Jet Li, Bridget Fonda, Tchéky Karyo, Ric Young, Burt Kwouk
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© Universum Film GmbH
Der Flughafen Charles de Gaulle in Paris, der Hauptstadt Frankreichs: Mit einem Linienflug der Air France trifft der chinesische Polizeibeamte Liu Jian (Jet Li) aus Shanghai ein. Als ihn der Zollbeamte (Bertrand Waintrop) hinterm Schalter bei Inspektion seines Reisepasses nach dem Grund für seinen Besuch in Paris fragt, antwortet Jian, dass er privat und zu seinem Vergnügen vor Ort sei. Im Fond des Taxis lauscht der Ankömmling dem Reggae-Klassiker Don’t Blame It On I von The Congos, und der Fahrer (Urfé Koupaki) mit seinen langen Dreadlocks singt lautstark mit, bevor er auch seinen Fahrgast fragt, ob ihm der Song zusage, was jener bejaht. Nach einer Fahrt entlang vieler Sehenswürdigkeiten der Stadt – Eiffelturm, Arc de Triomphe de l’Étoile, Opéra Garnier, - wird Liu an einer Gasse abgesetzt, in der Prosituierte in einer langen Reihe auf Kundschaft warten. Anhand einer Fotografie sucht der Polizist in der schäbigen, stark frequentierten Straße nach dem Ladenlokal von Onkel Tai (Burt Kwouk), der Krabbenchips herstellt und an die örtliche Gastronomie vertreibt. Beim Eintritt ist der ältere Herr soeben mit einem Kunden auf Chinesisch im Gespräch, den er in dem Moment verabschiedet, als ihm Liu Jian unauffällig die Fotografie vom Schaufenster des Ladens zeigt, die ihn herbrachte. Der Polizist stellt seine Reisetasche ab und nimmt sich ein Klappmesser, mit der er ein am Boden der Tasche verborgenes Geheimfach aufschneidet. Daraus entnimmt er eine Metallkassette, in der sich wiederum eine Pistole findet...
“You know, since I've been here I've had four others like you. Strong, fast, young. They've all died, the last right in my arms.” Im Kern ist dieser Film, meist als internationaler Martial-Arts-Thriller gehandelt, ein Neo Noir. Ein ausländischer Ermittler, der chinesische Polizeibeamte Liu Jian, kommt nach Europa, um in einem Fall von Drogenkriminalität zu ermitteln und einen Hehler, seinen Landsmann “Mr. Big“ (Ric Young), zu Fall zu bringen. Er soll mit den Behörden vor Ort kooperieren, findet sich von jenen aber hintergangen und sogar des Mordes angeklagt, ist es doch ihr Chefinspektor der Inneren Sicherheit, Jean-Pierre Richard (Tchéky Karyo), der als Kontaktmann in solche Drogengeschäfte verstrickt ist und seine Abteilung mit Kriminellen besetzte. Da kommt ihm Liu Jian als Bauernopfer gerade recht… Somit ist der Film in der Nachbarschaft von C-Man (USA 1949), French Connection II (USA 1975), Black Rain (USA 1989) oder Narrow Margin - 12 Stunden Angst (USA 1990) angesiedelt. Auch in Spiel mit dem Tode (USA 1948) oder in L.A. Confidential (USA 1997) sind diejenigen, nach denen man als Drahtzieher und Täter fahndet, genau solche, die die Ermittlungen leiten und vor nichts zurückschrecken um unerkannt zu bleiben. Mit der US-amerikanischen Prostituierten Jessica Kamen, von Bridget Fonda wunderbar verkörpert, kommt ein zweites Opfer der Umtriebe Jean-Pierre Richards ins Spiel, insofern ihre Tochter Isabel (Isabelle Duhauvelle) von jenem als Geisel gehalten wird. Auch Jessica hat ein Interesse daran, den Schurken im Staatsdienst zu Fall zu bringen. Der Unterschied zu den genannten Film-Noir-Klassikern besteht darin, dass der chinesische Polizist eine lebende Kampfmaschine ist, eine sogenannte One-Man-Army, wie sie in zeitgenössischen Produktionen von Denzel Washington, Jason Statham oder Keanu Reeves verkörpert wurde. Ich kann damit nichts anfangen, aber Jet Li verleiht seiner Person so viel Bescheidenheit, Coolness und Würde, dass es für mich den Unterschied ausmacht.
“The producer and co-author of the screenplay is Luc Besson (…) who lends his ace cameraman Thierry Arbogast to the director, Chris Nahon. They get a kind of gray-green, saturated noir feeling”, schrieb Roger Ebert im Juli 2001 für die Chicago Tribune. Allerdings ist Luc Besson (Nikita, FRA/ITA 1990), den ich als Regisseur so wie sein US-amerikanisches Pendant Quentin Tarantino nicht sonderlich schätze, keineswegs Autor der Filmgeschichte. Sie ist von Hauptdarsteller Jet Li persönlich verfasst worden. Letzterer machte einst auf eine Besonderheit, von westlichen Cineasten womöglich schnell übersehen, in ihrer Entwicklung aufmerksam. Liu Jian gibt Jessica Kamen das Versprechen, ihre Tochter aus den Fängen des Inspektors zu retten. Er gerät dadurch in Konflikt mit der Loyalität gegenüber seinem Heimatland und seinem Diensteid. Die tief wurzelnde Überzeugung, dass Liu sie niemals verriete, hat Jians Kollegen (Kentaro Matsuo, Vincent Wong) früh an Inspektor Richards Version von der Ermordung Mr. Bigs zweifeln lassen. Solches führt geradewegs zur exzellenten Chemie zwischen Liu und Jessica, die dem Film inmitten aller Action ein emotionales Gegengewicht verleiht, dessen die Geschichte unbedingt bedarf. Ein Film Noir, so rabenschwarz und hoffnungslos er mitunter scheinen mag, ist immer zutiefst romantisch. Ja, das Paris in Kiss Of The Dragon ist eins aus dem Märchen, komplett ohne Ordnungskräfte, welche der zügellosen Gewalt der Handelnden Einhalt geböten. Letztere ist oft so unrealistisch und im Finale so übermächtig, dass es irgendwann nervt… Dennoch mag ich, ebenso wie einst Roger Ebert, diesen Film. Er zählt für mich neben J. Lee Thompsons Murphy’s Law (USA 1986) oder Damian Harris‘ Bad Company (USA 1995) zu jener Art “guilty pleasure“, die ich immer mal wieder mit Genuss goutieren und insofern empfehlen kann. Knapp vier Sterne sind allemal drin.
Eine deutsche Blu-ray disc (2011) der Leonine Studios und DVD-Edition (2002) der Universum film GmbH sind bild- und tontechnisch erstklassig und bringen den Film ungekürzt (FSK 18) im Originalformat mit englischem Originalton oder mit der deutschen Kinosynchronisation, dazu wahlweise deutsche oder englische Untertitel und reihenweise Extras: ein Making of, die Features Bei den Dreharbeiten, Jet Li - Die Philosophie des Kämpfers, Cory Yuen - Action Academy, Martial Arts Demo: Kampf im Polizei-Trainigsraum, Musik-Clip "Lapdance" von N.E.R.D., Storyboard - In der Wäscherei, Storyboard - Im Waisenhaus vs. Final Cut, Action Galerie: Aufnahmen vom Set, dazu Interviews mit Jet Li und Bridget Fonda, und sowohl den internationalen als auch den deutschen Kinotrailer.











