Terminal

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Bewertung
**
Originaltitel
Terminal
Kategorie
Neo Noir
Land
IRL/UK/HK/HUN/USA
Erscheinungsjahr
2018
Darsteller

Margot Robbie, Simon Pegg, Dexter Fletcher, Mike Myers, Max Irons

Regie
Vaughn Stein
Farbe
Farbe
Laufzeit
95 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Es gäbe einen Platz auf Erden, so mysteriös wie kein anderer, wo man zudem nur überleben könne, wenn man gewissermaßen verückt wie ein Hutmacher sei, lässt uns Annie (Margot Robbie) wissen. Im Beichtstuhl gibt sie zu, dass sie gesündigt habe, und als eine elektronisch verzerrte Stimme sie fragt, was sie wolle, antwortet sie, dass der Fragende genau wisse, was sie wolle, nämlich seine Position und seine Aufträge, einfach alles. Doch der Mann auf der anderen Seite gibt zu verstehen, dass es unmöglich sei. Für seine Aufträge gäbe es genug geeignete Bewerber. Annie schlägt ihm vor, dass sie diese Bewerber innerhalb von zwei Wochen allesamt ausschalte, und gelänge ihr das nicht, wolle sie sich selbst bei ihm bewerben. Der Unbekannte willigt in den Handel ein… In seiner Zentrale in Tiefen des Hauptbahnhofs tritt der Mann vor die Vielzahl der Monitore, die an das Netz der Überwachungskameras angeschlossen sind. So sieht er Annie, die in ihrem roten Mantel eine Wendeltreppe empor steigt und vor einer Wohnungstür eine Papiertüte abstellt. Auf Annies Klopfen öffnet der Gangster Vince (Dexter Fletcher), doch die Botin ist bereits auf und davon. Vince nimmt die Tüte und geht zurück in das Innere der spärlich erleuchteten Absteige. Er spottet darüber, dass sein Kumpan Alf (Max Irons) sich rasiere, nachdem man schon 2 Wochen hier ausharre, doch Alf entgegnet, das er später noch eine Verabredung habe... An einem tief gelegenen Bahngleis wartet in dieser Nacht der todkranke Englischlehrer Bill (Simon Pegg) auf einen Zug…

 

“Ten minutes into this—no, five minutes—tedium sets in (…) The badinage between Robbie and Pegg, such as it is, is the best thing about this otherwise tiresome mess“, schlussfolgert Kelly Vance in seiner Rezension für die Film Noir Foundation, San Francisco, und mir erging es exakt ebenso. Es gibt Autoren und Regisseure, die zitieren ihre Vorbilder und Idole, und es gibt solche, die kopieren sie. Terminal zelebriert ein epigonenhaftes Kinoerleben, das wie ein Comicbuch der frühen 90er Jahre aussieht und sogar so klingt, als Film ästhetisch zudem die 80er Jahre wiederbelebt. Die bonbonfarbe und neonerleuchtete Industrieästhetik bei Nacht, die dem Film durchgehend zur Kulisse wird, erinnert auffällig an Luc Bessons Subway (FRA 1985) oder an Terry Gilliams Brazil (UK 1985). Mit den Mitteln der Bildbearbeitung via Computer lässt sich so etwas heute zu einem dekorativen Reigen von Bildkompositionen zusammenfügen, die auf den ersten Blick bestechen, doch allzu schnell, wie Kelly Vance ausführt, langweilen. Denn mehr als diese Comic-Ästhetik wird nicht geboten, vor allem keine originelle oder ansatzweise substantielle Geschichte, die stattdessen als vorhersehbares Puzzle eines banalen Rachefeldzugs von A bis Z Vorbildern aus Kinder- und Jugendtagen geschuldet ist. Blutig und infantil und damit in den Fußstapfen von US-Regisseuren à la Shane Black, Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez bietet Terminal seinen Zuschauern Coolness von der Stange, die mithilfe von Zitaten aus dem Werk des brillanten englischen Autors Lewis Carroll (Alice im Wunderland, EA 1865 ) auf Gedeih und Verderb abgedreht sein will, dadurch aber noch mehr in Phrasendrescherei und Peinlichkeiten ausartet.

 

Nach 12 Jahren als Regieassistent nutzte Vaughn Stein mit Terminal die Chance, erstmalig als Autor und als Regisseur eines Spielfilms in Erscheinung zu treten. Nun, er hätte sich sowohl fürs Eine wie fürs Andere besser etwas Rat und Hilfe gesucht, denn sein Werk verfehlt das Klassenziel in so ziemlich allen Kategorien. Was sich positiv hervorheben lässt, ist einzig die schauspielerische Kompetenz Simon Peggs, der sich in einem ansonsten faden Mittelteil mit Margot Robbie als Kellnerin im Banhofscafé End Of The Line einen Schlagabtausch liefert, der zwar inhaltlich abgedroschen, doch mit Blick auf die Chemie der beiden unterhaltsam ist. Unfassbar dämlich ist zuletzt das (in der einen oder anderen Form erwartbare) Spiel mit falschen Identitäten, ein Griff in die Mottenkiste der Kinogeschichte... Beim Finale und der Schlusssequzenz wird einem endgültig klar, dass man dieses Machwerk am liebsten in die fahrbare Mülltone des dienstbaren Clintons (Mike Myers) entsorgt sehen möchte, der für die sauberen Bahnsteige zuständigen Reinigungskraft… Apropos Myers, weder er noch Margot Robbie tragen schauspielerisch eine nur ansatzweise bemerkenswerte Leistung bei. Make-Up und Grimassen sind das einzige, worauf sich Vaughn Stein fokussiert und so sind auch die Darsteller bloß Teil der Style-over-Substance-Attitüde, die so ermüdend anachronistisch und in ihrer Irrelevanz extrem selbstgefällig daherkommt. In England lief Terminal in der Woche der Veröffentlichung landesweit in einem einzigen Kino; in Deutschland erschien der Film ein halbes Jahr nach Premiere einzig auf dem Home-Entertainment-Markt. Nun, wen wunderts?

 

Als Terminal – Rache war nie schöner gibt es eine je exzellente BD- und DVD-Edition (2018) der Universum Film GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch topp, dazu die original englische Tonspur und eine deutsche Synchronisation, optional deutsche Untertitel. Die Extras umfassen diverse Featurettes von 12 Minuten Laufzeit.

 


Neo Noir | 2018 | International | Vaughn Stein | Simon Pegg

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