In den Fängen der Unterwelt

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Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


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Bewertung
**
Originaltitel
3 Steps To The Gallows / White Fire
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1953
Darsteller

Scott Brady, Mary Castle, John Blythe, Gabrielle Brune, Colin Tapley

Regie
John Gilling
Farbe
s/w
Laufzeit
81 min
Bildformat
Vollbild

 


 

 In den Faengen der Unterwelt-Poster-web3.jpg  In den Faengen der Unterwelt-Poster-web4.jpg In den Faengen der Unterwelt-Poster-web1.jpg In den Faengen der Unterwelt-Poster-web2.jpg

 

Im Hafen von London, England: Der erste Offizier eines US-amerikanischen Handelsschiffes, Gregor Stevens (Scott Brady), lässt sich vom Captain (Ronald Leigh Hunt) vorzeitig in den Landurlaub verabschieden, da der zweite Offizier Bill Adams (Dennis Chinnery) sich ums Ausladen der Fracht kümmern wird. Per Taxi erreicht der Seemann in seiner Uniform das Butler’s Hotel, wo er nach seinem Bruder Larry (Paul Erickson) fragt, der als Kurier für eine Reiseagentur in London arbeitet und hier Quartier bezogen hat. Doch nach Auskunft des Portiers (Alastair Hunter) ist Larry Stevens bereits vor sechs Monaten ausgezogen und hat keine Adresse hinterlassen. Indessen sammelte man für ihn die Post, die der Portier jetzt Gregor Stevens überreicht. Letzterer ist überrascht, mietet jedoch ein Einzelzimmer und gibt dem Portier seinen Koffer, da er erst noch etwas erledigen wolle. Kaum ist er aus der Tür, gibt der Portier dem unweit in einnm Sessel in der Lobby Zeitung lesenden Crawson (Ronan O’Casey), der ihre Konversastion mitverfolgte, ein Zeichen, sich an Stevens Fersen zu heften. Letzterer begibt sich zur World Wide Travel Agency, seines Bruders Arbeitgeber, und fragt den Angestellten (Conrad Phillips) hinterm Schalter, ob er den Geschäftsführer sprechen könne. Er muss erfahren, dass Mr. Harris (Lloyd Lamble) nicht anwesend ist. Die neben Stevens‘ stehende Kundin Yvonne Durante (Mary Castle) zuckt bei der Nennung des Namens von Larry Stevens zusammen und fragt den Marineoffizier, warum er sich nach ihm erkundige…

 

Während der politisch erzreaktionären McCarthy-Ära in den USA (bis Mitte der 50er Jahre) ging der Film Noir aus Hollywood sukzessive seinem Niedergang entgegen. In England dagegen hatten düstere Kriminaldramen, die sich inhaltlich und stilistisch als eigenständige “Brit Noirs“ entwickelt hatten, nach wie vor Konjunktur. Seit 1951 gab es eine Kooperation der britischen Hammer Film Productions und der auf B-Filme spezialisierten, US-amerikanischen Lippert Pictures. Daraus entstand eine ganze Serie von in London angesiedelter Film Noirs mit US-amerikanischen Filmstars in den Hauptrollen, deren Namen sich im Film Noir der ausgehenden 40er Jahre etabliert hatten und die sukzessive in die B-Liga der Fimproduktion abgerutscht waren. Lizabeth Scott, Dana Andrews, Dan Duryea, Barbara Payton, Paul Henreid, Zachary Scott und George Brent zählten hier zu den stets zugkräftigen Namen. Im Fall von In den Fängen der Unterwelt waren es Scott Brady (Tödlicher Sog, USA 1949) und die wenig bekannte Mary Castle, die als US-Schauspieler das ansonsten durchweg britische Ensemble aufwerten sollten. Nach einer Erzählung von Paul Erickson, den Autor und Regisseur John Gilling als seinen Co-Autor und als Nebendarsteller gewinnen konnte, ist hier nicht die Hammer Film Productions sondern die unabhängige Tempean Films von Robert S. Baker (Blackout, UK 1950) und Monty Berman, der auch als Kameramann tätig wird, der Partner von Lippert Pictures. Das Ergebnis liegt leider auf ganzer Linie unter dem Durchschnitt der oben genannten Kooperation mit der Hammer Film Productions. In dem armseligen Abklatsch eines Film Noirs nach US-amerikanischem Zuschnitt ist fast alles und jeder drittklassig.

 

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“Not really much that can be said about this one, you've seen it a hundred times under different titles“ , fasst es Steve G in seiner Besprechung für Letterboxd zusammen und liegt damit richtig. Die besten Schauspieler sind Ferdy Mayne und Michael Balfour in ihren Nebenrollen. In Ermangelung einer präzisen Handlungslogik reihen sich Koinzidenzen wie Perlen auf die Schnur, und die Gangster benehmen sich angesichts eines unbewaffneten ersten Offiziers der US-Handelsmarine allesamt wie blutige Anfänger und Volltrottel. Die Nachtclubsängerin mit Rita-Hayworth-Profil, eingangs vermeintlich eine Femme fatale, vollzieht in der Mitte des Films eine verblüffende Wandlung zu Stevens loyaler Helferin, die hauptsächlich Botengänge für ihn übernimmt. Auch ansonsten steht England vor dem prügelnden und Kommandos bellenden US-Amerikaner stramm. Von den Polizeibeamten bei Scotland Yard bis zum namhaften Strafverteidiger Arnold Winslow (Colin Tapley) ist hier jeder immer und sofort zu Diensten. Kurzum, so viel geballter Mumpitz lässt auf einer Strecke von 81 Minuten fast jegliche Spannung auf der Strecke. Zudem  haben sowohl George Stevens mit seinem Bruder Larry als auch Yvonne Durant mit ihrem Vater John (Julian Somers) derart wenig Chemie, dass deren jeweilige Treffen zur Selbstparodie verkommen. Fazit: Ein langweiliger und von seinem mäßigen Schauspiel gekennzeichneter Film Noir, den man getrost vergessen kann und vergessen sollte.

 

Sehr gute englische DVD-Edition (2013) der Renown Pictures Ltd. mit dem Film bild- und tontechniscgh solide restauriert und mit der original englischen Tonspur, ungekürzt und im Originalformat, aber ohne jegliche Extras.

 


Film Noir | 1953 | UK | John Gilling | Monty Berman | Ballard Berkeley | Colin Tapley | Ferdy Mayne | Michael Balfour | Scott Brady

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