Dirk Bogarde, Alexis Smith, Alexander Knox, Hugh Griffith, Patricia McCarron
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© Studiocanal Films Ltd.
London, England, in einer Winternacht: Als er durch eine einsame, spärlich beleuchtete Gegend nach Hause geht, bemerkt Psychotherapeut Dr. Clive Esmond (Alexander Knox) nicht, dass ihm die jungen Ganoven Frank Clemmons (Dirk Bogarde) und Harry (Harry Towb) auflauern. Während ihm letzterer folgt und den Rückweg abschneidet, erwartet ihn Frank an der nächsten Ecke und drückt ihm den Lauf einer geladenen Pistole in den Rücken. Doch Esmond ist ein Weltktriegsveteran und hat den Kerl im Nu entwaffnet… Ein Taxi fährt an einem trüben Tag in die Einfahrt ihrer hübschen Stadtvilla, und Mrs. Glenda Esmond (Alexis Smith) lässt sich vom Fahrer (Fred Griffiths) die Koffer hereintragen, nachdem ihr die Hausangestellte Sally Foster (Patricia McCarron) die Eingangstür öffnete. Letztere zeigt sich erfreut darüber, dass die Dame des Hauses zurück ist, und die etwas überraschte Glenda dankt ihr für die Begrüßung. Als sie vor dem Spiegel die Post überfliegt, sieht sie im Spiegel, dass ein junger Mann, Frank Clemmons, in der Bibliothek wartend ein Buch in der Hand hält und sie anstarrt. Sie begibt sich auf die in den ersten Stock führende Treppe und fragt ihn, ob er auf Dr. Esmond warte. Frank geht ein paar Schritte auf Mrs. Esmond zu und bejaht. Als sie in ihren Zimmern auf die bereits mit den Koffern befasste Sally trifft, erklärt letztere, dass Dr. Clive Esmond den kriminellen Frank Esmond, der ihn mit einer Pistole überfiel, für 6 Monate ins Haus eingeladen habe, um ihn zu therapieren und dass sie daher kündigen werde…
"I despise hoodlums of any kind. They're not one bit glamorous. They're just stupid little animals asking for cages." Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten waren Dirk Borgarde und Alexis Smith, beide Jahrgang 1921, jeweils 32 Jahre alt. Dennoch vermag der Film den Anschein erwecken, dass es sich bei Glenda Esmond um eine verheiratete, reife Frau handele, bei Frank Clemmons um einen mittellosen Mittzwanziger, der auf die schiefe Bahn geriet. Und trotzdem ist sie der Tiger des Filmtitels, den die deutsche Erstaufführung im Fernsehen (1972) reißerisch in Die Bestie erwacht verwandelte. Während Glenda sich zu Beginn gegenüber dem unhöflichen, provokanten Ganoven, den ihr Mann beschloss ins Haus zu nehmen, als kühl und abweisend zeigt, verfällt sie ihm mit der Zeit. Seine erotische Anziehung, das Gegenteil der akademisch-trockenen Persönlichkeit ihres deutlich älteren Gatten, lässt sie die Kontrolle verlieren, und schließlich steigert sich Glenda in eine wahre Besessenheit hinein. Die Dialoge sind teils messerscharf, das Schauspiel fast aller Beteiligter ist exquisit. Harry Waxmans (Brighton Rock, UK 1947) Kameraarbeit ist fantastisch; Joseph Loseys (Dem Satan singt man keine Lieder, USA 1951) Dramaturgie erweist sich als unbestechlich. Leider zeigt die Adaption des gleichnamigen Romans (EA 1955, ein halbes Jahr nach der Filmpremiere) von dem aus Russland stammenden Maurice Moiseiwitsch durch die US-amerikanischen Drehbuchautoren Harold Buchman (Double Alibi, USA 1940) und Carl Foreman (Zwischen Frauen und Seilen, USA 1949) aber auch Schwächen. Schon die Prämisse, dass ein angesehener Psychotherapeut und Universitätsdozent einen Kleinkriminellen, der ihn des Nachts mit geladener Waffe überfällt, aus Empathie und beruflicher Neugier für 6 Monate in sein Haus einlädt und mit ihm unter einem Dach schläft, ist lächerlich. So zieht er weder seine Dienstboten noch seine Ehefrau zu Rat, sondern stellt alle vor vollendete Tatsachen. Dr. Clive Esmond, von Knox zu starr und statisch verkörpert, ignoriert gar die Ratschäge von Inspector Simmons (Hugh Griffith), Scotland Yard, und vertraut Frank Clemmons auch, nachdem er ihn ganz offesichtlich belog und Esmonds Therapie explizit ablehnt. Das alles überzeugt nie und nimmer.
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© Studiocanal Films Ltd.
“To get anything out of this absurd film you might as well disregard the dumb plot (…) and just tune into the way Losey extracts electricity from this cheap B-film melodrama through his uniquely baroque grandiose style”, schreibt Dennis Schwartz über den für eine lange Zeit obskuren Brit Noir, der inzwischen in einer hochwertig restaurierten Fassung auf Blu-ray disc vorliegt und den Beginn einer langjährigen Kooperation Dirk Bogardes und Joseph Loseys einleitete. Der Regisseur war gebürtiger US-Amerikaner und aufgrund seiner politischen Überzeugungen und sozialkritischer Tendenzen in seinen Werken bereits 1951 ins Visier des House Committees for Un-American Activities (HUAC) geraten. Im Januar 1953 hatte er sich in London angesiedelt und wurde bis zu seinem Tod 1984 einer der renommiertesten Filmschaffenden Großbritanniens. The Sleeping Tiger war seine erste britische Regiearbeit, und er nutzte dafür das Pseudonym Victor Hanbury, den Namen des Produzenten des Films, um weder dem Ruf des Filmstudios noch demjenigen eines Darstellers zu schaden. Erst nach dem Ende der McCarthy-Ära in den USA, ab dem deutlich besseren Teuflisches Alibi (UK 1957), trat Losey wieder unter eigenem Namen in Erscheinung. Auch mit Alexis Smith arbeitete Losey bei The Trout (FRA 1982) nochmals zusammen, seinem vorletzten Film, der auch eine ihrer letzten Kinoproduktionen wurde.
Es gibt eine britische Blu-ray-disc-Edition (2022) der Studiocanal Films Ltd. in deren Reihe Vintage Classics und zwar mit dem Film in einer hochwertig restaurierten, ungekürzten Fassung im Originalformat, bild- und tontechnisch exzellent, dazu die original englische Tonspur plus optional englischer Untertitel und als Bonus ein Interview mit John Coldstream, dem Biographen Dirk Bogardes, ein Interview mit Matthew Sweet, ein Behind the Scenes und eine Galerie mit Szenenfotos. Alle älteren DVD-Ausgaben, seien sie aus Spanien, England oder aus den USA zeigen das Werk in minderwertiger Bild- und Tonqualität ohne Extras. Einzig in dem mit 8 Filmen von 1951 bis 1976 ausgestatteten, britischen 8-DVD-Box-Set (2008) The Joseph Losey Collection der Studiocanal Films Ltd. war das Werk schon zuvor in einer hochwertigen Fassung beinhaltet.














