I Am Waiting

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Bewertung
****
Originaltitel
Ore wa matteru ze
Kategorie
Film Noir
Land
JPN
Erscheinungsjahr
1957
Darsteller

Yûjirô Ishihara, Mie Kitahara, Isamu Kosugi, Kenjirô Uemura, Hideaki Nitani

Regie
Koreyoshi Kurahara
Farbe
s/w
Laufzeit
91 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Im Frachthafen von Tokio, Japan: Ein Güterzug rattert über eine der Hafenbrücken, der zur Seite das Restaurant Reef liegt. Dessen Inhaber Jôji Shimaki (Yûjirô Ishihara) tritt im Mantel aus der Tür und überquert an diesem veregneten, kalten Abend selbst die Brücke. An deren anderen Ende wirft er zögernd einen Brief nach Übersee in den Postkasten. Er hat sich eine Zigarette angezündet und will zurückgehen, als er sich anders überlegt und dem Weg zum Pier hinab folgt. Dort sieht er am Ufer eine junge Frau (Mie Kitahara) in die Dunkelheit hinaus blicken und geht die Treppe hinunter zu ihr. Er spricht sie an, möchte den Grund ihres Hierseins erfahren, doch sie weicht ihm aus und will gehen. Jôji aber lässt nicht locker und überzeugt die durchnässte Saeko davon, sich helfen zu lassen und bei ihm im Restaurant aufzuwärmen. Dort angekommen, schenkt er ihr einen Cognac ein, aber Saeko bleibt stumm, indessen sie zumindest ihr Getränk zu sich nimmt. In seinem Zimmer gibt er ihr eine Jacke von sich selbst, indessen er ihren Mantel zum Trocknen aufhängt, doch zuvor nimmt er ein Foto, das ihn als Boxer zeigt, schnell an sich. Als Saeko am Tresen eine Suppe isst, die Jôji ihr aufgewärmt hat, gesteht sie ihm, dass sie womöglich jemanden getötet habe. Als heute Abend Toshi (Naoki Sugiura), der Bruder des Clan-Chefs Hibata (Hideaki Nitani), sie ins Hinterzimmer eines Tanzclubs zerrte und dort zu vergewaltigen suchte, schlug Saeko ihm eine Vase auf den Kopf, was ihn mit einer blutenden Stirnwunde auf dem Sofa zurückließ…

 

“While film noir is often a debatable tag, (…) I Am Waiting's portrayal of tortured souls trying to outrun a troubling past (…) fits in with other classics of the genre“, fasst James S. Rich für Criterion Confessions seine Eindrücke des Debütfilms von Koreyoshi Kurahara zusammen und trifft ins Schwarze damit. In diesem Werk geht es vor allem um die beiden zentralen Charaktere, Jôji und Saeko, die von ihrer Vergangenheit heimgesucht werden - sie ein einst vielversprechendes Gesangstalent und er ein jüngst noch ebenso vielversprechender Boxprofi. Aber beiden sind ihre so sicher erscheinenden Zukunftsaussichten abhanden kommen und plötzlich ringen sie ums Überleben – Saeko bereits am Rande des Suizids und Jôji von der Idee besessen, seinem Bruder nach Brasilien zu folgen, wo sich jener eine Farm zu kaufen vorgenommen hatte. Beide haben sie nichts mehr zu verlieren, das spüren sie von Anbeginn und schaffen es dennoch nicht, aufgrund dessen zueinander zu finden. Erst sieht sich Saeko von jenen Gangstern, denen sie entkommen zu sein gehofft hatte, aufgespürt und bedroht. Dann findet Jôji, der von seinem Bruder trotz mehrer Brief nie eine Nachricht erhielt, über Umwege heraus, dass jener womöglich nie in Brasilien ankam… Bemerkenswert sind die sozialkritischen Untertöne in jenen von den beiden Protagonisten vorgetragenen Lebensbeichten, die beio Jôji sogar zu der Schlussfolgerung führen, dass ihm seine Heimat nichts zu geben und nichts mehr zu bieten habe. Er kann und er will sein Glück einzig in der Fremde suchen, da ihn sein Leben in der Einsamkeit dem Land seiner Geburt schließlich entfremdete. Derlei gibt es im US-amerikanischen Film Noir höchstens implizit, wenn z.B. in Delmer Daves‘ Die schwarze Natter / Das unbekannte Gesicht (USA 1947) die Liebenden die USA zu guter Letzt verlassen, um im sonnigen Peru ein neues gemeinsames Leben zu führen.

 

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Das Studio Nikkatsu begann ab Mitte der 50er Jahre, den US-amerikanischen Film Noir für ein japanisches Publikum zu adaptieren. Für mich ist I Am Waiting eins der gelungensten Beispiele solcher Verarbeitung von Einflüssen bei Wahrung der eigenen Filmsprache. Das Werk nimmt sich eingangs Zeit, die Figuren einzuführen und ihr Verhältnis zueinander sich entwickeln zu lassen. Nach exakt 45 Minuten und damit zur Mitte des Films treten die Kontrahenten Jôjis und Saekos aktiv in Erscheinung und das Drama springt in eine nächste, schließlich entscheidende Phase. Lebensumstände und Interessengruppen pochen auf ihr Recht und zwingen die beiden aus ihrem fruchtlosen Umkreisen des jeweils Anderen in neue und teils überraschende Konstellationen, die ihre Geschichte nunmehr in Bewegung bringen. Nicht jede Koinzidenz wirkt rückblickend schlüssig, nicht jede Wendung erscheint naheliegend, aber das Schauspiel aller Beteiligten und die grandiose Kameraarbeit Kuratarô Takamuras können das ausgleichen. Letzterer arbeitete in Toshio Masudas für Nikkatsu gedrehtem Film Noir Rusty Knife (JPN 1958) erneut mit dem Darsteller-Duo Yûjirô Ishihara und Mie Kitahara. Zwischen 1956 und 1960 traten diese beiden in zahlreichen Produktionen des Studios Nikkatsu gemeindsam auf und 1960 heirateten sie. Indessen Yûjirô Ishihara bis zu seinem Tod im Jahr 1987 (mit lediglich 52 Jahern) aktiv blieb, trat Mie Kitahara danach leider nie wieder als Schauspielerin in Erscheining. I Am Waiting ist ein wunderbarer Eimnstieg in die Welt des japanischen Film Noirs und liegt heute in exzellent restaurierter Fassung auf DVD vor.

 

Der Film erschien in den USA im Rahmen der Eclipse Series 17 der Criterion Collection, einer 5-DVD-Box (RC 1) mit dem Titel Nikkatsu Noir (2009), d.h. bild- und tontechnisch exzellent restauriert sowie mit Originalton plus englischen Untertiteln ausgestattet und wie alle Filme darin im Originalformat. Die hochwerig editierte Box ist speziell für den Film-Noir-Freund bzw. für Fans asiatischen Kinos und ist sogar in Deutschland erhältlich.

 


Film Noir | 1957 | International | Koreyoshi Kurahara | Yûjirô Ishihara

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