auf. Als er am Fremont State Mental Hospital eintrifft, stehen dort bereits viele Einsatzfahrzeuge. Die Polizei ist mit der Spurensuche aktiv, und Dodge sucht seine Vorgesetzte, Homicide Detective D.D. Warren (Carla Gugino). Er fragt sie, warum sie gegangen sei und sie antwortet, dass sie ihm das nächste Mal gern eine Nachricht und einen Keks dalasse…
”Why don’t you look it up yourself?“ – ”I’m invisible... If I ask questions I come out in the open, and I become prey for someone I don’t know.“ Es ist einer der Filme, bei dem mir nach 20 Minuten auffiel, das er gar nicht mal schlecht hätte sein müssen... Aber natürlich fiel es mir auf, weil die Geschichte sich zu dem Zeitpunkt bereits auf dem absteigenden Ast befand. Die Handlung wird unnötig überfrachtet und dadurch zäh, indessen der wichtigste Aspekt einer solchen, tendenziell dem Film Noir zugeneigten Ertzählung außer Acht gelassen wird, nämlich die Charakterentwicklung. Kühles Grab ist eine Verfilmung von Lisa Gardners Buchs Hide (EA 2007, auf Deutsch 2008 als Kühles Grab), des zweiten Kriminalromans um ihre in Boston ansässige Ermittlerin D.D. Warren, die hier von Carla Gugino dargestellt wird. Es war die erste Adaption eines Romans dieser Reihe, zugleich die seit 1995 vierte Verfilmung eines Romans der Autorin, deren Werke in 30 Sprachen übersetzt wurden und mehrfach auf der Bestsellerliste der New York Times landeten. Gardners Reihe um D.D. Warren umfasst bis heute 13 Bände, aber nach Kühles Grab wurde überhaupt nie wieder ein Buch von ihr fürs Kino oder Fernsehen adaptiert. Warum? Vielleicht weil, wie angemerkt, die Charaktere nur als Skizzen daherkommen und nicht richtig lebendig werden wollen. In John Grays Adaption für die Mystery Movie Night von Turner Network Television (TNT) konnte ich zwar nachvollziehen, dass D.D. Warren ein Workaholic ist, dass sie sich in ihrer Affäre mit Bobby Dodge dank Sexualität vom Berufsstress erlöst, ansonsten aber zu ihren Mitmenschen Distanz hält und sich privat nicht binden will. Was dies für ihr Leben und ihre Beziehung zu Dodge bedeutet, der explizit mehr von ihr will, sowie mit Blick auf das Interesse des Fallanalytikers Alex Wilson (Mark-Paul Gosselaar) bedeuten könnte, bleibt unausgesprochen und unterentwickelt. Der Film möchte zwar in der Richtung einen Schwerpunkt legen, thematisiert auch die Dreiecksbeziehung, bei der unversehens das mögliche Hauptopfer des Serienkillers, Annabelle Granger (Bridget Regan), einbricht, doch das zwischenmenschliche Drama wirkt in Kühles Grab immerfort laienhaft und unausgegoren.
“The film is largely a police procedural, (…) interrogations, witness interviews, historical research, plenty of feet-on-the-ground effort. This doesn’t leave a whole lot of room for character details”, resümiert Devin D. O’Leary für Alibi.com. Meinerseits kreide ich genau das dem Werk an, denn dadurch wird die Erzählung fade und vorhersehbar. Warum haben sich Drehbuchautorin Janet Brownell und Regisseur John Gray nicht von Kinofilmen à la Jim McBrides Der große Leichtsinn - The Big Easy (USA 1986), Gabriele Salvatores‘ Quo Vadis, Baby? (ITA 2005), Xavier Beauvois‘ Eine fatale Entscheidung (FRA 2005) oder Frédéric Mermouds Komplizen (FRA/SUI 2009) inspirieren lassen? In diesen Neo Noirs spielen weibliche Ermittlerinnen die zentrale Rolle; in diesen Filmen werden sie von eigenen, innneren Dämonen heimgesucht. Carla Gugino, die im Fahrwasser von Angie Dickinson (Point Blank – Keiner darf überleben, USA 1967) und Ellen Barkin (Sea Of Love – Melodie des Todes, USA/CAN 1989) angesiedelt ist, war allemal die ideale Besetzung für eine solche Rolle. Allerdings ist kein Zufall, dass ein Großteil genannter Produktionen europäischer Herkunft ist. Zu guter Letzt bleibt Kühles Grab ein halbwegs unterhaltsamer Mystery-Thriller, der deutlich hochwertiger hätte sein können, wäre man seitens der Produktion und des Drehbuchs mit mehr Courage an die Arbeit gegangen. So kriegt das Ganze knapp drei Sterne, doch keine Empfehlung für den Connaisseur des Neo Noirs.
In Deutschland gibt es von der Rough Trade Distribution GmbH eine DVD-Ausgabe (2013) von hochwertiger Bild- und Tonqualität mit der original englischen Tonspur und mit einer deutschen Synchronisation, das Ganze ohne Unteritel und auch ohne Extras.











