Peter Five Eight



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Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
**
Originaltitel
Peter Five Eight
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2024
Darsteller

Kevin Spacey, Rebecca De Mornay, Jet Jandreau, Jake Weber, Michael Emery

Regie
Michael Zaiko Hall
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
102 min
Bildformat
Widescreen

 


 

 

Mit ihrem 1986er Chevrolet Corvette C4 fährt die Immobilienmaklerin Sam (Jet Jandreau) auf einer Landstraße inmitten malerisch bewaldeter Hänge im Sonnenschein. Sie hat heute einen Termin mit zwei Interessentinnen namens Jen (Kelley Poling) und Darla (Michele Farbman), die ein einsam gelegenes Landhaus besichtigen wollen. Tatsächlich zeigt sich das Paar beeindruckt und bittet Sam darum, das Haus keinen anderen Parteien mehr zu zeigen, was jene den beiden zugesteht. Indessen fährt in einem schwarzen Audi A8 ein Mann namens Peter (Kevin Spacey) durch die Tiefebene in Richtung der Kleinstadt, in der auch Sam in der Agentur Brendas (Rebecca De Mornay) arbeitet… Von einem Fenster aus beobachtet Sam, wie Jen und Darla abfahren, bevor sie in ihre Lederhandtasche greift und einen Flachmann zückt, aus dem sie mehrere Schlucke nimmt. Ihr Leben, so weiß sie, ist vor einigen Jahren von der Spur abgekommen, und alles, was bis dahin so perfekt und geordnet schien, ging vor die Hunde. Als sie selbst auf wackligen Beinen das zum Verkauf stehende Haus verlässt, kommt die ältliche Nachbarin Marlene (Elizabeth Harnett) des Weges und bittet die Maklerin darum, das Anwesen nicht an solche offensichtlich materialistisch orientierten Frauen zu verhökern. Es sei etwas Besonderes an der Energie in dieser Landschaft, die sich zusehends zum Negativen verändere. Die betrunkene Sam jedoch kanzelt sie ab, setzt sich hinters Steuer und fährt zurück in den Ort. Hier trifft inzwischen auch Peter an einer Tankstelle ein…

 

“All my mistakes led me here.” Der Satz wäre für den einst geachteten und 2017 infolge eines Pädophilie-Skandals tief gefallenen Schauspielers Kevin Spacey (L.A. Confidential, USA 1997) im Hinblick auf seine Mitwirkung in diesem Independent-Film womöglich symptomatisch. Er wird während eines Dialogs allerdings von Rebecca De Mornay (The Right Temptation, USA 2000) gesprochen, und im Rekurs auf ihre inzwischen 45-jährige Karriere voller falscher Entscheidungen zugunsten mancher Filmproduktion klingt er genauso triftig. Dass die zwei als gestandene Darsteller im fortgeschrittenen Alter, beide sind Jahrgang 1959, in diesem missglückten, geradezu dilettantischen Versuch eines Neo Noirs landeten, ist bemerkenswert. Dessen Autor, Regisseur und Produzent Michael Zaiko Hall ist von Haus aus Experte für Spezialeffekte und war als solcher mit jeweils vielen anderen für einige Blockbuster tätig, etwa für Matt Reeves‘ Cloverfield (USA 2008) oder für Ridley Scotts Prometheus (UK/USA 2011). Peter Five Eight ist seine dritte Filmproduktion als alleiniger Autor eines Drehbuchs und auf dem Regiestuhl, und es ist nicht zu glauben, wie schlecht der Film ist. Der Mann hat weder für das eine noch für das andere ein Talent. Vor allem das Editing und die Dramaturgie sind schier eine Katastrophe. Alle Dialoge sind von Anbeginn langweilig; ihr “Sprachwitz“ zündet nicht ansatzweise. Hin und wieder kommt ein vermeintlich tiefgründig bedeutungsschwangerer Monolog vom Erzähler oder der Erzählerin aus dem Off, dem schwarzgekleideten Peter oder der erfolglosen Maklerin Sam, beide Fremde in jener Kleinstadt inmitten von Pinienwäldern. Ihre Sätze aber verbinden sich nicht mit der Handlung, hängen in der Luft, bleiben indifferent. Anders ausgedrückt: Es gibt so ziemlich nichts, was das Publikum bei der Stange hält. Auch nach 30 Minuten kommt keine Filmhandlung, keine Erzählung zustande, die das Werk aber vorgibt wiederzugeben. Folglich kostet es regelrecht Energie, sich Peter Five Eight am Stück anzusehen, derart waren zumindest mir die Rollencharaktere und ihre Verhältnisse ab der ersten Szene egal. 

 

“In terms of plot logic, there’s very little, (…) which may be a case of bad editing but more likely because the script (…) has been lazily written (…) Some scenes are so badly acted and written that they’re hilarious to watch”, resümiert Lee Brown for Streaming UK, und dem kann ich nur zustimmen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich konträr zu US-amerikanischen und britischen Rezensenten nicht den Effekt eines zwar extrem miserablen, dadurch aber lustigen Werks erleben konnte. Für mich ist dieser vermeintliche Neo Noir einfach nur Schrott. Lediglich eins an der Produktion zeugt von Qualität, und das ist Kevin Spacey selbst. Als Schauspieler von Rang lässt er sich nicht dazu hinreißen, eine minderwertige darstellerische Leistung abzuliefern, da ihm jenseits des Honorars an diesem Film möglicherweise eh nichts lag. Es ist mir im Zusammenhang wichtig festzustellen, dass Kevin Spacey sowohl von der 2020 durch den US-Kollegen Anthony Rapp vorgebrachten Strafanzeige wegen sexueller Belästigung (Rapp war 1986 14 Jahre alt) als auch von ähnlichen, in London, England, verhandelten Anklagen in zwei ausführlichen Gerichtsprozessen und zwar in allen darin verhandelten Punkten freigesprochen wurde. Damit gebe ich Tatsachen wieder und positioniere mich in der Debatte nicht. Zu Michael Zaiko Halls Peter Five Eight muss demgegenüber das Urteil lauten: Besser nicht anschauen. Das ist wirklich verschwendete Lebenszeit. Und zu guter Letzt… ist Jet Landreau wahrscheinlich zu unbedeutend. Verdient hätte sie die Goldene Himbeere für die schlechteste Schauspielerin des Jahres 2024 auf jeden Fall.

 

Einzig in den USA gibt es durch Invincible Entertainment eine DVD-Edition (2024) des Films mit selbigem ungekürzt und ton- sowie bildtechnisch einwandfrei, dazu den original englischen Ton ohne Untertitel. Das Ganze beinhaltet allerdings keinerlei Extras.

 


 

Neo Noir | 2024 | USA | Michael Zaiko Hall | Kevin Spacey | Rebecca De Mornay

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