letzte Opfer, Das



Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
**
Originaltitel
Het tweede gelaat
Kategorie
Neo Noir
Land
BEL
Erscheinungsjahr
2017
Darsteller

Koen De Bouw, Werner De Smedt, Greg Timmermans, Sofia Hoflack, Marcel Hensema

Regie
Jan Verheyen
Farbe
Farbe
Laufzeit
127 min
Bildformat
Widescreen

 


 

© Atlas Film und Medien GmbH

Antwerpen, Belgien: In der Liebfrauenkathedrale, der Domkirche des örtlichen Bistums, schlagen von einer komplizierten Mechanik angetrieben die Glocken und lassen ihr Geläut über der Stadt ertönen. Irgendwo wischt jemand akribisch einen Steinboden, entfernt einen rötlichen Belag und zieht Fäden von Staub und Textilien aus einer Scheuerbürste… Der Kriminalkommissar Freddy Verstuyft (Werner De Smedt) verlässt das opulente Hauptquartier der örtlichen Polizei und trifft vor der Drehtür auf Frau Moeder Tissot (Marijke Pinoy), Mutter einer seit längerem vermissten jungen Frau, die ihm wider seinen Willen ein selbstgedrucktes Infoblatt in die Hand drückt… In der Dunkelheit des Abends ist ein Wilderer mit einer Taschenlampe im Wald unterwegs. Er schneidet einen toten Feldhasen aus einer Falle… Indessen trifft Freddy Verstuyft bei seinem Vorgesetzten Kriminalkommissar Eric Vincke (Koen De Bouw) ein. Er ist dort zum Abendessen eingeladen, hat eine Flasche bulgarischen Weins mitgebracht, und es ist Vinckes Lebensgefährtin Eva (Hilde Heijnen), die ihm die Tür öffnet und erstaunt anblickt. Wie sich herausstellt, wird Freddy erst am kommenden Freitag erwartet, aber Eric und Eva sehen kein Problem darin, und so bleibt der Kollege zum Abendessen. Bei ihrem Gespräch dreht es sich um Vinckes ausbleibende Beförderung, der zugibt, keinerlei Ambitionen für den Posten des Polizeipräsidenten zu haben. Verstuyft übernachtet bei den beiden, und in den frühen Morgenstunden schlägt die Zentrale Alarm…

 

Die Darstellung von Menschen, die als ausgebildete Psychotherapeuten arbeiten oder gar, wie es hier auf Frau Rina van Lierde (Sofia Hoflack) zutrifft, als Leiterin einer psychiatrischen Klinik, erwies sich im Thrillerkino schon immer als problematisch. Ingrid Bergmann agiert als Dr. Constance Petersen in Alfred Hitchcocks Ich kämpfe um dich (USA 1945) so unprofessionell und dilettantisch, dass es den Film für mich ruiniert. Nochmals schlimmer ist es im Fall von Richard Rushs Color Of Night (USA 1994), darin Bruce Willis den praktizierenden Psychotherapeuten Bill Capa spielt, der seinerseits in eine Affäre mit einer Klientin stolpert. Vor allem erinnert Frau von Lierde aber an Dr. Lauren Porter (Lisa Hamilton) in Davis Maddens Separate Lives (USA 1995), die des Nachts in Clubs und Diskotheken ihre ungezügelte Seite und ihre Traumata auslebt, bevor sie einen in sie verliebten Patienten und ex-Polizeibeamten (James Belushi) als Schutzengel anstellt. Psychotherapeutin und Klinik-Leiterin ist auch Dr. Charlotte Bennett (Barbara Carrera), die in Richard T. Heffrons Ich, der Richter (USA 1982), einer Verfilmung des Debüt-Romans (EA 1947) von Mickey Spillane um den Privatdetektiv Mike Hammer, dank ihrer weiblichen Reize gleichsam die Macht der Verführung einsetzt. Hatte sich der belgische Kriminalschriftsteller Jef Geeraerts von diesen Filmen womöglich „inspirieren“ lassen, als er sein Buch Double-face (EA 1990), den siebten Band um die Antwerpener Mordermittler Eric Vincke und Freddy Verstuyft, im Hinblick auf einen Serienmörder in solchem Umfeld ansiedelte? Die Parallelen sind teils offensichtlich, so dass ich es durchaus für möglich halte.

 

© Atlas Film und Medien GmbH

„Viele längst ausgelutschte Zutaten von Primetime-Krimis werden (…) in Das letzte Opfer ebenso lieb- wie einfallslos abgehandelt“, schreibt Antje Wessels für Filmstarts über diesen europäischen Neo Noir. Warum die nach Erik van Loys Mörder ohne Erinnerung (BEL/NL 2003) und Jan Verheyens Das Recht auf Rache (BEL/NL 2009) dritte Adaption eines Vincke-Verstuyft-Romans krachend scheitert, liegt aber nicht nur in der absurd unglaubwürdigen Figur der Psychotherapeutin Rina van Lierde begründet. Hier entfaltet sich Minute um Minute eine mit Klischees überfrachtete, von Logiklöchern heimgesuchte und in der zweiten Filmhälfte schlicht hanebüchene Handlung, die dem Publikum am Ende zumutet, dass es für den Stuss gar kein nachvollziehbares Motiv gibt. Die Gruppe der Tatverdächtigen beinhaltet allein Platzhalter - Figuren ohne Persönlichkeitsmerkmale, geschweige denn Tiefe. Das ist und das bleibt extrem frustrierend. Mit 127 Minuten ist Das letzte Opfer, obwohl eine Romanverfilmung, deutlich zu lang und zeigt noch im Finale, wie geradezu lächerlich die ermittelnden Beamten entscheiden und agieren. Die dritte in der Serie von Jef-Geeraerts-Adaptionen ist klar die schwächste und blieb in der Folge die letzte. Trotz einer stets guten Kameraarbeit ist der Film nicht zu empfehlen.

 

Es gibt jeweils erstklassige deutsche BD- und DVD-Editionen (2018) der Atlas Film und Medien GmbH mit dem Werk ungekürzt und im Originalformat, bild- und tontechnisch topp, dazu mit der original flämischen Tonspur und einer deutschen Synchronisation, dankenswerterweise auch mit deutschen Untertiteln. Die Extras beinhalten ein Making Of und alle Kinotrailer für die drei Verfilmungen der Romane um die Antwerpener Mordermittler Eric Vincke und Freddy Verstuyft. 

 


 

Neo Noir | 2017 | International | Jan Verheyen | Jef Geeraerts | Koen De Bouw | Mark Arnold

Neuen Kommentar hinzufügen

CAPTCHA
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.