Fog Over Frisco



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Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
***
Originaltitel
Fog Over Frisco
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1934
Darsteller

Bette Davis, Donald Woods, Margaret Lindsay, Lyle Talbot, Hugh Herbert

Regie
William Dieterle
Farbe
s/w
Laufzeit
68 min
Bildformat
Vollbild

 


 

© Warner Bros.

 

San Francisco, Kalifornien: Am Flughafen herrscht dichter Nebel, als eine zweimotorige Passagiermaschine der United Air Lines ihre Parkposition erreicht und die Gangway herangefahren wird. Unter den Passagieren ist auch Bill (Harry Seymour), der im Regenmantel und den Hut ins Gesicht gezogen samt einer Aktentasche rasch in einen wartenden Wagen einsteigt. Jener bringt ihn schnurstracks in den populären Nachtclub Bello’s, der nach Eigentümer Jake Bello (Irving Pichel) benannt ist, indessen es Bruder Joe (Gordon Westcott) ist, der als erster von der Ankunft des Kuriers erfährt. Joe geleitet Bill persönlich ins Untergeschoss, wo in Jakes Büro noch eine junge Dame (Renee Whitney) auf dessen Schreibtisch sitzt, derer sich Jake rasch entledigt, bevor er den erwarteten Besucher empfängt. Bill ist froh, die gestohlenen Anleihen im Wert von 250.000 US-Dollar endlich loszuwerden. Er gibt Bello den Tipp, sie sich gleichermaßen schnell vom Hals zu schaffen. Er habe das Gefühl, dass man ihm auf den Fersen sei. Jake bietet dem Kurier Champagner an und ist nicht allzu beunruhigt… An der Theke des Clubs vertreiben sich ein Reporter des San Francisco Journal namens Tony Sterling (Donald Woods) und Fotograf Izzy Wright (Hugh Herbert) mit Trinkspielen die Zeit, indem sie versuchen, ein im Cocktailglas befindliches Ei einzig durch Pusten umzudrehen. Just als Tony den Verlierer zur Kasse bitten will, kommt Jake hinzu und bietet ihnen Drinks auf Kosten des Hauses, wenn sie das Bello’s mal wieder in die Zeitung brächten…

 

“Fog Over Frisco starts off extremely promising, but ends feeling like just another convoluted and mediocre B-film mystery with some ridiculous plot devices thrown in to explain away a clumsy story”, schreibt Jonathan Lewis für Mystery*File, und exakt so sehe ich es auch. Wer sich darüber wundert, dass er noch nie von diesem Werk mit Bette Davis auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in frühen Jahren hörte, dem sei gesagt, dass er sich eben nicht wie das US-Publikum des Jahres 1934 vom Kinoplakat täuschen lassen sollte. Konträr zu ihrem Namen dort (und im Vorspann) an erster Stelle tritt sie erstmals in der 5. Minute des Films in Erscheinung, um in der 28. Minuten daraus zu entschwinden. Anders gesagt: In diesen 23 Minuten ist sie die zentrale Figur der Handlung und zeigt auch als Schauspielerin, dass sie dem gesamten Ensemble überlegen und dass das ihr Film ist. Dann verschwindet sie auf Nimmerwiedersehen, und die folgenden 40 Minuten müssen wir ohne sie auskommen, was den Kriminalfilm trotz einer rasanten Dramaturgie seitens William Dieterles (Vergewaltigt / Frau in Notwehr, USA 1949) leider ins Nichts laufen lässt. Hauptsächlich sind Margaret Lindsay und Donald Woods für den Fortgang der Handlung verantwortlich, und sie erweisen sich in ihren Rollen als solide, mehr aber auch nicht. Das Drehbuch verfassten Robert N. Lee (Der kleine Cäsar, USA 1931) und Eugene Solow (Return Of The Terror, USA 1934) nach dem Kriminalroman The Five Fragments (EA 1932) von George Dyer. Es blieb die einzige Adaption eines Romans des Autors, der bis 1940 sieben Bücher schrieb. Allerdings wurde The Five Fragments unterm Titel Spy Ship (USA 1942) ein zweites Mal verfilmt, wobei die Kriminalgeschichte für solchen Propagandafilm erheblich abgewandelt wurde.

 

© Warner Bros.

In Fog Over Frisco erhält Arlene Bradford (Bette Davis), Stieftochter des steinreichen Everett Bradford (Arthur Byron), dank ihres Verlobten Spencer Carlton (Lyle Talbot), leitender Angestellter in Bradfords Imperium, für gestohlene Wertpapiere harte US-Dollars, die sie über Jahre auf ein Privatkonto transferiert. Drahtzieher der Operationen sind der Nachtclubbesitzer Jake Bello und ein unter einem falschen Namen tätiger, dubioser Millionär aus Los Angeles... Neben der mit zu vielen Rollencharakteren überfrachteten Erzählung und dem dämlichen Humor durch den tollpatschigen Fotografen Izzy Wright, gibt es in Dieterles Thriller leider auch unterdurchschnittliche Schauspieler zu sehen: Lyle Talbot, Hugh Herbert, Arthur Byron und auch Alan Hale als Police Chief O’Malley wirkten allesamt, als hätten sie während der Dreharbeiten auf “Autopilot“ umgeschaltet, derart wenig Energie und Engagement wird Ihrerseits sichtbar. Alles in allem ist Fog Over Frisco eine Randnotiz des Kriminalfilms der 30er Jahre, der in Details (skrupellose Sensationsreporter, die eine Leiche fotografieren, indessen sie ihren Fund nicht der Polizei melden) auf den Film Noir der 40er weist, im Ganzen aber bedeutungslos bleibt. William Dieterle drehte zwei später mit Bette Davis Satan Met A Lady (USA 1936), die erste Verfilmung von Dashiell Hammetts Detektivroman The Maltese Falcon (EA 1930, auf Deutsch 1951 als Der Malteser Falke). Bette Davis selbst stufte dieses Werk in ihrer Autobiografie als den schlechtesten Film ein, darin sie zeitlebens mitgewirkt habe.

 

Eine DVD-R (2010) der Warner Archive Collection von Warner Bros. aus den USA (Regionalcode 1) ist bild- und tontechnisch lediglich mittelprächtig und bringt den Film ungekürzt im Originalformat und mit dem englischen Ton ohne Untertitel und ohne Extras.

 


 

 

 

Pre Noir | 1934 | USA | William Dieterle | Alan Hale | Dennis O'Keefe | Henry O'Neill | Lyle Talbot | William Demarest | Bette Davis | Margaret Lindsay

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