One Tough Cop



Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
**
Originaltitel
One Tough Cop
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1998
Darsteller

Stephen Baldwin, Chris Penn, Gina Gershon, Michael McGlone, Christopher Bregman

Regie
Bruno Barreto
Farbe
Farbe
Laufzeit
92 min
Bildformat
Widescreen

 


 

© Sony Pictures Entertainment

New York: Zwei Schmalspurganoven (Christopher Bregman, Mike Santana) schlendern von einer Brachfläche durch einen Maschenzaun auf die Straße, als sie einen auf dem Trottoir schlafenden Obdachlosen (Stephen Baldwin) entdecken, der eine Ledertasche in Armen hält. Einer der Kerle will sich die Tasche schnappen, als plötzlich Police Detective Duke Finnerly (Chris Penn) aus einem Versteck hervorspringt, und der vermeintliche Obdachlose, Detective Bo Dietl, die Verfolgung des zweiten aufnimmt. Nach kurzem Kampf sind beide in Handschellen und werden zu einem Transporter geführt, mit dem die Staatsbeamten unterwegs sind. Noch bevor sie aber ihre Inhaftierten auf der Dienststelle abliefern könnten, werden sie zu einer Geiselnahme gerufen. In einer Markthalle tötete ein Latino (Luis Guzmán) seine Ehefrau und hält sich, während eines Schusswechsels mit der Polizei verwundet, nun mit seiner 4-jährigen Tochter (Dana Dietl) in einem Gemüseladen verschanzt. Als Finnerly und Dietl dort eintreffen, haben sich bereits Schaulustige angesammelt, und zwei uniformierte Beamte (Vito Rezza, Marium Carvell), welche vor dem Ort der Geiselnahme die Stellung halten, setzen sie ins Bild. Der Vater droht die eigene Tochter umzubringen, sollte man ihm nicht freien Abzug gewähren. Bo Dietl tastet sich an allen Beamten vorbei nach vorn und kann schließlich den Vater mit der Tochter auf den Knien in einem Spiegel erkennen. Er nimmt Kontakt auf und kündigt an, ohne Waffe und ohne Hemd zu ihm zu kommen…

 

“To the degree that Dietl’s book does reflect events in his life, his life has been remarkable in incorporating all of the cliches of cop movies. There’s even a noir heroine, Joey (Gina Gershon), whose purpose is to be backlit in slinky poses”, schreibt Roger Ebert in der Chicago Tribune anlässlich der Kinopremiere dieser Produktion der Patriot Pictures (!) nach der von Bo Dietl und Ken Gross verfassten, gleichnamigen Biographie Dietls (EA 1988), der bis 1985 in New York als Polizeibeamter tätig war: “The true story of a super cop and his one-man war against crime”. Man hört dem bissigen Tonfall Eberts, der sich über die eitle Glorifizierung Dietls echauffiert, regelrecht an, wie ihm die Reihung der Klischees dieses Cop-Thriller, der auf dem Terrain von Martin Scorsese (Hexenkessel, USA 1973), Harold Becker (Sea Of Love – Melodie des Todes, USA 1989), Sidney Lumet (Tödliche Fragen, USA/UK 1990), Abel Ferrara (Bad Lieutenant, USA 1992), David Fincher (Sieben, USA 1995) und James Mangold (Cop Land, USA 1997) krachend scheitert, auf die Nerven geht. Tatsächlich gibt es in dem Film, der sich im Fahrwasser jener Welle der Neo-Noir-Werke und der Cop-Thriller der 90er findet, rein gar nichts, was man andernorts nicht schon einmal und vor allem um Längen besser sah. Manche Rezensenten merken dieser Tage an, dass immerhin das Schauspiel Stephen Baldwins, Bruder von Alec Baldwin, und auch Chris Penns, Bruder von Sean Penn, über jeden Zweifel erhaben sei. Es mag stimmen, besonders im Fall Penns, der 2006 mit nur 40 Jahren an Herzvergrößerung starb, doch trifft es auf Baldwin nur bedingt zu. Zwar gibt er sich Mühe, zugleich wurde ich von der ersten bis zur letzten Szene folgenden Gedanken partout nicht los: „Fehlbesetzung!“ Was dieser vom Leben in New York so richtig in die Mangel genommener Cop zeigen müsste, wäre Charakter, aber genau der fehlt im Zentrum des Films. Solche Leerstelle füllt Stephen Baldwins Bo Dietl einfach nie und nimmer aus. 

 

“If he gets me, you make sure you shoot this cocksucker.” – “If he gets you, I get to go home early.” Hin und wieder lassen die Drehbuchdialoge ihr Publikum schmunzeln. Aber die Art der hier zum Ausdruck gebrachten “Street Credibility“, um die der Film so bemüht ist, wirkt fast immer angedreht. Ausgerechnet ein auf den Erlebnissen einer realen Person, Bo Dietl spielt sogar selbst mit, beruhender Spielfilm erweist sich als wenig authentisch, und das will etwas heißen. Die 90er Jahre waren eine Ära, in welcher der Neo Noir einen teils erschreckend tiefen Blick auf die US-Gesellschaft seiner Zeit ermöglichte. So punkteten Mike Figgis‘ Internal Affairs (USA/CAN 1990), Roger Donaldsons White Sands – Der Große Deal (USA 1992), Charles Burnetts The Glass Shield (FRA/USA 1994) oder John Sayles‘ Lone Star (USA 1996) auf jeweils eindringliche Weise mit Darstellungen von Polizeiwillkür, Korruption und Gewaltmissbrauch. Irgendwo dort möchte One Tough Cop sich einreihen und irgendwie… doch nicht. Zum Neo Noir gehört ein Antiheld, kein Held. Stephen Baldwin ist sowohl für das eine wie für das andere um Längen zu blass. Fazit: Diesen Film muss man nicht sehen. Ganz sicher nicht. 

 

Es gibt eine deutsche DVD-Edition (2000) der AVU mit dem Film ungekürzt und im Originalformat in lediglich mittelprächtiger Bildqualität und mit einzig der deutschen Kinosynchronisation. Sowohl in den USA (RC 1) als auch in Europa (RC 2) erschien der Film auch als DVD (1999) der Columbia TriStar, ungekürzt und im korrekten Bildformat mit der original englischen Tonspur und mit Untertiteln auf Englisch, Französisch und Spanisch. Erst seit kurzem liegt er via MVD Entertainment Group in deren Marquee Collection auch als Blu-ray und als eine neue DVD-Edition (2025) vor, bild- und tontechnisch deutlich verbessert.

 


 

Neo Noir | 1998 | USA | Bruno Barreto | Chris Penn | Luiz Guzmán | Paul Calderón | Paul Guilfoyle | Gina Gershon

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