Revolver und Roulette

NOIR CITY 21 - Oakland 2024



Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
**
Originaltitel
Bullets Or Ballots
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1936
Darsteller

Edward G. Robinson, Joan Blondell, Barton MacLane, Humphrey Bogart, Frank McHugh

Regie
William Keighley
Farbe
s/w
Laufzeit
79 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Warner Bros.

New York: Der Mobster Al Kruger (Barton MacLane) und sein Mann fürs Grobe “Bugs“ Fenner (Humphrey Bogart) besuchen ein Kino und sehen sich die von dem couragierten Verleger Ward Bryant (Henry O’Neill) beauftragten Vorfilme wider das organisierte Verbrechen in den US-amerikanischen Großstädten an. Bryant berichtet davon, wie der Mob bereits einen großen Teil des Bruttosozialprodukts kontrolliert und sich mit Schutzgeldern und mit Glücksspiel in verschiedenen Wirtschaftszweigen eine vermeintlich legale Fassade errichtet. Er erläutert auch, wie jener sich mit bestochenen Jury-Mitgliedern im Fall von Strafprozessen einen Freispruch erkauft. Kruger ist von Bryants Meinungsmache wenig beeindruckt, doch Fenner sieht darin über kurz oder lang eine Bedrohung ihrer Handlungsfreiheit. Al Kruger steigt vor dem Bürogebäude, darin auch seine Metropolitan Business Improvement Association, Inc. ihren Sitz hat, aus dem Wagen aus und weist seinen Chauffeur (Frank Marlowe) an, ihn um 1:00 Uhr nachts dort wieder abzuholen. Fenner lässt sich zum Hotel fahren, lauert jedoch andernorts Ward Bryant auf, und als jener aus der Tür tritt, erschießt er ihn auf offener Straße… Noch in der Nachtausgabe des New York Evening Globe liest auch Police Detective Johnny Blake (Edward G. Robinson) über den kaltblütigen Mord an dem von ihm geschätzten Kolumnisten. Er sitzt beim Drink im Nachtclub seiner Bekannten Lee Morgan (Joan Blondell), als deren Eintreiber von Lottoeinnahmen, Herman (Frank McHugh), zur Tür hereinkommt…

 

Bei Johnny Blakes Begegnung mit einem ex-Straftäter auf freiem Fuß, hockt der Polizist beim zweiten Bourbon mit Ginger Ale in Lee Morgans Club. Der auf Bewährung entlassene Crail (William Pawley), den Johnny Blake einst nach Sing Sing schickte, wie er selbst Lee Morgan sagt, kauft an der Garderobe Zigaretten. Crail entdeckt Blake und Lee und tritt an ihren Tisch. Er witzelt darüber, dass Detective Blake nicht mehr seine frühere Position innehabe, und Johnny Blake schlägt Crail ohne Vorwarnung nieder, wechselt noch ein paar Sätze mit Lee Morgan, greift sich den angeschlagenen Crail und prügelt ihn durch die geschlossene Glastür auf die Straße. Dort bleibt der Mann in den Scherben liegen und ein Streifenolizist in Uniform fragt Blake: “What’s the trouble?“ Der antwortet: “Put him under arrest for destroying property.“ Der Polizist: “Yes, sir.” Der keiner Straftat verdächtige, auf freiem Fuß befindliche Crail wird abgeführt, Johnny Blake marschiert davon. Niemand hinterfragt das Verhalten des Police Detectives, niemand stellt sich ihm in den Weg. Der Film rechtfertigt sein Vorgehen gegenüber den “mugs“, die es am nötigen Respekt fehlen lassen, denn Crail ist per se ein Gangster und damit Freiwild. Ihn zuammenzuschlagen und für eine nicht von ihm begangene Tat verhaften zu lassen, ist einem Polizeibeamten der USA erlaubt - was natürlich nicht stimmt! - und steht im Dienst der Öffentlichkeit. Die Szene ist für den Rollencharakter Johnny Blake in der Verkörperung durch Edward G. Robinson symptomatisch. Seine fantatische Gesetzestreue und maßlose Selbstgerechtigkeit münden ins “Ideal“ einer uneingeschränkten Machtbefugnis gegenüber allen einer Straftat überhaupt nur Verdächtigen. Zuletzt wird das zur Botschaft des Films: Allein der eiserne Besen garantiert bei Säuberung der Großstädte in den USA vom organisierten Verbrechen den Erfolg. Dass die Polizei in Anwendung von harter Gewalt selbst rechtswidrig agiert, ist vollkommen egal. Denn die Polizei verkörpert das Gesetz nicht, sie ist das Gesetz.

 

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© Warner Bros.

Obwohl er einige für den Gangsterfilm der Dreißiger typische Elemente beinhaltet, - angesehene Geschäftsleute als die Hintermänner des Syndikats - ist Revolver und Roulette reine Propaganda. Die von dem erzkonservativen Anti-Semiten Joseph Breen geleitete Production Code Administration (PCA) wurde 1934 gegründet und für über 20 Jahre zur Instanz einer rigorosen Filmzensur in den USA, ihr Hays Code als Niederschrift eherner Richtlinien zum Inbegriff eines engen moralischen Korsetts. Weil Joseph Breen die zuvor von Warner Bros. inszenierten, teils meisterhaften Gangsterfilme wie The Public Enemy (USA 1931) oder Narbengesicht (USA 1932) der Verherrlichung des Gangstertums bezichtigte, mühte sich das Studio eilfertig Linientreue und Staatsräson zu beweisen. Es brachte eine Reihe bieder reaktionärer Propagandafilme wie Der FBI-Agent (USA 1935) oder Revolver und Roulette (USA 1936) unter der Regie William Keighleys, der 10 Jähre später auch für die vom FBI-Direktor Edgar J. Hoover finanzierte Propaganda in Pseudo-Noir-Filmen wie Straße ohne Namen (USA 1948) zuständig war. Die Darsteller von Gangstertypen in frühen Pre-Noir-Meisterwerken, etwa Edward G. Robinson oder James Cagney, traten nun als knochenbrechende Staatsdiener in Aktion. Revolver und Roulette bebildert jene Weltanschauung, die eine radikale Polizeiherrschaft glorifiziert. Mit exzellenten  Schauspielern wie Robinson und Bogart, mit faden Rollencharakteren wie den von MacLane und Blondell verkörperten Figuren und mit Klischeehelden wie dem von Joe King dargestellten Police Captain Dan McLaren sowie mit doofen Knallchargen à la Frank McHughs Herman! Die als vermeintlich clever sich anbiedernde Handlung erweist sich vorhersehbar und extrem flach. Ein Gangstersyndikat, das dem ex-Cop ohne eine für den Zuschauer erkennbare Notwendigkeit Zutritt und Einblick in innerste Mechanmismen und Geheimnisse gewährt, ist einfach lächerlich. Fazit: Ein nicht bloß unglaubwürdiger sondern auch ein dumm reaktionärer und im Grunde schlechter Film seiner Zeit.

 

Sehr gute DVD-Ausgabe (2006) der Warner Bros. Home Entertainment GmbH mit dem Film bild- und tontechnisch topp restauriert und ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Deutsch, Englisch und Spanisch, dazu optional Untertitel auf Deutsch, Englisch, Tschechisch, Polnisch, Portugiesisch, Spanisch, Schwedisch, Türkisch, Französisch, den Kinotrailer, einen Audiokommentar von Dana Polan sowie die Dokumentation Warner Gangster: Der Held des Immigranten unddie  Kurzfilme "How I Play Golf by Bobby Jones No 10: Touble Shots“ (1931) und Breakdown of 1936: Studio Blooper Reel (1936) als Extras.

 


Pre Noir | 1936 | USA | William Keighley | Hal Mohr | Barton MacLane | Bill Elliott | Edward G. Robinson | Frank Faylen | Henry O'Neill | Humphrey Bogart | Ralph Dunn | Joan Blondell

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