Hafen der Versuchung

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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


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Bewertung
****
Originaltitel
Temptation Harbour
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Robert Newton, Simone Simon, William Hartnell, Marcel Dalio, Margaret Barton

Regie
Lance Comfort
Farbe
s/w
Laufzeit
102 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Die Hafenstadt Dover an der englischen Kanalküste: Ein Jahrmarkt lockt in der Dunkelheit des frühen Abends zahlreiche Besucher an. Feuerwerk erleuchtet den Himmel und mit bunten Lichtern geschmückt dreht sich das Riesenrad. Auch der Teenager Betty Mallison (Margaret Barton), die Tochter des im Hafenbahnhof tätigen, verwitweten Stellwerkswärters Bert Mallison (Robert Newton), streunt durch das Getümmel und begibt sich dann schnell nach Hause. Dort entledigt sie sich ihres Mantels, zündet in der Küche die Gaslampe an und platziert auf dem Herd den Kessel mit Wasser. Sodann flitzt sie in den Flur und ruft nach ihrem Vater, der im oberen Stock zu Bett liegt und für die kommende Nachtschicht geweckt werden muss. Als Betty in der Küche den heißen Speck aus der Pfanne auf einen Teller bugsiert, klopft es am Fenster und drei Freunde fragen sie, ob sie mit ihr auf der Fähre übersetzen und den Abend in Frankreich verbringen wolle. Schon in der letzten Woche sei sie nicht ins Kino mitgekommen, merkt eine Freundin enttäuscht an, doch Betty muss für ihren Vater sorgen, der in diesem Moment in die Küche tritt, indessen die drei sich verabschieden und ihres Weges ziehen. Bert Mallison schmecken heute Abend vor allem die Kidney-Bohnen. Als Betty ihm erzählt, dass sie sie bei ihrer neuen Anstellung von Mrs. Frosts (Kathleen Boutall) Ladentheke mitgenommen habe, da jene sie nicht zurück in den Kühlschrank tat, rügt der Vater seine Tochter scharf, ist ihm doch im Leben Redlichkeit das oberste Gebot…

 

Der französische Schriftsteller Georges Simenon, zwischen 1929 und 1972 u.a. Schöpfer der Erzählungen und Romane um den Pariser Kriminalkommissar Jules Maigret, weckte mit seinen Erfolgen ab 1932 auch die Aufmerksamkeit der Filmindustrie. Als erster verfilmte der später weltberühmte Regisseur Jean Renoir dessen Roman La nuit du carrefour (EA 1931, auf Deutsch 1965 als Maigret und der Mann von Welt) mit seinem Bruder Jean Renoir in der Rolle des Maigret. Lance Comforts Hafen der Versuchung war 15 Jahre später die erste nicht-französische Adaption einer Vorlage Simenons, zugleich im Jahr ihres Erscheinens nur eine von zwei, da sich der Regisseur Ladislao Vajda in Portugal an einer nach Julien Duviviers Panik (FRA 1946) zweiten Verfilmung des Simenon-Romans Les Fiançailles de M. Hire (EA 1933, auf Deutsch 1978 als Die Verlobung des Monsieur Hire) versuchte, die unterm Titel Viela, Rua Sem Sol (POR 1947) damals im Kino lief. Zwei Jahre später adaptierte eine US-amerikanische Produktion unter der Regie von Irving Allen und Burgess Meredith als Der Mann vom Eiffelturm (USA/FRA 1949) den Maigret-Roman La tête d’un homme (EA 1931, auf Deutsch 1935 als Alpdruck, später mit dem Titel Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes), der 1933 in Frankreich bereits von Julien Duvivier verfilmt worden war. Lance Comforts Hafen der Versuchung verlagert die Handlung der Buchvorlage mit dem Titel L'Homme de Londres (EA 1933, auf Deutsch 1934 als Der Mann aus London) aus der französischen Hafenstadt Dieppe nach Dover, Großbritanninien, und war seinerseits die zweite Verfilmung jenes Buches, das von Henri Decoin als L'Homme de Londres (FRA 1943) schon einmal ins Kino gebracht worden war. Im Übrigen bringt die britische Adaption die für Georges Simenon typische Tragik und Bitterkeit mit all ihren Härten zum Tragen.

 

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”Now look here, Betty. Don't you start makin' excuses for something you've done wrong. That never got no-one nowhere.“ Mit einem brillanten Robert Newton an der Spitze eines exquisit gewählten Ensembles und mit dem ebenbürtig versierten, in der Tschechoslowakei gebürtigen Kameramann Otto Heller (Augen der Angst, UK 1960) in der Crew erweist sich die Produktion ab der ersten Szene als hochwertig. Und tatsächlich ist es die Versuchung des Titels, welche für den Stellwerkswärter Bert Mallison zur Falle wird, als er den mit 5000 englischen Pfund gefüllten Koffer eines Mordopfers aus dem Hafenbecken fischt und trotz der gegenüber seiner Tochter behaupteten Redlichkeit den richtigen Zeitpunkt verpasst, solches Geld und seine Zeugenschaft des Verbrechens der lokalen Polizeibehörde anzuzeigen. Hafen der Versuchung galt für eine lange Zeit als ein verlorener Film. Erst 2013 wurde eine in Archiven des British Film Institutes (BFI) in London gefundene und vollständig erhaltene Kopie wieder einem Publikum zugänglich gemacht. Im Jahr 1948 lief der Film sogar in den bundesdeutschen Kinos und gilt seither als eine bei Erstaufführung in ganz Europa kommerziell erfolgreiche Produktion. Inzwischen kennt diesen Klassiker kaum noch jemand, dabei ist er gerade für den am Film Noir der Dekade interessierten Cineasten von großem Interesse.

 

Obwohl der Film auf der Website des British Film Institutes (BFI) in deren Streamingdienst “BFI Player“ mit englischer Tonspur ohne Untertitel sowie ungekürzt im Originalformat für Mitglieder zur Ausleihe angeboten wird, ist er bis heute nicht auf BD oder auf DVD erschienen und auch sonst weltweit in keinem Format erhältlich.

 


Film Noir | 1947 | UK | Lance Comfort | Georges Simenon | Otto Heller | Charles Victor | Marcel Dalio | Robert Newton | William Hartnell | Joan Hopkins | Simone Simon

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