Auf Liebe und Tod

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Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
Vivement dimanche!
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1983
Darsteller

Fanny Ardant, Jean-Louis Trintignant, Philippe Laudenbach, Philippe Morier-Genoud, Caroline Sihol

Regie
François Truffaut
Farbe
s/w
Laufzeit
106 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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In Südfrankreich ist Jacques Massoulier auf Entenjagd, als ein zweiter Jäger auf ihn zutritt und ihn mit einem Kopfschuss tötet. Der Immobilienmakler Julien Vercel (Jean-Louis Trintignant) verlässt mit seinem Auto den Tatort. Im Büro, nachdem seine Frau Marie-Christine (Caroline Sihol) ihn aus Nizza angerufen hat, gerät er in einen Streit mit seiner Sekretärin Barabara Becker (Fanny Ardant), die er kurzerhand entlässt. Zuhause erhält er einen anonymen Anruf. Eine Frauenstimme beschuldigt Marie-Christine einer Affäre mit Massoulier, was diese bei ihrer Rückkehr aus Nizza auch zugibt. Kurz darauf klingelt die Polizei an Vercels Tür und bittet ihn aufs Präsidium, wo Kommissar Santelli (Philippe Morier-Genoud) ihn verhört. Weil Vercel als einziger registrierter Jäger das Kaliber der Mordwaffe benutzt, gerät er unter Mordverdacht. Er verweigert die Aussage und kontaktiert Maître Clément (Philippe Laudenbach), seinen Anwalt, der ihn zuletzt auch nach Hause bringt. Bei der Probe mit einer Gruppe von Laiendarstellern im Theater taucht bei Barbara plötzlich Julien Vercel auf und bittet sie um Hilfe. Auch seine Frau ist ermordet worden und nun gibt es außer Barbara niemanden, der an seine Unschuld glaubt…
 
François Truffaut begann 1951 als Filmjournalist für das Magazin Les Cahiers du cinéma. Der Film Noir gehörte zu seinen Vorlieben und später auch zu den Einflüssen auf Truffaut, den Regisseur. Mit seinem zweiten Spielfilm Schießen Sie auf den Pianisten (FRA 1960) nach dem Roman Down There von David Goodis setzte er dem Film-Noir-Kino Hollywoods ein erstes, eigenwilliges Denkmal. Mit Die Braut trug Schwarz (FRA/ITA 1968) nach Cornell Woolrich kehrte er in Farbe aufs Film-Noir-Terrain zurück. Auf Liebe und Tod, François Truffauts letzter Spielfilm vor seinem Tod aufgrund eines Hirntumors mit nur 52 Jahren, war der dritte Streich. Und was für einer! Weniger Komödie als hintergründige Hommage ans Film-Noir-Kino der Vierziger ist Auf Liebe und Tod sowohl grandios in Schwarzweiß inszeniert als auch perfekt besetzt.
 

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© Concorde Home Entertainment GmbH
 
Nach dem Roman The Long Saturday Night von Charles Williams, der u.a. auch für den Neo Noir The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer (USA 1990) die Vorlage lieferte, spielen Jean-Louis Trintignant (Der Konformist / Der große Irrtum, ITA/FRA/GER 1970) und François Truffauts Lebensgefährtin seit 1979, Fanny Ardant. In Anlehnung an Steve Martin und vor allem Rachel Ward in Tote tragen keine Karos (USA 1982), mit dem Auf Liebe und Tod die Gratwanderung zwischen Hommage und Parodie teilt, ist die Chemie und die Dynamik der beiden Darsteller schlicht umwerfend. Mit einem Witz und einer cineastischen Kenntnis, die jeweils an Woody Allen erinnern, bringt Auf Liebe und Tod eine rasante Vielfalt an Film-Noir-Zitaten – von Fanny Ardant als engagierter Privatdetektivin und als falscher Femme fatale in Kostümen der Vierziger über den von allen betrogenen, scheinbaren Täter im Dickicht der Intrigen und falschen Identitäten bis hin zum überladenen Plot mit seinen unzähligen Wendungen. In kontrastreichem Schwarzweiß samt Rückblendentechnik und dank zahlreicher Kamerawinkel, die an Alfred Hitchcock denken lassen, ist Auf Liebe und Tod nahezu perfektes Kino. Das doppelte Ende ist clever inszeniert, enttäuscht auch der Schluss als ein wenig zu leichtgewichtig. Dass manche Handlungslogik sich zuletzt als fragwürdig erweist, stört hier ebenso wenig wie in Tote schlafen fest (USA 1946) nach einem Roman Raymond Chandlers, von dem Auf Liebe und Tod kaum einen Steinwurf weit entfernt ist.
 
Eine englische DVD (2006) von Cinema Club / 2 entertain bringt den Film als Finally, Sunday! in ungekürzter Spielzeit, im Originalformat und mit dem original französischen Ton und optional englischen Untertiteln, bildtechnisch einwandfrei. Die deutsche DVD als Einzeledition bei Arthaus / Kinowelt (2011) bietet den Film in gleicher Qualität und ebenfalls ungekürzt und im Originalformat, das Ganze mit dem original französischen Ton plus der deutschen Kinosynchronisation und optional deutschen Untertiteln, dazu den Kinotrailer und eine Einführung zum Film von Serge Toubiana als Extras. Der Film findet sich mit drei weiteren Werken des Regisseurs zudem in der 4-BD- bzw. 4-DVD-Box (2016) betitelt François Truffaut Collection Vol. 3 beinhaltet, sowohl bild- und tontechnisch als auch preislich die defintive Edition via Concorde Home Entertainment GmbH, mit dem französischen Originalton plus alternativ der deutschen Tonspur,  optional deutsche UT und mit einer Präsentation der Filme durch Truffaut-Biograf Serge Toubiana, mit diversen Interviews, den original Kinotrailern und entsprechenden Audiokommentaren als Extras. Unbedingt zu empfehlen!
 

Neo Noir | 1983 | France | François Truffaut | Charles Williams | Jean-Louis Trintignant | Fanny Ardant

Gespeichert von Martin Zopick (nicht überprüft) am 27. Oktober 2020 - 11:46

Permanenter Link

Truffauts letzter Film kam wohl bereits aus dem Grabe heraus. So grottenschlecht ist er.

Das Malheur mit dem Original und dem deutschen Titel hat schon so manchen Film stigmatisiert. Offiziell als Komödie deklariert, ist der erste Schuss der voll daneben geht. Nur hin und wieder gibt es eine latent ironische Dialogstelle. Dafür gibt es mehrere Morde, über die wir nur etwas vom Hören Sagen erfahren. Julien (Jean-Louis Trintignant) soll sie begangen haben. Seine Sekretärin Barbara (Fanny Ardant), die in ihn verliebt ist, verschafft ihm erst ein Alibi, dann verrät sie ihn an die Polizei. Warum? Bleibt das Geheimnis des Meisters. Hier ist es ihm nicht gelungen sinnstiftende Charaktere zu erschaffen. Nur eine Stelle scheint gelungen, wenn seine dann bald ermordete Ehefrau Marie-Christine (Caroline Sihol) durch einen geschickten Schnitt in eine Ohrfeige hineinfällt. Fad und dröge quält sich ansonsten der Plot über die Runden. Man fragt sich ständig ‘Stammt das, was wir sehen, wirklich von Truffaut?‘ Und dabei kennen wir noch nicht einmal das Ende. Der Mörder war wie sooft bei den Angelsachsen nicht der sprichwörtliche Gärtner, sondern der Anwalt von Trintignant. ‘Ach was!‘ hätte da Loriot treffend gesagt. Und am Ende setzt das Drehbuch noch einen drauf: die Trauung von Julien und Barbara, so überflüssig wie ein Kropf. Der Fan ruft ihm ein schmerzerfülltes Adé! hinterher.

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