Billy Campbell, Karine Vanasse, Kristen Thomson, Glen Gould, James Downing
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Algonquin Bay, Ontario,Kanada: Es ist Januar und die Kleinstadt, ihre umliegenden Gehöfte und der See liegen in Frost und Schnee. Der alte Ronald “Ronnie“ Kennis (Steven Cree Molison) ist inmitten der Weite mit seinem Schneemobil samt Anhänger zu einem stillgelegten Minenschacht auf einer von Bäumen bestandenen Insel unterwegs. Hier gibt es Draht, den Ronnie mitnehmen und verkaufen möchte, aber als er heute hier ist, fällt ihm auf, dass ein Vorhängeschloss aufgebrochen wurde. Er öffnet die Tür und folgt mit einer Taschenlampe zur Hand einer Treppe in die Tiefe. Hier entdeckt er inmitten von Gerümpel die eingefrorene Leiche eines Kindes… Auf dem Kundenparkplatz von Super Future Electronics klopft Police Detective Lise Delorme (Karine Vanasse) ans Seitenfenster von Police Detective John Cardinals (Billy Campbell) Auto. Er gehe nicht ans Telefon, sagt sie ihm, und er erwidert, dass er es ausgeschaltet habe. Cardinal steht vor Ort, weil er vermutet, dass wie er selbst auch ein Einbrecher beobachtet, wie Kunden mit teuren Geräten zu ihren Fahrzeugen gehen. Letzterer folgt ihnen und wird sie kurz darauf ausrauben. Delorme teilt Cardinal mit, dass man eine Leiche gefunden habe, doch Cardinal erwidert, dass er nicht länger Mordermittler sei. Er will das Seitenfenster schließen, aber sie hält ihre Hand dazwischen. Noelle Dyson (Kristen Thomson) schicke sie, so Delorme, denn man habe Grund zur Annahme, dass es sich bei dem toten Teenager um die 13-jährige Katie Pine (Rebecca Anne Zinner) handele…
Die vom kanadischen Fernsehproduzenten und Drehbuchutoren Aubrey Nealon in Kooperation mit Sienna Film initiierte TV-Serie Cardinal (CAN 2017-2020), die es auf vier Staffeln brachte, beruht auf den Romanen des in Toronto ansässigen Kriminalschriftstellers Giles Blunt. Für die erste Staffel adaptierte man mit Daniel Grou auf dem Registuhl den Roman Forty Words For Sorrow (EA 2001, auf Deutsch 2004 als Gefrorene Seelen) und für die Hauptrollen des Mordermittlers John Cardinal in der fiktiven Kleinstadt Algonquin Bay wählte man den US-Amerikaner Billy Campbell (Genug!, USA 2002), der eine exzellente schauspielerische Leistung abliefert. Ihm zur Seite agiert Karine Vanasse aus Quebec, Kanada, die ein feines Portrait der Polizeibeamtin Lise Delorme zuwege bringt, die sich von der Finanz- und Wirtschaftskriminalität in die Modkommission versetzen ließ. Zumindest sieht es so aus… Tatsächlich ermittelt sie im Auftrag von Sergeant Malcolm Musgrave (David Richmond-Peck), Toronto, und wegen des Verdachts auf Korruption gegen ihren neuen Partner John Cardinal, der selbst mit der bipolaren Störung seiner Ehefrau Catherine (Deborah Hay) zu kämpfen hat. Auch hier ist jedoch bald nichts, was und wie es zu sein scheint. Nachdem Cardinal vor über 4 Jahren in Toronto gegen den Drogenboss Cordell als verdeckter Ermittler eingesetzt war und bei der entscheidende Kommandoaktion Cordell entwischte und ein Beamter getötet wurde, hält Musgrave ihn für einen Veräter. Im Anschluss ließ sich John Cardinal nach Algonquin Bay, seine Heimatstadt, versetzen, wo seine Frau inzwischen in einer psychiatrischen Klinik untergebracht ist, während Tochter Kelly (Alanna Bale) in Toronto Architektur studiert. Vor einem halben Jahr wurde der Mordermittler John Cardinal vom Fall der vermissten Katie Pine abberufen und die Suche eingestellt. Seither schnüffelte er Einbrechern hinterher. Bis Katie Pine nun gefunden wird… Man sieht, das Ganze ist komplex angelegt. Oder anders gesagt: In dieser Geschichte laufen viele Fäden zusammen.
“Cardinal works quite beautifully, (…) playing fairly fast and loose with many of its major plot points to craft an experience that is more about refining a certain kind of atmosphere and ambience”, schreibt Billy Stevenson für cinematelevisionmusic über diese erste Staffel der kanadischen Serie, die er ebenso wie ich klar vom Nordic Noir Skandinaviens inspiert sieht. Mit einer auf seine Charatere fokussierten Erzählung und kunstvoll geschachtelten Erzählstruktur ist Cardinal - Staffel 1 Neo Noir par exellence. Die Stränge der Handlung werden sauber und logisch zusammengeführt; ihre Vergangenheit holt alle Beteiligten auf die einer oder andere Weise ein, und hier neigen weder der Roman noch das Drehbuch zu Kompromissen. Mitunter ist dies starker Tobak und daher nichts für die Zartbesaiteten unter den Zuschauern vor dem Fernseher. Zugleich hält die Serie den ihren Spannungsbogen aufrecht und enttäuscht bis zum Schluss so gut wie nie. Mir war in der finalen sechsten Folge ein wenig zuviel Action und zuviel von Vorbildern abgeguckt, aber so richtig schlimm oder enttäuschend war auch das nicht. Vor allem bleibt Cardinal – Staffel 1 nämlich von A bis Z spannend, entwickelt seine Figuren mit Raffinesse und lässt einen im Nu nicht mehr los. Kurzum, es bleibt spannend bis zum Schluss. In einer Zeit, das der Markt in allen Sparten mit TV-Serien geflutet wird, ist das defintiv ein Qualitätsmerkmal.
Als Cardinal - Staffel 1 gibt es alle sechs Episoden der kanadischen Giles-Blunt-Verfilmung via New KSM als eine deutsche 2-Blu-ray oder 2-DVD-Box (2018) im Pappschuber und zwar bild-und tontechnisch richtig exzellent, dazu den englischen Originalton und eine (wie immer nicht zu empfehlende) deutsche Synchronisation inklusive optional deutscher Untertitel, dazu die drei Featurettes Drehorte, Vom Krimi zum Drehbuch und Wer ist John Cardinal? sowie den TV-Trailer und eine Bildergalerie als Extras. Sehenswert!











