Nobels Testamente

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Bewertung
***
Originaltitel
Nobels Testamente
Kategorie
Neo Noir
Land
SWE
Erscheinungsjahr
2012
Darsteller

Malin Crépin, Björn Kjellman, Leif Andrée, Kajsa Ernst, Erik Johansson

Regie
Peter Flinth
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
89 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Stockholm, Schweden, am 10. Dezember: Am Vorabend der Verleihung des Nobelpreises findet im Rathaus ein Bankett zu Ehren der Preisträger statt, an dem auch die Königsfamilie und die Komissionen für die Vergabe der Einzelpreise teilnehmen. Unter den Sprechern findet sich auch der Preisträger für Medizin, der israelische Professor Aaron Wiesel (Jackie Jakubowski), ein Experte für Stammzellenforschung und folglich umstritten. Seine Rede wird von Mitgliedern der Vergabekommission, unter ihnen Ernst Ericsson (Björn Granath) und die Vorsitzende Caroline von Behring (Anna von Rosen), unterschiedlich aufgenommen. Die Journalistin Annika Bengtzon (Malin Crépin) ist für ihre Tageszeitung Kvällspressen vor Ort und macht sich Notizen. Schon ist sie an der Garderobe und will das Fest verlassen, als sie ein Anruf der Redaktion erreicht. Sie soll vom Ball auch Fotos liefern. So geht sie in den Saal zurück, wo Aaron Wiesel eben mit Caroline von Behring tanzt. Als sie sich einen Überblick verschafft, wird sie von Dr. Bernhard Thorell (Per Graffman) angesprochen und zum Tanz aufgefordert. Nach einigem Zögern willigt Annika Bengtzon ein… Indessen verlässt der als ein Saalordner uniformierte Promovend Johan Isaksson (Karl Linnertorp) seinen Posten am Eingang, und draußen in der Kälte drückt eine junge Frau (Antje Traue) in einem goldenen Pailettenkleid ihre Zigarette aus, bevor eine SMS sie informiert, dass Wiesel und von Behring nahe der Bühne tanzen. Sie macht sich auf den Weg in den Saal…

 

Gute Darsteller, solide Dramaturgie, ausgesuchte Drehorte – die Verfilmung des gleichnamigen Romans (EA 2006) der schwedischen Kriminalschriftstellerin Liza Marklund ist ein Werk der schwedischen Film- und Fernsehproduktionsfirma Yellow Bird, die auch für die Verfilmung von Stieg Larssons Millenium-Trilogie (SWE/DNK/GER/NOR 2009) verantwortlich zeichnete. Der Journalist als privater Ermittler ist durch die Figur des investigativen Journalisten Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) auch dort von zentraler Bedeutung und hat im Film Noir und Neo Noir ohnehin Tradition – von Dan Duryea als Mike Reese in Cyril Endfields Der Gangsterboss von Rocket-City (USA 1950) über Warren Beatty als Joseph Frady in Alan J. Pakulas Zeuge einer Verschwörung (USA 1974) bis hin zu Russell Crowe als Cal McAffrey in Kevin McDonalds State Of Play - Stand Der Dinge (USA/UK/FRA 2009). In Peter Flinths Nobels Testamente, der in Deutschland nie im Kino lief, stellt die Journalistin Annika Bengtzon fest, dass die Dinge nicht so liegen, wie sich das flugs zu fügen scheint. Nach dem Attentat auf den schwerverletzten Professor Wiesel aus Israel, bei dem dessen Tanzpartnerin Caroline von Behring zu Tode kam, bekennt sich eine deutsche Terrorgruppe zu der Tat. Aber der naheliegende politische Hintergrund erscheint Annika Bengtzon, Augenzeugin des Mordes, bei näherer Betrachtung fadenscheinig… Das ist der Treibstoff, aus dem die Filmhandlung ihre Spannung zieht, denn natürlich will die Polizei sie an der Preisgabe von Informationen hindern, indessen ihre Kollegen Bengtzons Ideen anfangs für Spinnereien halten, bis sie die treibende Kraft hinter dem Attentat beim Bankett auf den Plan rufen.

 

Leider ist das aber nur die Art und Weise, wie jeder solide Kriminalroman in einer Adaption durch den Kinofilm zu bestehen sucht und das seit Beginn der Filmgeschichte. In Nobels Testamente wird jedem nur halbwegs aufmerksamen Zuschauer noch vor dem Finale klar, wie wackelig die Handlungslogik selbst und wie unnötig riskant die Inszenierung des Attentats und auch weiterer Morde daherkommt. Ein Mord vor den Augen der Weltöffentlichkeit, indessen jener Wissenschaftler, dem das Attentat gegolten haben soll, am Leben bleibt? Eine Auftragsmörderin, die sich mit einem Trick Zugang zum Ballsaal verschafft, der ganz davon abhängt, dass kein Polizeibeamter der Wachmannschaft ihre Einladung sehen möchte? Eine Videoaufzeichnung in einer Cloud, die eine Erpressung und einen Mord aufklären hilft, aber mit einem Passwort geschützt ist, dass Annika Bengtzon intuitiv errät? Je mehr einer im Rückblick über den Film, der allemal unterhaltsam und oberflächlich solide ist, nachzudenken beginnt, desto offensichtlicher treten dessen Schwächen und Brüche zutage. Fazit: Mit dem Erfolg des Nordic Noir in Film und Fernsehen und mit dem der Millenium-Trilogie versprach die Verfilmung der Romane Liza Marklunds ein nächstes Erfolgsrezept. Doch ist dieser erste der insgesamt 6 mit Malin Crépin besetzten Annika- Bengtzon-Filme ein eher flacher und am Ende durchschnittlicher skandinavischer Thriller.

 

Unter dem Titel Ein Fall für Annika Bengtzon: Nobels Testament gibt es in der Schweiz eine gute DVD (2014) der Frenetic Films AG mit dem Werk ungekürzt und im original Bildformat, allerdings ohne die original schwedische Tonspur, stattdessen nur mit Synchronisationen auf Deutsch oder auf Französisch, das Ganze bild- und tontechnisch topp, ohne Untertitel und ohne Extras.

 


Neo Noir | 2012 | International | Peter Flinth | Björn Granath

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