Humphrey Bogart, Gale Page, Billy Halop, John Litel, Henry Travers
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© Warner Bros.
New York: An einem sonnigen Nachmittag kommt Madge Stone (Gale Page) mit ihrer Kollegin Peg (Getrude Short) aus dem Mitarbeitereingang des Warenhauses Markey’s, wo es Distinctive Merchandise zu erwerben gibt, wie das Schild über dem Eingang verkündet. Als Peg den Verlobten von Madge, den Taxifahrer Fred Burke (Harvey Stephens), in seiner Livree am Straßenrand warten sieht, verabschiedet sie sich und Madge steigt zu Fred ins Taxi. Während sie ihm lieber nichts von der Abteilung für Taschen und Koffer, darin sie abeitet, erzählen möchte, hat Fred Neuigkeiten zu vermelden. Sein Unternehmen will in Boston, Massachusetts, eine Dependance eröffnen, und Fred soll in einer leitenden Funktion tätig werden. Er wird 300 US-Dollar im Monat verdienen; also werden sie heiraten können und ein neues neues Leben führen. Als sie im Teppenhaus der Mietskaserne ankommen, wo Madge lebt, findet sie eine Nachricht von ihrem erst 19-jährigen Bruder Johnnie (Billy Halop). Sie möge bitte nicht mit dem Abendessen auf ihn warten, er sei noch mit einem Freund in Brooklyn unterwegs. Fred versucht seine Freundin zu beschwichtigen. Johnnie suche sicher nach einer Anstellung, aber Madge weiß es besser. Er sei zum dritten Mal in dieser Woche unterwegs, meist mit Frank Wilson (Humphrey Bogart), jenem Ganoven, zu dem er wie zu einer Heldengestalt aufblicke. Nun ist auch Fred alarmiert, der Wilson kennt und ihn für einen sicheren Kandidaten für das Staatsgefängnis hält… Tatsächlich fährt Johnnie Stone am gleichen Abend in einem gestohlenen Wagen mit Frank Wilson weit außerhalb der Stadt zu einer Tankstelle, welche sie zu überfallen und auszurauben beabsichtigen…
"What can you expect from a kid that’s grown up in this neighbourhood? Poverty. Cheapness. Gang. That’s all he’d ever known.” Schon mit den ersten Minuten bezeugt dieses Werk sein Etikett betitelt Warner Bros. - First National Picture in quasi jeder Eistellung. Das bedeutet erstklassige Standards der Produktion, also Kameraarbeit und Dramaturgie auf einem für die damalige Zeit unmissverständlich hohen Niveau. Im Vergleich mit Werken anderer Studios fühlt sich ein Film der Warner Bros. aus den späten 30er Jahren oft modern und zeitlos an. Dass der damals 39-jährige Humphrey Bogart auf dem Filmplakat an erster Stelle steht, war längst keine Selbstverständlichkeit. Seit 1930 war er im Filmgeschäft aktiv und hatte sich seit der Mitte der 30er bei Warner Bros. kontinuierlich nach oben gearbeitet. Aber auch in den sechs Produktionen des Jahres 1939, in denen er mitwirkte, stand er meist hinter James Cagney, George Raft oder Bette Davis an dritter oder vierter Stelle. Erst im Vorjahr war er unter Lewis Seiler und mit Gale Page und Billy Halop in Crime School (USA 1938) aufgetreten, einem Remake von Archie Mayos‘ The Mayor Of Hell (USA 1933), das einzig dazu diente den Dead End Boys eine Bühne zu geben. Auch Billy Halop war einer der “jugendlichen Straftäter“, welche die Gruppe von Teenagern zwischen 1937 und 1939 in insgesamt sieben Spielfilmen repräsentierte. In You Can’t Get Away With Murder tritt Halop solo auf, liefert jedoch eine hölzerne und schwache Leistung ab, und auch Gale Page ist in Szenen, die ihr Emotionalität abverlangen, klar überfordert. Das größte Problem des Films ist aber sein Drehbuch bzw. das von dem ex-Gefängnisdirektor Lewis A. Lawes und Jonathan Finn verfasste Theaterstück Chalked Out (EA 1937), worauf es basiert. Ab der 22. Minute wird aus dem Werk ein Gefängnisfilm. Letzterer birgt immer die Gefahr von Statik und damit Zähigkeit. In dieser Geschichte von Frankie, Frec und Johnnie passiert das vor allem, weil die Unterteilung in Gut vs. Böse so strikt und derart ja nach dem Lehrbuch des Production Codes und der damit einhergehenden Zensur funktioniert, dass sich nach dem ersten Drittel die Mechanik der Crime-Doesn’t-Pay-Botschaft zur Gänze offenbart und alles Folgende vorhersehbar und damit langweilig wird.
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© Warner Bros.
“Even if Halop were good (…) the script would still be blah. Even with Bogart being great… well, there are better movies to see Bogart doing the same thing in”, schlussfolgert Andrew Wickliffe für The Stop Button und bringt es auf den Punkt. Zwei Jahre später und nach weiteren hochkarätigen Leistungen in Nachts unterwegs (USA 1940) und Entscheidung in der Sierra (USA 1941), beide von Regisseur Raoul Walsh inszeniert, würde Humphrey Bogart als Privatdetektiv Sam Spade im Verbund mit all jenen vor und hinter der Kamera mit John Hustons Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1941) den Film Noir aus der Taufe heben. Zu dem Zeitpunkt war die erste Welle der Gefängnisfilme, zu denen Warner Bros. u.a. San Quentin (USA 1937), Each Dawn I Die (USA 1939) oder Castle On The Hudson / Years Without Days (USA 1940) beigesteuert hatte, wieder abgeflaut. Bogart wurde zum Weltstar, starb 1957 aber mit nur 57 Jahren an Speiseröhrenkrebs. Billy Halop konnte nach seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr an alte Erfolge anschließen. Zuerst versuchte er es bei Powerty-Row-Studios; ab 1950 arbeitete er fast nur noch fürs Fernsehen. Nach vier glücklosen Ehen und jahrelangem Alkoholproblemen starb der 56-jährige 1976 an seinem dritten Herzinfarkt.
Eine US-amerikanische DVD-R der Warner Archive Collection (2012) beinhaltet das Werk ungekürzt im Originalformat mit dem englischen Ton ohne Untertitel, bild und tontechnisch aber in erstaunlich hochwertiger Qualität.














