Undercover - In Too Deep

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Bewertung
****
Originaltitel
Undercover - In Too Deep
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1999
Darsteller

Omar Epps, LL Cool J, Nia Long, Stanley Tucci, Hill Harper

Regie
Michael Rymer
Farbe
Farbe
Laufzeit
97 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Studiocanal GmbH

Cincinnati, Ohio: Der Afroamerikaner Jeff Cole (Omar Epps) hat soeben das Examen der Cicinnati Police Academy bestanden. Auf der Abschlussfeier spricht er mit seinem Vorgesetzten, Police Captain Preston D’Ambrosio (Stanley Tucci), über einen möglichen Undercover-Einsatz. D’Ambrosio hat schon mehr als einen Bewerber für solch ein Vorhaben. Aber Cole kann ihn überzeugen, und er vereinbart mit ihm für den nächsten Tag einen Termin… Unter den Augen und Ohren der Police Detectives Angela Wilson (Pamela Grier) und O’Hanlon (Kevin Chapman) in einem Überwachungswagen nimmt der auf Cincinnattis Straßen unbekannte Cole unterm Deckamen J. Reid kurze Zeit später mit einem Drogenhändler (Nas) Kontakt auf. In einem Wohnviertel versucht er an der Straßenecke Crack zu kaufen, doch ein zweiter Dealer (K.C. Collins) wird misstrauisch und zückt sein Messer. Cole bleibt gelassen und schließt tatsächlich einen Deal ab, kurz bevor O’Hanlon und Wilson eingegriffen hätten. Bei einem Treffen mit Captain D’Ambrosio gibt er sich selbstbewusst und vom Erfolg angespornt, zugleich mahnt ihn jener, solchen Erfolg der Abteilung und nicht sich selbst zuzuschreiben. Kurz darauf sitzt Jeff Cole als J. Reid am Küchentisch der Drogenhändler Felipe (Robert LaSardo) und Auguste Battiste (Guillermi Díaz) und spricht mit ihnen über sein Interesse am Erwerb von mehreren Kilogramm Kokain. Indessen fordert deren Schwester Esperenza (Anna Carolina Alvim) den jungen Afroamerikaner zum Tanz auf…

 

“Composer Christopher Young (…) managed to incorporate a slightly noir style of classic street thriller origin with the use of muted trumpets and saxophones”, schreibt Christian Clemensen für Filmtracks über die Musik zu einem Film, für den er deutlich weniger lobende Worte findet. Tatsächlich finden sich in dem Neo-Noir-Thriller unter der Regie des Australiers Michael Rymer kaum etwas, das man für die Zeit seiner Entstehung als innovativ bezeichnen könnte. Der Undercover-Cop trat im Film Noir spätestens seit Geheimagent T (USA 1947) in Erscheinung, obgleich es schon in den 30er Jahren patriotisch eingefärbte Varianten dessen gab, etwa in dem mit Edward G. Robinson besetzten Pre Noir Revolver und Roulette (USA 1936). Anthony Manns Geheimagent T fokussierte die Gefahren und die Härten des Unterfangens. Und so schlüpften kurz darauf Marsha Hunt in Mary Ryan, Detective (USA 1949), Edmond O‘Brien in Sprung in den Tod / Maschinenpistolen (USA 1949) und Ricardo Montalban in Border Incident (USA 1949) in die Rolle des Undercover-Cops, der im Getriebe einer Verbrecherorganisation deren Abläufe und Personen identifizieren soll. Rymers mit Omar Epps exzellent besetzter Film bezieht sich vor allem auf Bill Dukes Jenseits der weißen Linie (USA 1992) darin Laurence Fishburne als ein afroamerikanischer Undercover-Cop aus Cleveland, Ohio, unterm Decknamen John Hull in ein Drogensyndikat in Los Angeles eingeschleust wird. Hulls Strategie und diejenige J. Reids sind ähnlich, zudem zitiert Rymer aus Dukes Neo Noir explizit eine Szene, darin ein Mann auf einem Billardtisch gefoltert und getötet wird.  Und exakt wie in Dukes Film geht es auch in Rymers Werk nach einem Skript von Michael Henry Brown (Dead Presidents, USA 1995) und Paul Aaron (Todesschwadron, USA 1983) um die Grenze zwischen dem Polizisten, der sich nicht nur wie ein Verbrecher verhält, sondern zunehmend selbst zu einem wird.

 

“Black people in this country, they wanna feel like they are part of something.“ Sätze wie dieser aus dem Mund des Gangsters Dwayne “God“ Gittens (LL Cool J), der zentrale Gegenspieler von J. Reid alias Jeff Cole, sind die Ausnahme in einem Thriller, der fast ausschließlich in der afroamerikanischen Gemeinde Cincinnattis spielt und sich ganz auf seine Kriminalhandlung konzentriert. Wer die Gangster fasst und vor Gericht stellt, macht die Welt der USA automatisch zu einer besseren, so der Subtext vieler Reden des von seiner Mission überzeugten und nahezu schon besessenen Jeff Coles. Als Afroamerikaner respektiert und versteht er seine Community und als Polizeibeamter hat er gegenüber den weißen Kollegen keinen leichten Stand. Aber der Film lässt Probleme solcher Art links liegen, er streift sie lediglich, und damit entpuppt sich Undercover – In Too Deep als deutlich oberflächlicher als sein Vorläufer Jenseits der weißen Linie (USA 1992). Dank der überzeugenden Chemie seiner Darsteller, einer stringenten Dramaturgie und erstklassiger Drehorte vor Ort in Cincinnatti bebildert dieser Neo Noir dennoch eine nicht nur kurzweilige sondern teils auch harte und von der Relevanz jener Themenkreise der US-Gesellschaft zumindest vorangetriebene Erzählung. Allemal sehenswert!

 

Es gibt eine in der Auflagenstärke angeblich stark limitierte deutsche BD (2019) der Media Target Distribution GmbH und eine bereits vor 20 Jahren bei Kinowelt / StudioCanal erschienene DVD-Ausgabe (2000) mit dem Film jeweils ungekürzt und im Originalformat, bild- und tontechnisch einwandfrei, dazu die deutsche Kinosynchronisation (im Grunde bei einem solch in der Sprache seiner Community verwurzelten Film ein Unding!) und die original englische Tonspur plus optional deutscher Untertitel. Die BD beinhaltet als Extras Interviews mit LL Cool J, Nia Long und Omar Epps, ein Making Of und ein Musikvideo, dazu den deutschen Kinotrailer, den US-Kinotrailer und sogar noch den US-Videotrailer.

 


Neo Noir | 1999 | USA | Michael Rymer | Don Harvey | Stanley Tucci | Pam Grier

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