Balance, La – Der Verrat

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Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
La Balance
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1982
Darsteller

Nathalie Baye, Philippe Léotard, Richard Berry, Maurice Ronet, Bernard Freyd

Regie
Bob Swaim
Farbe
Farbe
Laufzeit
102 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Paris: An einem lauen Abend schlurft der Ganove Paulo Sanchez (Sam Karmnann) durch die Gassen von Belleville. Er wird hier und dort gegrüßt, bevor er schließlich eine Flasche Schnaps kauft, denn heute hat sein Sohn Geburtstag. Als er damit unterm Arm auf dem Weg nach Hause ist, spricht ihn jemand (Christian Gaubert) vom Beifahrersitz eines parkenden Wagens mit seinem Vornamen an, und als Paulo sich hinunterbeugt, trifft ihn der Schuss aus einer doppelläufigen Schrotflinte in die Brust. Daraufhin steigt der Fahrer (David Overbey) aus, und jagt mit seiner Pistole noch mehrere Kugeln in den Körper des am Boden liegenden Mannes… Indessen patrouillieren Polizeiinspektor Mathias Palouzi (Richard Berry) und sein Kollege Tintin (Christophe Malavoy) im Dienstwagen einen Boulevard entlang und beobachten dort das Treiben der ihnen bekannten Huren und Kriminellen. Über Funk erhalten Sie Nachricht von der Ermordung Sanchez‘ in Bellevile und fahren zum Tatort, wo sie den Kollegen Calemard (Guy Dhers) antreffen. Palouzi lässt ihn wissen, dass er mit Sanchez, einem wichtigen Informanten, schon seit Jahren bekannt gewesen sei. Der Zustand der Leiche wiederum zeigt, dass die Auftraggeber der Hinrichtung ein Exempel statuieren wollte. Schließlich treffen auch Palouzis Mitstreiter Casta und Foucault (Bernard Freyd, Jean-Paul Comart) bei ihnen ein. Wegen Beteiligung am Krieg in Algerien wird der eine von ihnen stets nur als “Le capitaine“, der andere wegen seiner Herkunft als “Le Belge“ angeredet…

 

Wer glaubt, dass während der 70er und 80er Jahre der US-amerikanische Neo Noir mit Werken à la Prince Of The City – Die Herren der Stadt (USA 1981) oder Eddie Macons Flucht / Kopfjagd (USA 1983)  das Portrait eines von Korruption und allen Spielarten von Amtsmissbrauch geprägten Polizeiapparats zeichnet, sollte sich französische Thriller der Zeit anschauen: José Giovannis Der Kommissar und sein Lockvogel / Die letzte Adresse (FRA/ITA 1970), Alain Corneaus Im tödlichen Kreis (FRA/GER 1976) oder Claude Berris Am Rande der Nacht (FRA 1983) lassen an den Hütern von Recht und Ordnung kein gutes Haar. Die Staatsdiener in La Balance – Der Verrat sind die niederträchtigsten Kreaturen der Großstadt, die sich ein Kinobesucher vorstellen kann. Mit der Truppe um den Kriminalkommissar Mathias Palouzi hat sich eine intuitiv auf Grundlage des sogenannten gesunden Menschenverstands vorgenommene Einschätzung von Gut versus Böse, von Bürger und Verbrecher in ihr Gegenteil verkehrt. Die kleinen Ganoven, Drogenhändler und Zuhälter, denen Palouzi und Schergen mit gnadenloser Brutalität auf den Leib rücken, erscheinen als verlorene Seelen im Dickicht der Metropole Paris, darin sie sich und ihr schmieriges Gewerbe in Hinterhöfen, Seitenstraßen und leerstehenden Gebäuden vor dem Zugriff der Staatsmacht verstecken. Demgegenüber sind Mathias Palouzi und seine Leute zu allem bereits, was ihnen Vorteile einbringt – Erpressung, grenzenlose Demütigungen, Prügelstrafen und physische Gewalt bis hin zu kaltblütigem Mord vor Zeugen, ebenfalls Polizisten in Uniform. Weil er nach Ermordung von Paulo Sanchez einen Informanten in der Nähe des Gangsters Roger Massina (Maurice Ronet) benötigt, setzt Palouzi alles daran, um das Liebespaar Nicole Danet (Nathalie Baye) und André Laffont (Philippe Léotard), sie Hure und er Zuhälter, zu zwingen, in Paulo Sanchez‘ Fußstapfen zu treten und den gefährlichen Massina auszuspionieren.

 

Der Schauspieler Philippe Léotard erlebte im Alter von 41 Jahren mit seiner Rolle des André Laffont, genannt Dédé, seinen Durchbruch und erhielt den Filmpreis César als bester Schausieler. Léotard, zeitlebens von seiner Alkohol- und Kokainsucht geplagt, sieht 10 Jahre älter aus, als er wirklich ist, agiert in der Rolle aber sensationell. Auch Nathalie Baye und Richard Berry können in dem zentralen Trio der Handlung überzeugen, und mit Maurice Ronet ist die Figur des empathielosen Gangsters Roger Massina ebenso perfekt besetzt wie mit Tchéky Karyo diejenige seines Mannes fürs Grobe, Petrovic. Der in den USA gebürtige Bob Swaim hat sowohl in seiner Heimat als auch in Frankreich Filme gedreht, von denen sein Erstling La nuit de Saint-Germain-des-Prés (FRA 1977), die Verfilmung des gleichnamigen Nestor-Burma-Romans (EA 1955) aus der Feder von Léo Malet, heute leider völlig vergessen ist. La Balance – Der Verrat war sein zweiter Spielfilm als Regisseur, ein kompromisslos harter Neo Noir, der zu keiner Zeit vordergründig oder lapidar witzig ist, ein bitteres Portrait seiner Zeit. Er war folglich kein Werk, das in jenen Jahren, als Hollywoods bombastische Science-Fiction- und Fantasy-Spektakel das Kinoerleben in die 50er Jahre zurückkatapultierten, auf ein Massenpublikum oder einen Verbleib im Gedächtnis der Kulturgeschichte hoffen konnte. Umso mehr sei er Freunden europäischen Kinos und Connaisseuren des französischen Film Noirs und Neo Noirs ans Herz gelegt.

 

Es gibt eine sehr gute DVD-Edition (2004) von C’est la vie im Vertrieb von World Cinema Ltd. für den englischsprachigen Raum, also mit dem Film ungekürzt und im Originalformat, dazu die französische Tonspur mit englischen Untertiteln, bild- und tontechnisch einwandfrei, obendrein Bildergalerien, Filmografien und Kurzbiografien, einen Audiokommentar von Bob Swaim und auch ein Interview mit ihm, sowie den Kinotrailer und Swaims Kurzfilme L’autoportrait d’und pornographe (FRA 1971) und Vive les Jacques (FRA 1972) als Extras. Der Film lief im Februar 1984 sogar im bundesdeutschen Kino, erschien hierzulande aber nie auf BD oder DVD.

 


Neo Noir | 1982 | France | Bob Swaim | Maurice Ronet | Philippe Léotard | Tchéky Karyo | Nathalie Baye

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