Skorpion, Der

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Bewertung
**
Originaltitel
Der Skorpion
Kategorie
Neo Noir
Land
GER
Erscheinungsjahr
1997
Darsteller

Heiner Lauterbach, Marek Harloff, Birge Schade, Renate Krößner, Petra Kleinert

Regie
Dominik Graf
Farbe
Farbe
Laufzeit
100 min
Bildformat
Widescreen

 


 

 Der Skorpion-Poster-web1.jpg Der Skorpion-Poster-web2.jpg Der Skorpion-Poster-web4.jpg Der Skorpion-Poster-web3.jpg

 

München, Bayern: In seinem hübsch eingerichteten Apartment hört Josef Bertholt (Heiner Lauterbach), ein leitender Polizeioffizier der Drogenfahndung, am Kaminfeuer per Kophörer Richard Wagner, indessen seine Ehefrau Lili (Renate Krößner) Englisch lernt. Da klingelt das Telefon und Bertholt wird zu einem einem Einsatzort gerufen und zwar zu dem Gymnasium, an dem ihr Sohn Robin (Marek Harloff) heute Abend die eigene Abiturfeier besucht. Eine junge Frau, womöglich unter Drogeneinfluss, sei auf der Toilette bewusstlos aufgefunden worden… In der Schule geht es indessen hoch her. Zum Technobeat wandert eine Polonaise der kostümierten Partygäste über die Gänge. Zwischen Robin und seinem Freund Barney (Martin Gruber) tanzt die Rumänin Daria (Birge Schade), der Robin zuruft, dass in solch einer reinen Jungenschule sogar die Abiturienten nur daran denken Mädchen flachzulegen, was Daria aber nicht sonderlich anstößig findet. Als Josef Bertolt eintrifft, sind sein Kollege Arno Jürging (Ulrich Noethen) und mehrere uniformierte Beamte bereits vor Ort. Die Bewusstlose wird von Rettungssanitätern auf eine Bahre gehoben, während ein junger Mann mit Hut (Oliver Stokowski) das Geschehen kommentiert und Anweisungen gibt. Als Bertholt stutzig wird und Jürging fragt, wer das sei, gibt der Unbekannte Fersengeld und flieht. Zugleich erinnert sich Bertholt daran, dass es sich bei dem Mann um einen Informanten und einschlägig bekannten Dealer handelt, und die Beamten setzen ihm nach…

 

“Der Skorpion, das ist eine Noir-Fantasie, die den archetypischen Konflikt zwischen Vater und Sohn abhandelt mit den Mitteln des subversiven Polizeifilms“, schlussfolgern Nobert Grob und Ivo Ritzer in dem von Grob herausgegeben Buch Filmgenres - Film Noir (EA 2008). Dessen Regisseur Dominik Graf ist einer der auch international anerkanntesten deutschen Film- und Fernsehregisseure. Er ist ein Pionier des bundesdeutschen Thrillerkinos und zeigte sich insbesondere vom internationalen Film Noir und vom französischen Kriminalfilm der 70er Jahre bereinflusst. So wie Samuel Fuller (Polizei greift ein / Lange Finger – Harte Fäuste, USA 1953) lieferte Graf weder fürs Kino noch fürs Fernsehen jemals einen aalglatten Blockbuster, denn sowohl das Kalkül maximaler Publikumswirksamkeit als auch die Anbiederung an den Kanon der Mainstream-Unterhaltung sind Graf seit jeher verhasst. Abseits von all den Kleingeistern in Amt und Würden, die die bundesdeutsche Film- und Fernsehproduktion über Jahrzehnte fest im Griff haben, behauptet sich Graf seit seinem Kinoerfolg Die Katze (GER 1988) stets als provokant und eigensinnig. Nach dem überraschenden Flop seines Thrillers Die Sieger (GER 1994), der seinerzeit in einer gekürzten Fassung ins Kino kam, - erst seit 2019 liegt ein um 15 Minuten längerer Director’s Cut vor - drehte Graf acht Jahre lang ausschließlich fürs Fernsehen. Der Skorpion war im Anschluss sein erster Thriller und doch ist das obige Zitat von Grob und Ritzer für mich nur Wunschdenken. Denn der Film, optisch von Grafs Leidenschaft und Stilbewusstsein geprägt, krankt an seinen Dialogen und an seiner Handlungslogik, vor allem aber an Schauspielern, die ihn letztlich ruinieren.

 

Heiner Lauterbach und Renate Krößner sind absolut mismatched und Graf dringt nie zum Kern ihrer Beziehung vor, die Probleme zwischen Vater und Sohn sind klischeehaft und bleiben als bloße Behauptung stehen“, schreibt Oliver Nöding in seinem Blog Remember It For Later in einer sonst über weite Strecken wohlwollenden Besprechung des Films. Das heißt im Klartext: die Familie im Zentrum dieser Erzählung zeigt weder im Ganzen noch in ihren Einzelbeziehungen die mindeste Chemie, was aber nicht die fiktionale Familie sondern das Unvermögen oder den Unwillen einzelner Darsteller beschreibt. Am schlimmsten ist Marek Harloff in der Rolle Robin Bertholds, dessen Over-Acting ans Laienhafte grenzt und der in einzelnen Szenen grotesk fehlbesetzt wirkt, dergestalt bemüht und missglückt ist seine Verkörperung des durch Drogenrausch, Sinnsuche und Liebestaumel entgrenzten Halbwüchsigen. Aber auch die Erzählung selbst und ihre Entwicklung sind zu sehr ihren internationalen Vorbildern geschuldet. Bei all dem mit der Brechstange herbeitzitierten Willen, die Grenzen zwischen Gut und Böse zu verwischen, sind Finale und Schlusspunkt schnell zu erahnen. Weder Drogenfahnder Josef Bertholt, der zwischen verständnisvollem Softie und hartem Möchtegern-Cop profillos hin und her schlingert, noch der in seiner Selbstüberhöhung maßlos pathetische Robin haben mich zuletzt noch interessiert. Fazit: Stilistisch eigenwilliger, dramaturgisch kompetenter, doch seitens des Drehbuchs von Günter Schütter und durch seine Darsteller in den Teich gesetzter Neo Noir als Fernsehproduktion, der am Ende nicht ansatzweise ist, was er gerne wäre.

 

Es gibt eine bild und tontechnische gute DVD-Edition (2008) der Süddeutsche Zeitung GmbH in Kooperation mit der Studio Hamburg Distribution & Marketing GmbH und zwar in deren SZ-Cinemathek Thriller, die damals insgesamt 15 deutschsprachige Filme päsentierte. Ungekürzt und im Originalformat mit der deutschen Tonspur und ohne Untertitel ist diese Ausgabe im mehrfach klappbaren Digipack mit Filmessay von Christopher Keil technisch einwandfrei.

 


Neo Noir | 1997 | International | Dominik Graf | Filip Peeters

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