Znamení kotvy



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Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
Znamení kotvy
Kategorie
Film Noir
Land
CSK
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Hana Vítová, Zdeňka Baldová, Vlasta Fabiánová, Eduard Kohout, Zdeněk Štěpánek

Regie
František Čáp
Farbe
s/w
Laufzeit
99 min
Bildformat
Vollbild

 


 

 

Bratislava in der Tschechoslowakei: Ein Flussfrachter namens Kormoran fährt unter dem Kommando Kapitän Troskas (Zdeněk Štěpánek) am Morgen die breit und träge fließende Donau entlang und hält auf den Hafen zu. Zur gleichen Zeit wühlt Marta Matková (Zdeňka Baldová) in der Stadt durch die Mülleimer, aus denen sie Zeitungsreste und Papierfetzen nimmt. Von einer Plakatwand reißt sie eine großformatige Ankündigung herunter und stopft auch sie in ihre Korbtasche, darin sie das Papier sammelt. Eine Horde Kinder kommt des Weges und neckt die Alte, die sich aufregt und ihnen mit Grimassen ihr Missfallen zeigt. Als sie hört, dass ein Frachter in den Hafen fährt, kommt Leben in Marta Matková und sie eilt treppab in Richtung des Piers. Auf der Kormoran steht der junge Seemann Franta Hojdar (Július Pántik) am Steuer und lenkt das Schiff mit sicherer Hand den Flusslauf entlang. Der einfache Matrose Lojza Brůha (Vladimír Salač), der das Deck schrubben soll, gesellt sich zu ihm und überredet Hojdar, ihm auch mal ans Steuer lassen. Sein Vorgesetzter lässt es zu; Lojza freut sich und stimmt ein Lied an… Inzwischen rennt Marta Matková stets die Stufen hinab, als sie um eine Ecke biegt und wieder vor einer Plakatwand steht, auf der für den Magier Maestro Lascari (Eduard Kohout) und seine Miss Camilla (Hana Vítová) geworben wird. Marta ist wie vom Donner gerührt, geht aufs Plakat zu und streicht dem Bild der Miss Camilla übers Gesicht. Sie blickt sich um und reißt den Ausschnitt mit der jungen Frau herab…

 

“Czechoslovak cinema again occupies an important place in this year’s program, with (…) The Sign of the Anchor (Znamení kotvy, 1947), demonstrating how noir themes developed (…) despite very different historical and political circumstances”, heißt es in der Ankündigung anlässlich der Wiederaufführung des Films auf dem Noir Film Festival in Český Šternberk, Tschechien, im August 2026. Teils finden sich Parallelen zu Bodil Ipsens dänischem Thriller Mordets Melodi (DNK 1944), darin ein Hypnotiseur in Kopenhagen sein Unwesen treibt, denn auch er macht von seiner Begabung Gebrauch und zwingt eine Frau in seine Gewalt. Aber in František Čáps Drama um eine verschwundene Tochter, welche die schon halb irrsinige Mutter Marta Matková seit langer Zeit in Bratislava aufzuspüren hofft, begeht Maestro Lascari, ein mächtiger Manipulator, keinen Mord und beabsichtigt es auch nicht. Allerdings versucht “Miss Camilla“, bei der es sich um Pavla Matková handelt, ihm und seinem unheilvollen Einfluss zu entfliehen, und das darf und will der Magier nicht zulassen, ist sie doch die zentrale Figur seiner Show und damit seines Wohlstands. Bei einem erneuten Fluchtversuch gerät sie zufällig auf die im Hafen liegende Kormoran, wo sie die Bekanntschaft des Seemanns Franta Hojdar macht, der sich sofort in die unbekannte Schöne verliebt. Aber die Prostituierte Černá Fanka (Vlasta Fabiánová) verrät Pavla an Lascari, der sie dafür entsprechend entlohnt. So ist “Miss Camilla“ wieder unter der wachsamen Obhut ihres Herrn und Meisters, und Franta Hojdar muss sich etwas einfallen lassen, will er sie aus dessen Klauen befreien. Inzwischen hat aber auch Kapitän Troska den Verdacht, dass bei Maestro Lascari nicht alles mit rechten Dingen zugeht und dass Marta Matková nicht halb so irre ist, wie man in der Stadt gemeinhin glaubt… Das von Autor und Regisseur František Čáp (Die Spur führt nach Berlin, GER 1952) in Kooperation mit Jan Drda (Das höhere Prinzip, CSK 1960) verfasste Drehbuch bietet eine lebenssatte Geschichte, und ein kompetentes Ensemble setzt solche in den malerischen Kulissen der historischen Stadt an der Donau gekonnt um. 

 

Was mitunter stört, aber das ist für einen tschechoslowakischen Film der 40er und 50er ja nicht untypisch, ist die glorifizierte Darstellung des Arbeiterlebens zu von Chören geschmetterten Liedern. Hier wird der Staub sichtbar, der sich inzwischen auf das Drehbuch und die Inszenierung legte, demgegenüber die Kulisse und die Geschichte selbst faszinierend und kurzweilig bleiben. Für mich persönlich waren neben der Dorfkneipe und einer durch ein Gewitter verursachten Überflutung der Stadt alle Szenen im Theater, wo neben der Show des Magiers auch eine Tanznummer fein inszeniert ist, der Höhepunkt des Films. Zudem bietet das Finale eine im Hinblick auf Gesetzestreue und Gerechtigkeit fragwürdige und von moralischer Ambiguität gekennzeichnete Entwicklung, die im Rekurs aufs Zeitalter der Entstehung des Films bemerkenswert ist. Weitere dem Film Noir zugehörige Werke, darin ein verbrecherischer Hypnotiseur eine entscheidende Rolle spielt, sind Maxwell Shanes Fear In The Night (USA 1947) und Otto Premingers Frau am Abgrund (USA 1949). Woody Allen drehte mit Im Bann des Jade Skorpions (USA/GER 2001) eine für mein Dafürhalten grandiose Hommage an diese Spielart des Film Noirs, die im New York des Jahres 1940 angesiedelt ist. Wer wider Erwarten eine Möglichkeit findet, sich František Čáps Znamení kotvy anzuschauen, sollte das unbedingt tun. Es lohnt sich.

 

Bis heute (2026) gibt es von dem Film auch in Tschechien keine BD- oder DVD-Edition. In einigen Online-Portalen steht der Film zwar zur Verfügung, jedoch nur als ein Mitschnitt vom Fernsehen und folglich von bescheidener Bild- und Tonqualität mit der original tschechischen Tonspur ohne Untertitel, ungekürzt und im korrekten Bildformat.

 


 

Film Noir | 1947 | International | František Čáp | Július Pántik | Jarmila Smejkalová | Zdeňka Baldová

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