Mörder kam um Mitternacht, Der

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Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
Un témoin dans la ville
Kategorie
Post Noir
Land
FRA/ITA
Erscheinungsjahr
1959
Darsteller

Lino Ventura, Sandra Milo, Franco Fabrizi, Jacques Berthier, Robert Dalban

Regie
Édouard Molinaro
Farbe
s/w
Laufzeit
89 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Der Industrielle Pierre Verdier (Jacques Berthier) stößt seine ihm lästige Geliebte Jeanne Ancelin (Françoise Brion) trotz Gegenwehrs aus einem fahrenden Schnellzug, woraufhin sie stirbt. In Paris wird ihm wegen Mordes der Prozess gemacht, und anlässlich einer Besprechung besucht Verdiers Anwalt (Jacques Monod) mit seinem Klienten den Untersuchungsrichter (Michel Etcheverry) in dessen Büro. Zur Überraschung und zur Zufriedenheit des Verteidigers wird die Anklage wegen Mangels an Beweisen fallengelassen. Der Richter formuliert im Gegenzug eindeutig, wie sehr er das vorzeitige Ende des Falls missbilligt. Er hegt keinen Zweifel an der Schuld Verdiers und sieht ungeachtet des Protests des Anwalts mit diesem endgültigen Beschluss die Rechtssprechung unterwandert. Pierre Verdier mimt den Betroffenen, lässt sich durch den Richter aber nicht aus der Ruhe bringen. Es ist spät am Abend, als er mit seinem Wagen auf dem Weg nach Hause ist. Plötzlich wird er von einem anderen Wagen, dessen Fahrer (Alain Nobis) einem Hund ausgewichen ist, gerammt. Beide Autos sind beschädigt, in der Gegend gibt es um die Zeit kein Taxi mehr, also muss sich Verdier mit der Metro auf dem Heimweg begeben… In der Rue St. Claude nähert sich indessen ein Mann im Trenchcoat (Lino Ventura) der Villa Verdiers und verschafft sich Zutritt mit einem Schlüssel. Hier benutzt er ausschließlich eine Taschenlampe, entfernt die Hauptsicherung und beginnt mit seinen Vorbereitungen. Der Eindringling ist Monsieur Ancelin, ein Witwer, der auf Rache sinnt…

 

“Un témoin dans la ville is a white-hot noir firing on all cylinders. The no-nonsense editing packs in enough narrative information to fill two or three films“, schreibt Tanner Tafelski in seiner Besprechung für das Brooklyn Magazine. Tatsächlich zählt dieser frühe Thriller des späterhin so wie Blake Edwards (Der letzte Zug, USA 1962) fast durchgehend auf Komödien spezialisierten Regisseurs Édouard Molinaro zum Kanon der vergessenen französischen Film Noirs aus den 50er Jahren. Vergessen sind sie vor allem international, was damit zusammenhängt, dass man in Frankreich eigene Klassiker auf BD oder auf DVD konsequent ohne Untertitel oder gar andere Tonspuren wiederveröffentlicht. Denn Filme à la Der Mörder kam um Mitternacht liefen einst weltweit im Kino, war doch jemand wie Lino Ventura so wie Jean Gabin, Michel Simon, Charles Vanel, Serge Reggiani, oder Bernard Blier auch international kein Unbekannter. Erschwert wird die Wiederentdeckung durch exorbitant hohe Lizenzgebühren, die eine BD-/DVD-Veröffentlichung in Deutschland mit sich brächten, so dass letztere kommerziell unattraktiv bleibt. Dies bleibt bedauerlich, denn Tafelski hat Recht. Édouard Molinaros Der Mörder kam um Mitternacht ist ein rasantes, exzellent gespieltes und bis zur letzten Einstellung konsequent durchkomponiertes Drama im nächtlichen Paris, das eine simple Geschichte durch kluge Wendungen und vielschichtige Charaktere zu einer Tragödie stilisiert. Ihren Kriminalfall behandeln die Autoren und der Regisseur dabei fast wie eine Zugabe, die allemal den Zündstoff für jene Spannung liefert, die weit tiefer Wurzeln schlägt. Und wen wundert es? Der Film basiert auf einem Roman des französischen Autoren-Duos Pierre Boileau und Thomas Narcejac, die mit ihrem zweiten Buch Celle qui n'était plus (EA 1952) - auf Deutsch Tote sollten schweigen (EA 1963) - die Vorlage für Henri-Georges Clouzots Die Teuflischen (FRA 1955) und mit ihrem vierten Buch D'entre les morts (EA 1954) - auf Deutsch Von den Toten auferstanden (EA 1959) diejenige für Alfred Hitchcocks Vertigo – Aus dem Reich der Toten (USA 1958) lieferten.

 

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Mancher internationale Kritiker staunt noch heute, dass in Der Mörder kam um Mitternacht Lino Ventura den vermeintlich skrupellosen Mordbuben spielt. Doch schon in seinem Debüt Wenn es Nacht wird in Paris (FRA/ITA 1954) sowie in Razzia in Paris (FRA 1955) mimte Lino Ventura einen Gangster, was er hier nicht tut. Ancelin ist Mitarbeiter einer Spedition und hat zwar den Ruf, ein grantiger, schwermütiger Einzelgänger zu sein, jedoch ist es Pierre Verdier, der den schweigsamen, impulsiven Einsamen zum Äußersten treibt, und Lino Ventura ist für die Verkörperung des jäh aus seinem Leben gerissenen Alltagsmenschen wie geschaffen. Auch Sandra Milo, Robert Dalban und Franco Fabrizi überzeugen in ihren jeweiligen Rollen, und die Einblicke in die Innung der Pariser Taxifahrer bei Nacht ist mit viel Liebe zum Detail und Charme ein weiteres Indiz dafür, dass mancher Blick durchs Auge der Kamera einzig und allein in Frankreich möglich scheint. Édouard Molinaro wechselte ab den frühen 60er Jahren vornehmlich ins Fach der Komödie, doch 14 Jahre später gelang ihm mit Die Filzlaus (FRA/ITA 1973) erneut eine gelungene Kooperation mit Lino Ventura, inzwischen ein Weltstar, der hier an der Seite des Chansoniers Jacques Brel einen von widrigen Umständen geplagten Auftragsmörder spielt.

 

Es gibt via Gaumont jeweils eine bild- und tontechnisch erstklassig restaurierte französische BD (2014) und eine DVD (2011) mit der original französischen Tonspur und mit optional französischen Untertiteln für Hörgeschädigte, aber ohne jegliche sonstige Sprachoptionen, wie es für Frankreich typisch ist, das Ganze mit dem original Kinotrailer als einzigem Extra.

 


Post Noir | 1959 | France | Édouard Molinaro | Pierre Boileau | Thomas Narcejac | Henri Decaë | Franco Fabrizi | Lino Ventura | Robert Dalban | Sandra Milo

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