Cheat, The



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Wenn es Nach wird in Paris


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Bewertung
***
Originaltitel
The Cheat
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1931
Darsteller

Tallulah Bankhead, Harvey Stephens, Irving Pichel, Jay Fassett, Ann Andrews

Regie
George Abbott
Farbe
s/w
Laufzeit
74 min
Bildformat
Vollbild

 


 

© Paramount Pictures Corporation

Im The Dune Yacht Club auf Long Island, New York, trifft sich im opulentem Casino am heutigen Abend eine Tischgesellschaft, die den wohlhabenden Hardy Livingstone (Irving Pichel) zurück in ihrer Mitte begrüßt. Genau drei Jahre reiste der Herr durch den fernen Osten. Jetzt versprach er dem Club, für eine kommende Veranstaltung zugunsten einer Sammlung für wohltätige Zwecke seine Villa zur Verfügung zu stellen. Unter den Gästen ist auch Elsa Carlyle (Tallulah Bankhead), deren Mann der zurzeit aufstrebende New Yorker Geschäftsmann Jeffrey Carlyle (Harvey Stephens) ist. Letzterer verspätet sich, weil er im Büro an ein lukratives Geschäft, dass er in Aussicht hat, noch letzte Hand anlegen musste. Als er im Club ankommt, trifft er im Foyer seinen Freund Terrell (Jay Fassett), der dem Ballsaal entfloh, da er von all den pathetischen Reden zugunsten des Milk Fund Bazaars genug hatte. Eer bewundert Jeffrey, der seine Frau Elsa so sehr liebt, demgegenüber er sein Leben als Single zubringt. Sie begeben sich an die Bar, während Elsa, die Jeffrey noch nicht begrüßte, inzwischen in den angrenzenden Saal mit dem Glücksspiel wechselt. Letzteres ist ihre Schwäche, und auch heute lässt sie sich dazu hinreißen hoch einzusteigen, um dann unter den Augen Hardy Livingstones hoch zu verlieren. Elsa war von Livingstone, der bei Tisch als ein Verehrer von Frauen vorgestellt worden war, wenig beeindruckt. Er hingegen hat auf die schöne Frau ein begehrliches Auge geworfen und folgt Elsa nach ihrer Niederlage zum Strand…

 

”Ah sweet, go on… Make love to me!” – “I’d like to, but somebody might see us.” Solcher Film der Pre-Code-Ära profitiert erheblich vom Schauspiel der US-amerikanischen Bühnendarstellerin und Exzentrikerin Tallulah Bankhead, die beizeiten auch in London, England, am Theater arbeitete und die in den Jahren 1931 und 1932 eine kurzlebige Karriere im frühen Tonfilm versuchte. Zu jener Zeit waren Frauen und Männer als Filmstars im Grunde gleichwertig. Der Wechsel vom Stumm- zum Tonfilm brachte zudem die Suche nach jungen Talenten mit sich. Viele Schauspieler der 20er Jahre erwiesen sich für die neue Ära eines internationalen Filmschaffens als ungeeignet. Tallulah Bankhead merkt man die Theaterschule an: sie hat einen für die Ära ungewöhnlich natürlichen Stil – frei von Manierismen und pantomimischer Übertreibung. Es lässt sie im Setting eines solchen Dramas erfrischend wirken. Sie ist eindeutig der Star des Ensembles, obgleich aus ihr kein Star Hollywoods wurde. Auch ihre Mitstreiter sind gut gewählt. Die Kameraarbeit durch George J. Folsey – 13 Male für einen Oscar nominiert, den er jedoch nie gewann - ist erstklassig, und vor allem sind Drehorte und Außenaufnahmen durchweg gelungen. Das Drama um eine Lebedame der feinen Gesellschaft, Elsa Carlyle, die obendrein kein übler Kerl ist, aufgrund ihrer Spielleidenschaft aber vom Weg abkommt und sich durch einen gewagten Betrug vor dem Untergang zu retten versucht, hat folglich alles, was es für einen guten Kriminalfilm bräuchte. Obendrein ist The Cheat das Remake von Cecil B. DeMilles Das Brandmal der Rache (USA 1915), der einst sogar in deutschen Kinos aufgeführt wurde. Dennoch erweist sich die Geschichte unterm Strich als erstaunlich schwach oder genauer gesagt als reichlich banal. Ihre Unabhängigkeit und ihre Lebenslust lässt Elsa Carlyle in die Strudel eines Skandals hinabrutschen, der letzten Endes ihre Abhängigkeit von Männern und deren Geld in ein grelles Licht rückt. Einzig der edelmütige und willensstarke Einsatz ihres Gatten kann sie aus der selbstverschuldeten Zwangslage befreien. Soviel zur… starken und unabhängigen Frau dieser Erzählung, die im Grunde zum Objekt für ein voyeuristisches Publikum herabgestuft wird. So zieht vor allem der letzte Akt, der Prozess im Gerichtssaal, den Film nochmals deutlich herab.

 

© Paramount Pictures Corporation

“I wish I’d liked The Cheat more than I did. It has beautiful outdoor scenery and an off-kilter aura as well as some really scandalous, crazy moments (…) It’s just too artificial”, resümiert auch Danny Reid für pre-code.com. So bleibt George Abbotts Remake eines Stummfilms eines von vielen Werken seiner Zeit, die im Grunde hätten besser werden können (oder müssen), als sie es tatsächlich sind. Sowohl die Schauspielerinnen und Schauspieler als auch die Leute hinter der Kamera hätten das Zeug dazu gehabt. In der Ära des Film Noirs reflektierten u.a. André De Toths Pitfall (USA 1948), Cyril Endfields Aufruhr in Santa Sierra (USA 1950) und Anthony Manns Side Street (USA 1950) das Schicksal von Bürgerlichen, die ein Fehltritt vom Weg abbringt. In Michael Gordons Spielfieber (USA 1949) verkörpert Barbara Stanwyck die hoffnungslos spielsüchtige Joan Boothe. Natürlich ist es auch hier der Zeigefinger spießbürgerlicher Moral, der uns in ihr die undankbare und hemmungslose Ehefrau des loyalen, tief enttäuschten David Boothe (Robert Preston) erkennen lässt. 

 

In den USA erschien The Cheat via Universal Pictures Home Entertainment in dem mit 6 Filmen ausgestatteten 3-DVD-Box-Set Pre-Code Hollywood Collection (2009, RC 1), ungekürzt und im Originalformat, mit dem original englischen Ton ohne Untertitel, allerdings von bescheidener Bild- und Tonqualität, zudem mit dem 10-minütigen Feature Forbidden Film – The Production Code Era als einzigem Bonus der Edition. Die gleiche Fassung von The Cheat findet sich auf einer einzelnen DVD (2014) in der Universal Vault Series, ebenfalls RC 1, ohne jegliche Extras.

 


 

Pre Noir | 1931 | USA | George Abbott | Edward Keane | Millard Mitchell | Porter Hall | Robert Strange

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