Edward Norton, Colin Farrell, Noah Emmerich, Jon Voigt, Jennifer Ehle
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© Warner Bros.
Das bitterkalte, von Eis und Frost heimgesuchte New York kurz vor Weihnachten: Das American-Football-Team des New York Police Departments steht gegen Gäste aus Detroit City im Finale um die diesjährige Meisterschaft der Stadtliga aller Polizeimannschaften. Auch Police Detective Ray Tierney (Edward Norton), der sich vor zwei Jahren in die Abteilung für Vermisstenfälle hat versetzen lassen, taucht beim heutigen Finalspiel auf, um seinen Schwager Jimmy Egan (Colin Farrell) bestenfalls siegen zu sehen. Sein Bruder Francis Tierney (Noah Emmerich), Deputy Inspector und Kommandant des 31. Polizeireviers der Stadt, freut sich, dass Ray, der der Scheidung von seiner Frau Tasha (Carmen Ejogo) entgegensieht, sich dazu entschließen konnte. Tatsächlich gewinnt das New Yorker Team durch den Einsatz Jimmys, dessen Frau Megan (Lake Bell), Rays und Francis‘ Schwester, ihn lautstark anfeuert. Da erhält Francis einen Telefonanruf seitens der Zentrale, die ihn informiert, dass in einem Apartment in Washington Heights vier Beamte aus der Gruppe Jimmy Egans niedergeschossen wurden - zwei tot und zwei lebensgefährlich verletzt. Francis und Ray fahren im Auto des Deputy Inspectors sofort dorthin. Vor Ort stehen Streifen- und Krankenwagen; Schaulustige haben sich versammelt. Im Laufen lässt sich Francis Tierney über den Stand der Dinge informieren, um zu erfahren, dass weder der Tathergang noch der Grund des Zugriffs auf die Wohnung bis dato bekannt sind. Ihm und Ray zeigt sich ein Blutbad…
"They were protecting their own, and they were burying the truth.” Um es gleich vorwegzunehmen: Solcher Flop an der Kinokasse im Jahr seiner Erstveröffentlichung erwies sich für mich als ein ebenso unterhaltsames wie unerwartet intensives Filmerleben. Natürlich ist richtig, wie von Kulturjournalisten dutzendfach erwähnt, dass die Geschichte um eine irisch-stämmige Familie in New York City, deren Sprösslinge ebenso wie der Vater (Jon Voigt) im Polizeidienst tätig sind, als episch angelegtes Epos über Blutsbande, Integrität, Treue und Stolz sowie über Korruption und Niedertracht (in solcher Dramatik) im US-amerikanischen Neo Noir vielfach zu sehen ist. Sidney Lumets Prince Of The City – Die Herren der Stadt (USA 1981), Phil Joanous Im Vorhof der Hölle (UK/USA 1990), Abel Ferraras Bad Lieutenant (USA 1992), Harold Beckers City Hall (USA 1996), James Mangolds Cop Land (USA 1997), Ron Sheltons Dark Blue (UK/GER/USA 2002) oder James Grays Helden der Nacht (USA 2007) pflügen auf dem gleichen Acker, sind sie doch sogenannte Cop-Dramen. Wenn vier Polizisten bei Erstürmung eines Apartments hispanoamerikanischer Drogenhändler getötet werden, sind die mit den Ermittlungen beauftragten Beamten Feuer und Flamme die Schuldigen aufzuspüren. Nach und nach wird klar, dass die Spuren in die Reihen des New York Police Departments (NYPD) weisen, und jemand die vier Beamten bewusst ins offene Messer laufen ließ. Als Ray Tierney, der nur widerwillig die Leitung jener Task Force übernahm, erkennen muss, dass sich das Netz der Korruption bis in die eigene Großfamilie erstreckt, wird es persönlich, dramatisch und schließlich gefährlich. Ich muss zugeben, dass trotz eines etwas überladenen, allzu aufgepeitschten Finales, das Drehbuch und die Regie solche Zuspitzungen perfekt ausspielen und den Spannungsfaden über die beachtliche Laufzeit von über zwei Stunden punktgenau zu straffen wissen. Zudem sind die Charaktere lebensnah und vielschichtig angelegt, stecken in allerlei Schwierigkeiten und entfalten sich nicht zuletzt dank der darstellerischen Qualitäten aller Beteiligten vor der Kamera sukzessive immer besser. Wem an herausragenden Schauspielerleistungen liegt, sollte an diesem Werk nicht vorbeigehen, denn solche gibt es hier. Edward Norton, Colin Farrell und Noah Emmerich, aber auch Jennifer Ehle, Shea Whigham, John Ortiz und Frank Grillo sind fantastisch.
“Gavin O’Connor clearly knows how to pour (…) in a noir-ish preference for dramatic tension to physical action and some gritty location shooting and you’ve got the makings of a pretty fine cop drama,” schrieb Mark Harris aus Anlass der US-Kinopremiere im Oktober 2008 für The Georgia Straight. Warum wurde der Film trotzdem ein Flop? Nun, nicht nur das Grundthema der Korruption in den Reihen der US-amerikanischen Polizei, was mit allen mörderischen Konsequenzen einst schon in Harold Daniels‘ Roadblock (USA 1951) oder in Richard Quines Schachmatt (USA 1954) durchexerziert wurde, dürfte ein auf linientreue Unterhaltung im Kriminalgenre geeichtes Publikum verschreckt haben. Vor allem eine Szene, in der Schwager und Schwiegersohn Police Sergeant Jimmy Egan auf der Suche nach dem Mörder Angel Tezo (Ramón Rodríguez) beim Verhör von dessen Komplizen Coco Dominguez (Manny Perez) sein wahres Gesicht zeigt, ist starker Tobak. Ohnehin ist das Skript von Gavin O’Connor und Joe Carnahan (Narc, USA/CAN/GER 2002) erfrischend kompromisslos. Damit dürfte es der Film so wie Dark Blue (UK/GER/USA 2002) von vornherein auf Kontroverse und Provokation angelegt haben. Fazit: Ein sehenswerter, spannender Neo Noir, aber in mehrfacher Hinsicht eben alles andere als leichte Kost.
Via Warner Bros. Entertainment GmbH erschien eine bild- und tontechnisch jeweils exzellente deutsche BD- und DVD-Ausgabe (2009) mit dem Film ungekürzt im Originalformat und inklusive des englischen Originaltons, dazu die deutsche Kinosynchronisation sowie optional Untertitel auf Deutsch und Englisch; als einziges Bonus-Material gibt es ein Making Of.











