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Bewertung
***
Originaltitel
The Organization
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1971
Darsteller

Sidney Poitier, Barbara McNair, Gerald S. O’Loughlin, Sheree North, Fred Beir

Regie
Don Medford
Farbe
Farbe
Laufzeit
106 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

San Francisco, Kalifornien: Es ist zwei Uhr nachts, als Charlie Blossom (Demond Wilson) das ihm direkt gegenüberliegende Tor der Möbelfabrik Century Furniture beobachtet. Er prüft, ob niemand auf der Straße zu sehen ist; dann ergreift er eine lange Holzstange und setzt via Stabhochsprung über das verschlossene Tor. Der Nachtwächter George Morgan (Charles H. Gray) hört in seiner Portiersloge Blossom auf dem Asphalt aufsetzen und tritt aus der Tür. Er ist nicht weit gekommen, da wird er hinterrücks niedergeschlagen und mit Handschellen festgekettet. Blossom schnappt sich das Schlüsselbund des Wachmanns und macht sich auf den Weg ins Innere des Gebäudes. Indessen beobachtet Annie Sekido (Lani Miyazaki) aus einem Hauseinang, wie ein schwerer Transporter mit Joe Peralez (Ron O’Neal) und Stacy Baker (Larry A. Watson jr.) im Führerhaus heranfährt. In Richtung der Toreinfahrt nähert sich ein Kranwagen mit Juan Mendoza (Raul Julia) und Reverend Dave Thomas (Billy Green Bush). Zwischen ihnen sitzt John Bishop (Johnny Haymer), geschäftsführender Direktor bei Century Furniture, die Augen verbunden und den Mund mit Klebeband verschlossen. Ebenso wie Charlie Blossom maskieren sich die Ankömmlinge mit transparenten Plastikmasken, bevor Peralez und Baker mit portablen Bauschranken samt Blinkleuchten die Straße beidseitig absperren. Schließlich fährt Mendoza von der Laderampe den Kran aus; langsam schiebt sich die Leiter in Richtung eines Fensters im fünften Stockwerk…

 

Die Organisation erzählt die dritte und letzte Filmgeschichte um den Police Lieutenant Virgil Tibbs, eine Figur basierend auf John Balls Roman-Serie mit ihm, dessen erster unterm Titel In der Hitze der Nacht (EA 1965) mit dem Edgar Award bedacht wurde und dessen Verfilmung unter der Regie Norman Jewisons 1967 mit fünf Oscars ausgezeichnet und zu einem weltweiten Überraschungserfolg wurde. Die Hauptrolle spielte der während der 60er Jahre einzige afro-amerikanische Hollywoodstar von Weltrang, Sidney Poitier. Drei Jahre später schlüpfte er für Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs (USA 1970) erneut in die Rolle des nun in San Francisco ansässigen Polizisten. Letzterer beruhte weder auf einem Roman John Balls noch war hinter oder vor der Kamera jemand aus der Crew von Jewisons Meisterwerk beteiligt - mit Ausnahme von Quincy Jones, der erneut die musikalische Begleitung beisteuerte. Lange Rede, kurzer Sinn: Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs ist ein unglaublich fader Thriller, der in keiner Weise den Rassismus im allgemeinen und im Polizeidienst im besonderen, jenes zentrale Thema aus In der Hitze der Nacht (USA 1967), wieder aufgriff, sondern sich als weißer Film mit schwarzem Hauptdarsteller präsentierte. Nun weist Die Organisation mit James R. Webb zwar den gleichen Drehbuchautor wie der Virgil-Tibbs-Film des Vorjahres auf und mit Barbara McNair und den Kinderdarstellern, die die Familie Tibbs bilden, sind zusätzlich Elemente einer Film-Serie vertreten. Dennoch ist Die Organisation ein weit besserer Film – die Kriminalhandlung, die oftmals schillernden Nebenfiguren und deren kompetente Darsteller sowie die herausragende Leistung vom erfahrenen Kameramann Joseph F. Biroc (Johnny Allegro, USA 1949) an exquisiten Drehorten in San Francisco lassen der ansonsten zeittypischen Produktion einige Qualitäten zukommen. Um Rassismus oder ethnische Fragestellungen geht es auch hier nicht. Im Fokus stehen Drogenhandel und das organisierte Verbrechen, jene bis in Spitzen von Politik und Wirtschaft vernetzten und nach außen mit makellos weißer Weste operierenden Gangster mit je einem Millionen-Vermögen.

 

In seinem Kampf gegen eine vorzüglich getarnte und mit allen Tricks der Finanzbranche operierende namenlose Organisation in der Schattenzone des Drogenhandels kann Lt. Virgil Tibbs bald niemandem mehr vertrauen. Er ist auf die Hilfe einer Art Bürgerwehr angewiesen, die dem Kartell ihrerseits mit illegalen Methoden zusetzen will und dafür bald Blutgeld zahlen muss. Webbs Drehbuch schielt in Richtung von Neo Noirs à la John Boormans Point Blank – Keiner darf überleben (USA 1967) und Peter Yaters‘ Bullitt (USA 1968), darin die Paranoia der allseits und allezeit verschworenen, gesichtslosen Gegner Einzug hielt, eine Alptraum-Welt ohne sichere Anhaltspunkte, darin der nächste Schritt in den Abgrund führen mag. Auch Tibbs weiß, dass die Korruption bis in die Büros der Polizedienststellen ihren Weg findet, und so lauert der Feind nicht bloß draußen auf den Straßen, sondern lauscht womöglich an der Tür… An die genannten Vorläufer kommt Medfords Film jedoch nicht heran, auch nicht an William Friedkins im gleichen Jahr gedrehten French Connection / Brennpunkt Brooklyn (USA 1971), der seine Polizeibeamten ähnlich allein und im Stich lässt. Dafür gerät Tibbs, der schließlich sogar seine Dienstmarke einhändigen muss, nicht genug unter Druck, obgleich die Schlusssqequenz nochmals einen starken Akzent setzt. Alles in allem ein passabler Thriller seiner Zeit, nicht weit überm Mittelmaß, aber deutlich besser als der zweite und schwächste Film um Lt. Virgil Tibbs. International war Die Organisation ein Flop, so dass es danach zu keiner Fortsetzung kam.

 

Es gibt eine US-amerikanische BD (2015, Regionalcode 1) von Kino Lorber in deren Reihe Studio Classics mit dem Film bild- und tontechnisch restauriert und ungekürzt im Originalformat, dazu die original englische Tonspur ohne Untertitel und die Kinotrailer zu allen drei Virgil-Tibbs-Filmen als Extra. In Europa gibt es mehrere DVD-Editionen (2004) von Die Organisation und zwar jeweils von MGM Home Entertainment mit dem Film ungekürzt und im korrekten Bildformat, dazu die englische Tonspur und jeweils Synchronisationen auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch, ebenso Untertitel auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch, Portugiesisch und Ungarisch sowie den Kinotrailer als einzigen Bonus.

 


Neo Noir | 1971 | USA | Don Medford | Joseph F. Biroc | John Alvin | Ron O'Neal | Sidney Poitier | Sheree North

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