Wei Tang, Hae-Il Park, Jung-Hyun Lee, Yong-Woo Park, Kyung-Pyo Go
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Busan, Südkorea: Der bei der Mordkommission als Ermittler arbeitende Hae-Jun Jang (Hae-Il Park) und sein Partner Soo-Wan (Kyung-Pyo Go) beenden ihre Übungen auf dem Schießstand der Dienststelle und sprechen über den Fall von Ji-Goo Lee (Hak-Joo Lee) und San-Oh Hong (Jeon-Min Park), der dringend abgeschlossen werden müsse. Nachdem Hae-Jun Jang herausfand, dass Ji-Goo Lee beim Internetcafé Big Brother einen Gutschein zurückzugeben versuchte und von einer Angestellten erkannt wurde, observiert Soo-Wan das Etablissement auch nachts. Indessen befindet sein älterer Kollege sich bereits auf der Autobahn. Hae-Jun Jang leidet an Schlaflosigkeit und führt mit seiner Ehefrau Jung-An (Jung-Hyun Lee), die in der Küstenstadt Ipo als Inspektorin in einem Atomkraftwerk beschäftigt ist, eine Fernbeziehung. Nur am Wochenende fährt er in die gemeinsame Wohnung, wo es Jung-An wichtig ist, dass sie ihr Miteinander auch sexuell am Leben erhalten. Jung-An fände es schön, wenn ihr Mann sich nach Ipo versetzen ließe… Kurz darauf wird am Fuß eines Berges in unmittelbarer Nähe Busans die Leiche von Do-Soo Ki (Seung-Mok Yoo) gefunden. Der 60-jährige Mann war bei der Zollbehörde mit illegaler Migration befasst und betätigte sich im Ruhestand als Hobby-Bergsteiger, indessen er stets auch an Befragungen beteiligt war. Was erst nach einem Absturz beim Aufstieg aussieht, wird in Zweifel gezogen, wenn Hae-Jun Jang und Soo-Wan auf dem Gipfel den Rucksack des Toten entdecken…
Ich zähle sicher zu den wenigen Cineasten, die Chan-Wook Parks internationalen Überraschungserfolg Oldboy (KOR 2003) für einen extrem überschätzten Film, ja für einen mäßigen und zu guter Letzt unglaubwürdigen Thriller halten. Das hindert mich keinesfalls daran, andere Werke des südkoreanischen Autors und Regisseurs zu goutieren, der als Filmschaffender über ein hohes Maß an Talent verfügt. In seinem mit Wei Tang und Hae-Il Park besetzten Neo Noir Die Frau im Nebel, der auch hierzulande im Kino lief, bringt er das in mehrfacher Hinsicht zur Geltung. Die Geschichte um einen Kommissar der Mordkommission und eine des Mordes verdächtige Femme fatale ist zwar fast so alt wie die Historie des Kinos, aber Chan-Wook Park und sein Co-Autor Seo-kyung Chung dichten ihr eine Reihe ungewöhnlicher Facetten an, so dass sie von Anbeginn geradezu frisch und eigenwillig daherkommt. Dass die nach Südkorea eingereiste Chinesin Seo-Rae Song (Wei Tang), von Beruf eine Krankenpflegerin, deren Familie wiederum ihre Wurzeln in Korea hatte, durchaus Gründe hat ihren Ehemann Do-Soo Ki umzubringen und in China wegen der möglichen Ermordung ihrer eigenen Mutter gesucht wird, erschließt sich dem Kommissar Hae-Jun Jang und uns Zuschauern relativ schnell. Aber das ist zweitrangig. Denn wie in Felix E. Feists The Man Who Cheated Himself (USA 1950) oder in Paul Verhoevens Basic Instinct (UK/USA 1992) verliebt sich der Polizeibeamte wider seinen Willen in die Hauptverdächtige seiner Ermittlungen. Dabei gerät er in einen Strudel von Verwicklungen, darin er trotz seiner Erfahrung und Klugheit, auf die er sich stets verlassen kann, die Fäden der Manipulation, darin er sich verfängt, nicht genau zu erkennen versteht. Die wirkliche Stärke, die Autoren und Regisseur aber ausspielen, besteht darin, dass sie auf diesem Kurs all die offensichtlichen Klischees gekonnt umschiffen. Damit unterläuft die Handlungsentwicklung trotz der dunklen Ecken in der Familiengeschichte Seo-rae Songs, mit denen wir sukzessive vertraut sind, unsere Erwartungen. Genau das macht Die Frau Im Nebel zu einem ungewöhnlichen, zu einem spannenden und cleveren Filmerlebnis.
„Der eleganteste und innovativste Neo-noir seit Jahren“, warb das Film Festival Cologne für diesen Titel seines Programms, und hier ist auffällig, dass mit „elegant“ ein für das Thriller-Kino ungewöhnlicher Begriff gewählt wurde. Der aber trifft es. Tatsächlich ist das Werk in Inhalt und Form damit präzise erfasst. Die Rollencharaktere umkreisen einander mit ihren von vielen Beschädigungen durch das Leben geprägten, neurotisch-misstrauischen Blicken. Sie geraten in komplexe Verhältnisse, denen ihre Dialoge einen mitunter fast poetischen Ausdruck verleihen, und all das, hierin liegt die Kunst, wirkt nicht aufgesetzt und forciert. Es erscheint uns im Gegenteil schlicht zwangsläufig. Neben der Würde, die sie ihrem Leben je abgewinnen, ist es Ji-Yong Kims (A Bittersweet Life, KOR 2005) Kameraarbeit, die dem Film mit einer hoch ästhetischen und doch oft nüchternen Bildsprache eine große Eleganz verleiht. Nur knapp schrammt Die Frau im Nebel für mich am Meisterwerk vorbei, insofern die Beziehung zwischen Seo-Rae Song und Hae-Jun Jang zwar vollauf gelungen und bestechend vielfältig ist, diejenige zwischen dem Kommissar und seinem Partner Soo-Wan jedoch die üblichen Standards bedient und teils etwas nervt. Allemal ist Die Frau im Nebel ein sehenswerter Neo Noir aus Südkorea, der auch Tage später noch in Erinnerung bleibt und zum Nachdenken anregt. Ein ganz und gar eigentümliches Werk.
Von dem Film gibt es eine fein editierte deutsche BD-Edition (1080 p, 2023) und auch eine DVD (2023) der Plaion Pictures GmbH, also mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch einwandfrei, dazu die original koreanische Tonspur und die deutsche Kinosynchronisation (die man jedoch vermeiden sollte) sowie optional Untertitel auf Deutsch. Als Extras sind eine Einführung in den Film mit Hae-Il Park und Wei Tang, ein Behind The Scenes In Cannes plus Interviews mit Chan-Wook Park, ein VFX-Reel und eine BTS-Bildergalerie und der Kinotrailer beinhaltet. Das Ganze gibt es im alternativen Cover noch als Luxus-Edition, also als 2-Disc-Mediabook (2023) mit 4K UHD plus der regulären BD inklusive der bereits gelisteten Extras.











