Brasher Doubloon, The / The High Window

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Bewertung
***
Originaltitel
The Brasher Doubloon
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

George Montgomery, Nancy Guild, Conrad Janis, Roy Roberts, Fritz Kortner

Regie
John Brahm
Farbe
s/w
Laufzeit
70 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Pasadena, Los Angeles County: Der Privatdetektiv Philip Marlowe (George Montgomery) wurde zur Villa der verwitweten Mrs. Elizabeth Murdock (Florence Bates) gerufen. Marlowe hasst windige Sommertage wie den heutigen, aber die Stimme am Telefon hat es ihm angetan. Und ausnahmsweise wird er nicht enttäuscht, als ihm die Inhaberin dieser Stimme in Gestalt der reizenden Privatsekretärin Mrs. Murdocks, Ms. Merle Davis (Nancy Guild), die Tür öffnet. Marlowe erfährt, dass ihn Merle Davis nicht aufgrund einer Empfehlung sondern eher wahllos aus dem Telefonbuch herausgepickt hat und gibt ihm eine kurze Einführung zur etwas exzentrischen Mrs. Murdock, die ihn in eigener Sache zu sprechen wünscht. Noch in der Eingangshalle wird Marlowe zufällig Zeuge, wie Leslie Murdock (Conrad Janis), der Sohn des Hauses, energisch versucht, Merle Davis von der Unsinnigkeit des Besuchs eines Privatdetektivs bei seiner Mutter zu überzeugen. Aber schließlich lädt sie ihn vor und Marlowe erfährt den Grund seines Hierseins. Aus der Münzsammlung ihres verstorbenen Mannes ist ein kostbares Stück, eine sogenannte Brasher Doubloon aus der Zeit der Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika, entwendet worden. Nur die Hausherrin, ihre Privatsekretärin und ihr leiblicher Sohn haben Zugang zu dem in der Villa befindlichen Safe. Vor einigen Tagen erkundigte sich ein Anrufer aus Los Angeles, ein Mann namens Elisha Morningstar (Houseley Stevenson) nach der Münze und fragte, ob sie zum Verkauf stünde…
 
“The Brasher Doubloon remains bland, with undistinguished acting by the entire cast”, schlussfolgert Linda Rasmussen für Rotten Tomatoes. Tatsächlich ist diese Verfilmung von Raymond Chandlers Roman Das hohe Fenster (EA 1942) eine herbe Enttäuschung für alle Freunde des Film Noirs, die jene in den Jahren von 1944 bis 1947 vorangegangenen Film Noirs mit dem Privatdetektiv Philip Marlowe im Blick haben. Unerreicht blieb dessen Verkörperung durch Dick Powell in Edward Dmytryks Murder, My Sweet (USA 1944). Aber auch Humphrey Bogart konnte in Howard Hawks’ Tote schlafen fest (USA 1946) überzeugen. Und ein Robert Montgomery brachte es im eigenen Lady In The Lake (USA 1947) dahin, den Rollencharakter gut darzustellen, konnte das Werk selbst mit den zuvor genannten auch nicht mithalten. Sobald man aber berücksichtigt, welchen Ruf der Privatdetektiv Philip Marlowe im Hinblick auf den Film Noir im Bewusstsein der Allgemeinheit hat, ist erstaunlich, dass sein Erscheinen während der klassischen Ära (1941 bis 1959) auf diese vier Filme beschränkt blieb, zumal die letzten beiden als missglückt eingestuft werden können. The Brasher Doubloon – in England unter dem Romantitel The High Window in die Kinos gekommen – ist ein harmloses Kriminalstück, jedenfalls in der Adaption durch den Regisseur John Brahm, nachdem die Drehbuchautoren Dorothy Bennett und Leonard Praskins jedwede abgründige Note der Vorlage ausklammerten. Die schillernden Charaktere des Raymond-Chandler-Buchs sind hier reine Funktionsträger - ein Philip Marlowe mit Latin-Lover-Bärtchen als Allerwelts-Detektiv und ein Backfisch namens Merle Davis als Sekretärin, die nicht für eine Sekunde das Flair einer Femme fatale verströmt. Bei einer Lauflänge von 70 Minuten spielen allein die ersten 11 in den Räumen der Murdock-Villa und vermitteln früh den Eindruck, man sähe ein gefilmtes Theaterstück.
 
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© Twentieth Century Fox Film Corporation

 
Über Jahrzehnte war The Brasher Doubloon ein praktisch nicht greifbarer Film Noir, ein obskures Stück Filmhistorie, nach dessen Veröffentlichung als DVD sich viele Film-Noir-Fans sehnten. Das Wiedersehen beweist, dass nicht jede halb vergessene Produktion, die Filmjournalisten als Film Noir einstuften, durch die dem Stil zugeschriebenen motivischen und inszenatorischen Qualitäten an Wert gewinnt. Nancy Guild und George Montgomery erwecken ihre Charaktere nicht zum Leben und auch sonst ist das Schauspiel mit Ausnahme desjenigen des Wiener Auswanderers Fritz Kortner komplett zu vernachlässigen. John Brahms Regie ist unspektakulär solide; Lloyd Aherns Kameraarbeit ist zu Teilen exzellent, reißt diese Adaption Raymond Chandlers aber nicht aus dem Mittelmaß heraus. Das Studio 20th Century Fox Film Corporation hatte den Chandler-Roman Das hohe Fenster bereits 1942 verfilmt und zwar unter dem Titel Time To Kill mit Lloyd Nolan in der Rolle des Privatdetektivs, der dort Michael Shayne hieß, und mit Herbert I. Leeds als Regisseur. The Brasher Doubloon blieb bis 1969 die letzte fürs Kino bearbeitete Filmfassung eines Raymond-Chandler-Romans. Aber auch die Philip-Marlowe-Filme der 1970er kamen nie mehr an jene ersten mit Powell und Bogart heran.
 
In Europa gibt es eine italienische DVD-Ausgabe (2012) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bildtechnisch gut, wahlweise mit der englischen oder italienischen Tonspur, dazu optional italienische Untertitel, ohne Extras.
 

Film Noir | 1947 | USA | John Brahm | Raymond Chandler | Fritz Kortner | George Montgomery | Houseley Stevenson | Marvin Miller | Reed Hadley | Roy Roberts | Nancy Guild

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