Ewan McGregor, Naomi Watts, Ryan Gosling, Kate Burton, Elizabeth Reaser
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© Studiocanal GmbH
New York: Mitten auf der Brooklyn Bridge brennt des Nachts ein Auto, und direkt davor sitzt mit dem Rücken zum Wrack und auf dem herausgetrennten Fahrersitz der Kunststudent Henry Letham (Ryan Gosling), der seinen Wagen in Brand setzte. Während sich auf beiden Fahrstreifen Autos stauen und die Sirenen von Polizei und Feuerwehr hörbar werden, erhebt sich Letham und geht in Fahrtrichtung davon… Als Dr. Sam Foster (Ewan McGregor), von Beruf Psychotherapeut, am Morgen aus dem Schlaf erwacht, weint in einer Nachbarwohnung ein Baby, und in der rechten Hand findet er den für seine Freundin Lila Culpepper (Naomi Watts), Dozentin für Kunst an der Columbia University und Malerin, gekauften Ehering. Mit dem Fahrrad macht sich Foster auf den Weg zu seinem Arbeitsort, heute ebenfalls an der Columbia University gelegen, wo er vor den Postfächern auf Lila trifft, die feststellt, dass er spät dran sei. Sam erwähnt, dass ihn das des Nachts schreiende Baby gestört habe, und Lila erwidert ihm, dass ihre Nachbarn 90 Jahre alt seien. Er gibt ihr einen Kuss, und sie trennen sich, und sie blickt ihm etwas verwirrt hinterher. Als Dr. Sam Foster das Büro von Dr. Beth Levy (Janeane Garofalo) betritt, einer Psychotherapeutin der universitären Counselling and Psychological Services, wartet dort bereits ihr Patient Henry Letham. Letzterer ist überrascht, dass anstelle Dr. Levys in den nächsten Wochen Sam Foster seine Behandlung fortsetzen solle. Henry wurde von ihr nicht darüber informiert, und er reagiert ungehalten…
“Gosling reminds me of Adrian Brody in anything sad, Watts is an actress who can do no wrong, (…) and McGregor gives a fine turn as someone losing control and becoming nutty but never does anything for me to emotionally connect with him”, schreibt Dennis Schwartz in seiner Rezension dieses Psychothrillers des Deutsch-Schweizers Marc Forster (Monster’s Ball, USA 2001) und ich muss ihm zustimmen. Visuell ist der Film auch zwanzig Jahre nach Premiere bestechend; Schauplätze und Kameraarbeit sind exquisit, Dramaturgie und Schnitt kommen gleichermaßen auf den Punkt. So knabberte ich eine Weile an der Frage, warum ich mich von den Figuren wie durch Panzerglas getrennt fand, obwohl sie ihre Themen so ausdrucksstark und lebensnah vortrugen. Indessen der Film bei seinem Publikum wohlmeinende, aber nicht enthusiastische Aufnahme fand, zeigten sich konträr zu Dennis Schwartz die meisten Ktitiker begeistert. Nun, für mich gilt das nicht. Zum ersten überzeugt Ewan McGregors Dr. Sam Foster nicht als der erfahrene Psychotherapeut, der er vorgibt zu sein. Schon beim ersten Aufeinandertreffen ordnet sich Foster seinem Patienten Henry Letham unter, lässt sich von ihm an die Leine nehmen und gibt keinerlei Struktur oder Richtung jener Therapie vor, die er für seine Kollegin Dr. Beth Levy fortführen soll. Er habe zwar Lethams Akte gelesen, lässt er ihn wissen, aber das war es auch schon. Wird der Patient ihm gegenüber unverschämt oder gewalttätig – Letham stürzt einen Tisch mit einem darauf platzierten Schachspiel im Zorn einfach um – reagiert Foster kleinlaut und unterwürfig, als ob er gleich zu weinen begänne. Was weiß die Kunstdozentin und Malerin Lila Culpepper über Kunst? Im Grunde… nichts. All ihre Äußerungen, beziehen sie sich auch auf interessante Themen, sind schlicht Platitüden. Der zwanzigjährige Letham (Ryan Gosling war damals 25) kündigt für seinen in 3 Tagen datierten Geburtstag Selbstmord an – cool, überheblich, selbstsicher. Psychotherapeut Dr. Foster wirkt völlig hilflos, und der in der Psychiatrie arbeitende Kollege Dr. Ren (B.D. Wong) kann in Anbetracht eines suizidalen Patienten, Henry ist im Besitz einer Handfeuerwaffe und wird vermisst, auch nicht helfen… Wie bitte? Ernsthaft? Nach den ersten 35 Minuten war es um die Glaubwürdigkeit der Geschichte für mich endgültig geschehen.
Henry Letham: “What are you, a substitute shrink?” – Sam Foster: “I guess you could call me that.” Na klar, die Geschichte hat einen Twist. Am Ende ist alles anders, als das Publikum über eine lange Zeit dachte, dass es sei, und nichts und niemand in der Enthüllung der Welt als einer solchen voller Illusionen ist übernatürlich. Damit folgte Drehbuchautor David Benioff einem Trend im Neo Noir des frühen Jahrtausends, insofern David Mamets Heist – Der letzte Coup (CAN/USA 2001), Brian De Palmas Femme Fatale (FRA 2002), Chan Wook Parks Oldboy (KOR 2003), Brad Andersons Der Maschinist (ESP/FRA/UK/USA 2004) und vor allem David Lynchs Mulholland Drive – Straße der Finsternis (FRA/USA 2001) Marc Forsters Stay unmittelbar vorangegangen waren. Auch wenn die Themen teils andere sind und ich das wertschätzen konnte, ist genau dies das Fahrwasser des Dramas. Hätten die Figuren vor der finalen Preisgabe des Twists glaubhaft agiert, wie es trotz aller bizarren Einfälle bei David Lynch immer der Fall ist, und hätte ich als Zuschauer damit der Vision David Benioffs und Marc Forsters ernsthaft folgen können, hätte das ein erstklassiger Neo Noir werden können, der sein Publikum tief berührt. In seiner finalen Form ist Stay trotz der wunderbaren Kameraarbeit und Bildsprache aber nie mehr als Mittelmaß und verschenkt somit das Potential seiner Geschichte und das Talent der Akteure. Schade.
Es gibt eine jeweils hervorragende deutsche Blu-ray- (2011) und DVD-Edition (2006) von Arthaus via Studiocanal GmbH und zwar mit der ungekürzten 99-minütigen Fassung im Originalformat, bild- und tontechnisch exzellent, inklusive der original englischen Tonspur samt optional deutschen Untertiteln und auch mit der (nicht empfehlenswerten) deutschen Kinosynchronisation, dazu als Extras szenenspezifische Audiokommentare von Regisseur und Crew-Mitgliedern, Interviews mit Marc Forster, Ryan Gosling, Naomi Watts und Ewan McGregor, eine Fotogalerie mit Szenenfotos, die Featurettes Departing Visions und The Music of Stay und noch den original Kinoitrailer. Vorbildlich!











