Simon Baker, Rob Collins, Natasha Wanganeen, Nicholas Hope, Mark Coe
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Im südaustralischen Outback besucht Police Detective Travis Hurley (Simon Baker) die Kleinstadt Limbo und checkt im Limbo Motel ein, das seinen Gästen in den Fels gebaute Zimmer bietet. Hier pack er Löffel und Spritzbesteck aus und verabreicht sich eine Dosis Heroin in den linken Arm, worauf er sich nach hinten aufs Bett fallen lässt. In der Dunkelheit der fensterlosen Kammer klingelt der Wecker. Hurley steht auf und versteckt, nachdem er den Einstich in der Armbeuge mit einem Pflaster abdeckt und bevor er das Zimmer verlässt, seine Dienstwaffe unter der Matratze. Über der Wüstenlandschaft liegt gleißender Sonnenschein, als er zum Haus von Charlie Hayes (Rob Collins) fährt, wo er an Tür und Fenster klopft, doch niemand öffnet ihm. Er fährt weiter und fragt bei einer Polizeistreife, die ihm den Weg weist, der die einzige staubige Piste entlang in die Wüste führt. Hurley findet Charlie, der in einem verrosteten Wohnwagen vor dem Eingang zu seiner Opalmine lebt. Letztere durchziehen die Gegend rund um die Stadt. Vom Auffinden und vom Verkauf des australischen Naturedelsteins lebt der Großteil der Bewohner. Im Gegensatz zu Hurley ist Charlie ein Aborigine, und als ihm der Polizist eröffnet, dass er mit ihm über das 20 Jahre zurückliegende Verschwinden seiner Schwester Charlotte sprechen wolle, weist er ihn ab, indem er erklärt, dass er mit weißen Schnüfflern nicht zusammenarbeite. Also fragt Travis ihn nach seiner Schwester Emma (Natasha Wanganeen), die laut Charlie in Limbo in einem Café arbeitet…
„Limbo von Ivan Sen (…) erzählt in Neo-Noir-Manier von einem introvertierten Mann, der einen Auftrag zu erfüllen hat (…) unterläuft (…) indes gekonnt unsere Genre-Erwartungen“, schreibt Andreas Köhnemann für Kino-Zeit, und das ist in seiner nüchternen Beschreibung zutreffend. Misstrauen, Schweigsamkeit und Apathie! Das fasst den Großteil der Begegnungen Travis Hurleys mit den Einwohnern der Stadt Limbo zusammen, die er zum Fall der vor 20 Jahren ermordeten Charlotte Hayes befragt. Niemand hat Interesse daran, ein neues Licht auf die alte Geschichte zu werfen. Niemand vetraut darauf, dass der Kriminalfall sich nach so langer Zeit in irgendeiner Weise lösen ließe. Zumal der Hauptverdächtige, Leon Cutmore, laut seinem Buder Joseph (Nicholas Hope), der ebenfalls in einer Opalmine arbeitet, im Vorjahr an Demenz verstarb. Als Hurley bereits abreisen will, durch den Diebstahl des Steuergeräts aus seinem 2010 Holden Commodore jedoch gezwungen ist, bis zum Ende der Reparatur in Limbo zu bleiben, kontaktiert ihn Charlie Hayes, und die Ermittlung wird fortgesetzt… Hier festzuhalten, der Film sei in seiner Dramaturgie geruhsam und stellenweise regelrecht langsam, ist fast eine Untertreibung, vergleicht man ihn mit dem Erzähltempo, der Schnittfolge und der Dichte an Ergeignissen in anderen Werken, die als Neo Noir firmieren. Limbo hat mit einem begrenzten Ensemble, seiner ebenso weiten wie tristen Landschaft und jener in der Hitze der Wüste fast zum Stillstand kommenden Handlung ohne Musikbegleitung fast den Charakter eines Kammerspiels. Das ist sicher kein Film für diejenigen, die sich an die Taktung des zeitgenössischen Kinos gewöhnt haben. Sogar für Cineasten klassischen Erzählkinos ist der stets melancholische, mitunter deprimierende Grundton im Leben aller Figuren nicht leicht auszuhalten. Hier sucht man noch kleinste Spuren von Lebensfreude oder gar Hoffnung vergeblich. Teils wird es ironisch gebrochen: Emmas Pflegetochter Jessie (Alexis Lennon) trägt ein T-Shirt mit Aufschrift “Smile“, während die Erwachsenen um sie herum immerzu den Inbegriff von Niedergeschlagenheit darstellen.
Als ich mich mit Blick auf meine eigene Erwartungen ans Werk geschlagen geben wollte, gerieten die Verhältnisse plötzlich noch in Bewegung. Die letzten 15 Minuten sind stimmig, werten den Film auf, so dass ich knapp 4 Sterne vergebe. Im Mittelteil vertraut Ivan Sen, selbst Aborigine und hier fürs Drehbuch, für die Regie, Produktion und Kameraarbeit, für das Casting, den Schnitt und die Musik (des Abspanns) verantwortlich, zu sehr auf die Schönheit seiner Bildsprache in Schwarz-Weiß, die allemal bestechend ist, aber die Erzählung eben nicht allein trägt. Limbo ist mitunter repititiv und fast zäh, schafft es jedoch, seinem Ensemble von Rollencharakteren ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und mitunter Tiefe zuzugestehen. Das ist nicht selbstverständlich, wird auch nicht durch ein übertriebenes oder aufgesetztes Finale und/oder Ende zunichte gemacht, sondern konsequent durchgespielt. Mit Mystery Road (AUS 2013) und Goldstone (AUS 2016) hatte Ivan Sen den indigenen Police Detective Jay Swan (Aaron Pedersen) geschaffen, der im Anschluss auch in zwei Staffeln einer TV-Serie ermittelte. Limbo ist ein eigenwilliger Schritt zur Seite und auf jeden Fall einer abseits vom Mainstream des Thriller- und Actionfilms und allein deshalb erwähnenswert.
Obgleich der Film weltweit fast nur auf Filmfestivals zu sehen war und im Kino von einigen Tausend Menschen gesehen wurde, gibt es via Brainstorm Media (USA) eine auf 1000 Stück limitierte Blu-ray disc (2025) mit dem Werk bild- und tontechnisch topp, dazu die original englische Tonspur und englische Untertitel. Die Extras beinhalten Interviews mit Simon Baker, Rob Collins, Natasha Wanganeen, Nicholas Hope, mit Ivan Sen und Co-Produzentin Elaine Crombie, dazu den Kinotrailer, ein Behind The Scenes und ein Booklet mit Fotos und einem Filmessay von Filmjournalistin Alexandra Heller-Nicolas. Eine dänische DVD (2024) der Angel Films bringt den Film ungekürzt, bild- und tontechnisch auch einwandfrei, aber ohne Extras, dafür mit UT wahlweise auf Dänisch, Schwedisch, Finnisch zum englischen Originalton.










