Eric Roberts, Beverly D‘Angelo, Dennis Lipscomb, Raymond J. Barry, Anne Schedeen
![]() | ![]() | ![]() | ![]() |
Los Angeles, Kalifornien: Während der ehemalige Zeitungsjournalist Jacob Asch (Eric Roberts) vom Bett aus mit einer Videokamera seine Freundin Erica (Victoria Catlin) ins Visier nimmt, ergeht sie sich in Vorwürfen über seine Passivität dem Leben gegenüber, die ihn in Fahrwasser des Selbstmitleids und der Selbstaufgabe führe. Also beendet sie (mit einigem Bedauern) ihre Beziehung zu Jacob, der es achselzuckend hinnimmt. Kurz darauf befindet sich der arbeitslose Journalist, der sich kurzfristig als Privatdetektiv zu verdingen hofft, auf dem Weg zum Atelier des Fotokünstlers Gerald McMurty (Raymond J. Barry). Jacobs langjährige Freundin Mona (Anne Schedeen) hatte ihn angerufen und davon erzählt, dass McMurty nach etwas suche, was er einst verloren habe. Als Asch im Atelier auf den Künstler trifft, bereitet jener eine Ausstellung seiner großformatigen Exponate bei einem befreundeten Galleristen (Henry Gibson) in Palm Springs vor. Vor zwölf Jahren, berichtet Gerald, habe er seine Ehefrau Laine Fleischer (Beverly D’Angelo) und seinen Sohn Brian sitzen lassen. Jetzt möchte er sie beide gern wiederfinden. Eben jener Gallerist namens Robert habe ihm erzählt, dass er Laine vor kurzem mit Brian auf dem Beifahrersitz durch Palm Springs habe fahren sehen. Tatsächlich habe ihre Mutter, die Laine zeitlebens gehasst habe, einst dort gelebt... Kaum zehn Minuten braucht Jacob Asch, um sein Zeug zu packen. Dann begibt er sich auf den Weg nach Palm Springs. Schon die erste Begegnung mit Robert ist wenig ergiebig…
Der Fernsehfilm Slow Burn ist eine Verfilmung des Kriminalromans Castles Burning (EA 1979) von Arthur Lyons. Als dessen Autor im Jahr 2008 mit 62 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls stirbt, hinterlässt er neben anderen Werken 11 Bücher über den Privatdetektiv Jacob Asch, veröffentlicht zwischen 1974 und 1994, und zudem das legendäre Sachbuch Death On The Cheap: The Lost B Movies Of Film Noir (EA 2000). Im gleichen Jahr gründete der ehemalige Lokalpolitiker das Palm Springs Film Noir Festival, das inzwischen von Filmhistoriker und Buchautor Alan K. Rode geleitet wird und in The Arthur Lyons Film Noir Festival unbenannt wurde. Kurzum, Arthur Lyons ist unter den US-amerikanischen Cineasten der Filmklassik und vor allem solchen des Film Noirs eine Legende, war er doch einer der ersten, der sich dank akribischer Recherchen über die Bandbreite der Produktionen einen Überblick verschaffte und seine Arbeit in Buchform der Öffentlichkeit zugänglich machte. Dementsprechend atmet Matthew Chapmans TV-Film Slow Burn den Geist des klassischen Film Noirs, von dem Lyons Roman Castles Burning und dessen Antiheld, Private Investigator Jacob Asch, deutlich geprägt sind. Ein heruntergekommener Detektiv, eine verletzliche Femme fatale, ein zwielichtiger Auftraggeber, dazu ein Erzähler aus dem Off, der seinem Publikum sarkastische Einzeiler in Serie präsentiert: alles das ist für die 80er Jahre eine atypische Herangehensweise, die bis heute Stilbewusstsein und beizeiten Klasse zeigt. Letzteres ist auch Arthur Lyons Roman geschuldet, der wie solche aus der Feder Raymond Chandlers oder James M. Cains voller Abgründe und komplexer Zusammenhänge ist, voller Lust und Begierden, Hoffnung und Enttäuschung, voller Schuld, Gewalt und Tragik. Demgegenüber ist das nicht jedermanns Sache, fallen derlei Geschichten doch häufig so verwirrend aus, dass sie verworren erscheinen. So auch hier.
“There is a scene at the end which is pure noir, and once you’ve seen it, you realize that (…) it had been a noir all the way through", schreibt Steve Lewis für Mystery*File in einer der wenigen positiven Kritiken zum Film. Matthew Chapmans Slow Burn zählt heute zu jenen Neo Noirs der 80er, die trotz des Status‘ von Arthur Lyons fast niemand kennt und fast niemand wertschätzt. Ich müsste dieser Produktion der Universal Pay Television nicht unbedingt 4 Sterne geben, tue es trotzdem, weil die einerseits klischeehaften und andererseits mit einem Augenzwinkern zu einer klassischen Film-Noir-Geschichte zusammengefügten Bausteine mich durchweg bei der Stange hielten. Fairerweise muss man zugestehen, dass der Film mit Entwicklung seiner Handlung besser und besser wird, obgleich sich früh andeutet, wer sich hinter den Intrigen und schließlich den Morden verbirgt, die Jacob Asch sich anschickt aufzuklären. Zusammen mit Chris Thomsons The Empty Beach (AUS 1985), Jim McBrides Der große Leichtsinn – The Big Easy (USA 1986) oder J. Lee Thompsons Murphy’s Law (USA 1986) zählt Slow Burn zu den Produktionen seiner Zeit, die seit langem als obskur gelten und meinerseits (trotz einiger Schwächen) als empfehlenswert eingestuft werden.
Der Grund, warum Slow Burn bei einigen Cineasten auf ein minimales Interesse stößt, ist die Beteiligung des 21-jährigen Johnny Depps in einer Nebenrolle. Trotzdem gibt es von dem Film, der 1987 sowohl international als auch in Deutschland als VHS-Videokassette erschien, bis heute (2025) weltweit keine BD- oder DVD-Edition. Er steht in einigen Webportalen in einer bild- und tontechnisch erstaunlich guten Fassung zur Verfügung, ungekürzt und im Originalformat mit dem englischen Originalton und ohne Untertitel.