Siberia

 banner_02_noir_city-18-web-2.jpg


banner_noir_film_festival-2020-2.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
***
Originaltitel
Siberia
Kategorie
Neo Noir
Land
CAN/USA/GER
Erscheinungsjahr
2018
Darsteller

Keanu Reeves, Ana Ularu, Pasha D.Lychnikoff, Dmitry Chepovetsky, James Gracie

Regie
Matthew Ross
Farbe
Farbe
Laufzeit
104 min
Bildformat
Widescreen

 


 

Siberia-Poster-web1.jpg Siberia-Poster-web2.jpg Siberia-Poster-web3.jpg Siberia-Poster-web4.jpg

 

Der US-amerikanische Diamantenhändler Lucas Hill (Keanu Reeves) fliegt nach Sankt Petersburg, Russland, wo er einen Verkauf von insgesamt 12 seltenen blauen Diamanten an den Gangster Boris Volkov (Pasha D. Lychnikoff) abwickeln möchte. Am Flughafen informiert ihn sein russischer Partner Pyotr (Boris Gulyarin) per Videonachricht darüber, dass er sich bitte beeilen solle, da es noch etwas gäbe, was er ihm mitteilen müsse. Als Hill im Luxushotel in Sankt Petersburg eintrifft, teilt ihm die Portierin Raisa (Veronica Fereres) mit, dass Pyotr vor einer Stunde abgereist sei. Einige Männer hätten nach ihm gefragt, worauf er nervös das Weite gesucht und ihr ausgerichtet habe, er möchte sich mit Lucas Hill nun in Mirny, Sibirien, treffen und zwar in einer dort ansässigen Pension. Hill durchstöbert das Zimmer von Pyotr, um das Muster des blauen Diamanten zu suchen, den Pyotr mit sich führte, und er versucht ihn anzurufen, doch beides bleibt vergebens. Kurze Zeit später kommt Boris Volkov mit zwei Leibwächtern (Vladimir Shklyar, Rafael Petardi) in das Hotel und zeigt sich gegenüber Lucas Hill mehr als ungehalten darüber, das sein 50 Millionen teurer Kauf womöglich nicht zustande kommen wird. Volkov droht Hill indirekt mit unabsehbaren Konsequenzen und erwähnt, dasss der Südafrikaner Vincent (James Gracie) in der Stadt sei und jener mit dem Verzug hoffentlich nichts zu tun habe. Hill bestreitet das und erbittet sich zwei Tage Aufschub, um dann mit dem kompletten Kontingent blauer Diamanten vor Ort zu sein.

 

“Die Erkenntnis, dass dies kein Actionfilm und im Grunde auch kein echter Thriller ist, kommt etwa zur Filmmitte“, schreibt Vince für Actionfreunde.de und mich wundert es nicht im Geringsten. Schon Matthew Ross‘ vorhergehender Film Frank & Lola (USA 2016) war als Neo Noir mit komplexen Charakteren und ihren Untiefen vor allem an dem romantischen Glimmen in jener Dunkelheit interessiert, darin die Handlung sich vollzieht. In Frank & Lola mochte ich die Darsteller Michael Shannon und Imogen Poots und fand auch die Verkörperung ihrer Rollencharaktere jeweils glaubwürdig. In Siberia schätze ich die rumänische Schauspielerin Ana Ularu und die Art, wie sie ihre Rolle mit Leben füllt. Zudem bin ich nicht der einzige Kritiker, der konträr zu einer Vielzahl von Hasskommentaren auf imdb.com feststellt, dass das Drehbuch von Scott B. Smith (Ein einfacher Plan, FRA/UK/GER/USA/JPN 1998) nach einer Erzählung von Stephen Hamel Potential zeigt. Indessen von Filmjournalisten die Mängel der Inszenierung und der Dramaturgie durch Matthew Ross gelistet werden, sehe ich das zentrale Problem des Films woanders. Für mich heißt es Keanu Reeves. Der Star des Films vermittelt den Eindruck, als sei er weder an der Rolle noch am Film interessiert und wie zufällig aus den Kulissen eines Sequels seiner erfolgreichen 08/15-Actionfilmreihe John Wick (USA 2014 - 2019) ins Nachbarstudio geschlendert. Ähnlich wie Nicolas Cage zeigt Keanu Reeves jüngst eine Tendenz, pro Jahr in 3, 4 Produktionen aufzutreten, Doch während Cage, dem sein Over-Acting zum Markenzeichen wurde, sich verausgabt, wirkt Reeves in Siberia vollends steif und unbeteiligt. Und während Shannon und Poots als Frank & Lola gerade in Szenen erotischer Nähe zu glänzen wussten, sind in Siberia die Sexszenen von Reeves und Ularu so hektisch funktional (und prüde) inszeniert, dass es der Leinwandchemie ihrer Liebenden eher abträglich ist.

 

Neben Ana Ularu und allen russischen Darstellern überzeugt noch die Kameraarbeit von Eric Koretz (Frank & Lola, USA 2016), der sowohl die Metropole Sankt Petersburg als auch die Einöde Siberiens (teils in Kanada gefilmt) in stilsicheren Bildkompositionen einfängt. Das Drehbuch lässt es jedoch an Spannungsaufbau fehlen und zeichnet sich durch Klischees und Ungereimtheiten aus. Die Gangster sind ebensolche Abziehbilder böser Mordbuben, wie wir sie aus John Wick oder den gleichfalls banalen, mit Denzel Washington besetzten Filmen um The Equalizer (USA 2014 und 2018) kennen. Vor allem überzeugt Lucas Hill, wortkarg und immerfort verkrampft, als angeblich erfahrener Diamantenhändler nie und nimmer. Dass er bei einem so wichtigen und gefährlichen Geschäft zu 100% von seinem Partner abhängig bleibt und dass er in der Hälfte des Films dort ankommt, wo er anfing, nämlich bei der Durchsuchung des von Pyotr in Sankt Petersburg gemieteten Hotelzimmers und dass er nun, welch ein Glück, fündig wird, ist zäh und mühsam konstruiert, um den zugunsten der Liebe blockierten, ersten Handlungsfaden wieder aufzunehmen. Letztendlich ermüdet es das Publikum und lässt es das Interesse verlieren. Dies ist bedauerlich, denn irgendwo in Lucas Hill steckt ein Film-Noir-Charakter, der sein Schicksal selbst bestimmt und das erkennt und dennoch nicht aus seiner Haut kann. Ihm und den Zuschauern hätte man einen besseren Film gewünscht, aber das bereits erwähnte Potential bleibt ungenutzt.

 

Sehr gute BD und DVD-Editionen (2019) der Concorde Home Entertainment GmbH mit dem Film ungekürzt im Orginalformat, ton- und bildtechnisch erstklassig, dazu mit dem englischen Originalton und einer deutschen Synchronisation, obgleich der Film trotz Beteiligung einer deutschen Filmproduktion hierzulande nie ins Kino kam, optional deutsche oder englische Untertitel, ein Making-of und den Kinotrailer als Extras.

 


Neo Noir | 2018 | International | Matthew Ross | Keanu Reeves

Neuen Kommentar schreiben

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.