Koen De Bouw, Werner De Smedt, Blerim Destani, Hilde De Baerdemaeker, Filip Peeters
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© Atlas Film und Medien GmbH
Im zerklüfteten Hinterland Albaniens jagt Nazim Tahiri (Blerim Destani) einen Wolf, wofür er ein Schaf mit einem Strick an einen Baumstumpf band. In Ruhe wartet er ab, bis das Raubtier im Fadenkreuz des Zielfernrohrs sichtbar wird, er die Waffe entsichert und zum tödlichen Schuss ansetzt. Im Hafen von Antwerpen geht Bessian Tahiri (Çun Lajçi), nachdem er in einem Restaurant im Hangar 26 vergeblich auf einen mit ihm verabredeten Mann wartete, schnellen Schrittes zu seinem auf dem Parkplatz abgestellten Wagen. Er entriegelt die Türen, als vor ihm Pjeter Gaba (Fatos Kryeziu) auftaucht, Mitglied des nach seinem Vater (Afram Kasapolli) benannten, albanischen Gaba-Clans. Der Mann in Lederjacke trägt eine Pistole mit Schalldämpfer, und hinter Tahir postiert sich in dem Augenblick ein zweiter Handlanger des Clans, ebenfalls bewaffnet. Der von seinen mutmaßlichen Mördern gestellte Tahir rät ihnen sich zu besinnen, hätten sie doch aus gutem Grund Angst. Es ist Pjeter anzusehen, dass ihm die gute Laune vergeht, doch dann erschießen die Männer Bessian Tahiri, ohne mit der Wimper zu zucken. Als Nazim mit dem toten Wolf in sein Dorf zurückkehrt, wird er auf der Versammlung von der Bürger vom Bruder Ukaj (Vildan Maksuti) darüber informiert, dass man ihren Vater ermordet habe. In Antwerpen trifft Kriminalkommissar Eric Vincke (Koen De Bouw) mit dem Kollegen Freddy Verstuyft (Werner De Smedt) am Tatort ein, wo sich Linda de Leenheer (Hilde De Baerdemaeker) bereits ein Bild machte…
“The same team of directors and actors gave us Memory of a Killer, and this is another very good Euro-thriller, this time peeling the darkness back from an underbelly of society, which (…) is almost impermeable by outsiders”, schreibt Jim McLennan für Film Blitz, aber das stimmt nur zum Teil. Tatsächlich ist Erik Van Looys Mörder ohne Erinnerung (BEL/NL 2003) ein erstklassiger europäischer Neo Noir und zugleich die Verfilmung des Kriminalromans De zaak Alzheimer (EA 1985) von Jef Geeraerts, Belgiens wohl bedeutendstem Kriminalschriftsteller des späten 20. Jahrhunderts, der 2015 verstarb. Ganze sechs Jahre dauerte es, bis das gleiche Ermittler-Trio – Erik, Freddy, Linda plus Major de Keyzer (Filip Peeters) – mit Das Recht auf Rache wieder in Erscheinung trat, diesmal in der Adaption von Jef Geeraerts Roman Dossier K. (EA 2002), dem vorletzten von neun Büchern um die Polizeibeamten Vincke und Verstuyft, von denen bis dato lediglich vier ins Deutsche übersetzt wurden. Allerdings saß nicht Erik Van Looy auf dem Regiestuhl, hier irrt Jim McLennan, sondern Jan Verheyen, und auch Kameramann Danny Elsen (Loft – Tödliche Affären, BEL 2008) ist nicht mit von der Partie. Immerhin schrieb Erik Van Looy wie schon 2003 mit Carl Joos für Mörder ohne Erinnerung das Drehbuch. Letzteres serviert in der Umsetzung durch Jan Verheyen und aufgrund einer zu hastigen Schnittfolge in der ersten halben Stunde jedoch einige deftige Klischees. Erst die Einführung in die Welt der albanischen Syndikate und ihre jahrhundertealten Traditionen, dann die potentiellen Liebesbande zwischen Nazim Tahiri und Naomi Waldack (Marieke Dilles) einerseits und Erik Vincke und Linda de Leenheer andererseits sind furchtbar holprig inszeniert. Dies wirkt alles so klischeebefrachtet und banal, dass es kaum auszuhalten ist.
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© Atlas Film und Medien GmbH
Zugutehalten muss man dem Film und damit Jan Verheyen allerdings seinen Sinn für Spannungsaufbau und sein Talent für Action-Sequenzen, die nie übertrieben wirken und doch auf den Punkt kommen. In Einzelszenen zeigt der Film mehrfach, wie exzellent er im Ganzen hätte sein können. Ich muss sogar zugestehen, dass er nach den ersten 30 Minuten sukzessive an Qualität gewinnt. Dann entfaltet sich Geeraerts Vorlage zur Gänze, die mit Wendungen aufwartet, die mich sowohl überraschten als auch bei der Stange hielten. Drehorte und Darsteller tun ein Übriges: Koen De Bouw und Walter De Smedt, dessen Freddy Verstuyft leider auch eine klischeebelastete Marke “Bulle“ ist, sind allemal gut, und auch Hilde De Baerdemaeker, Blerim Derstani und Marieke Dilles sind in ihren jeweiligen Rollen bestens platziert. Knapp daneben ist auch vorbei, muss ich trotzdem schlussfolgern, und es bleibt bei drei Sternen. Nochmals acht Jahre später (!) – die extrem zähe Taktung verwundert wohl nicht nur mich – folgte mit Jan Verheyens Das letzte Opfer (BEL 2017) der (wahrscheinlich) letzte Kinofilm über Antwerpens Ermittler-Duo. Obgleich die Filme in Belgien und in den Niederlanden produziert wurden, entspricht ihre Atmosphäre stark dem skandinavischen Nordic Noir. Fazit: Das Recht auf Rache ist kein Muss, aber auch kein Ärgernis. Ich selbst bedaure es letztlich nicht, mich ihm gewidmet zu haben.
Es gibt eine recht gut editierte deutsche DVD-Edition (2013) der Atlas Film und Medien GmbH mit dem Film ungekürzt und im Originalformat, bild- und tontechnisch einwandfrei, dazu mit der original flämischen Tonspur und einer (ganz und gar schrecklichen) deutschen Synchronisation, dankenswerterweise aber auch mit deutschen Untertiteln, das Ganze ohne jegliche Extras.














