One Way Street

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Bewertung
***
Originaltitel
One Way Street
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1950
Darsteller

James Mason, Märta Torén, Dan Duryea, Basil Ruysdael, William Conrad

Regie
Hugo Fregonese
Farbe
s/w
Laufzeit
79 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Universal-International Pictures Inc.

Los Angeles, Kalifornien: Die hübsche Laura Thorsen steht rauchend am offenen Fenster und lauscht den Sirenen der Polizeiwagen, die durch die Straßen der Stadt jagen. Dann wendet sie sich um und geht zu Johnny Wheeler (Dan Duryea) und dessen Kumpanen Ollie (William Conrad) und Grieder (King Donovan), die seelenruhig eine Partie Poker spielen. Nach einem Raubüberfall sind Die drei Gangster im Besitz von 200.000 US-Dollar, die in einer Tasche neben ihnen auf die Verteilung warten. Die Polizei jagt ihre Mittäter Tony und Arnie (Jack Elam), auf deren Rückkehr Wheeler jetzt wartet. Ollie hat eine Kugel im Arm und muss ärztlich versorgt werden, und Wheeler schickt seine Geliebte Laura hinaus, um den in einem Nachbarzimmer ruhenden Doktor Frank Matson (James Mason) herbei zu zitieren. Sie tut, wie ihr geheißen, und weist Dr. Matson darauf hin, die Tabletten für Wheelers Kopfschmerzenn nicht zu vergessen. Lauras Blicke ruhen auf jeder seiner Bewegungen, und als der Mediziner das Zimmer verlassen will, stellt er fest, dass sie einen ihrer Ohrringe verlieren wird und er steckt das Verschlussstück wieder fest. Dabei nähert Laura sich ihm, als erwarte sie, von ihm geküsst zu werden, doch Matson fragt sie, ob sie wolle, dass er erschossen würde und verlässt mit ihr zusammen das Zimmer. Bei Ollies Behandlung flucht jener vor Schmerz, was Wheeler aggressiv kommentiert, der seinerseits eine Tablette schluckt. Indessen nähert sich Matson der Tasche mit dem geraubten Bargeld…

 

“The beginning, with a rapid setup, is great. Then the escape to Mexico, which quickly losses story potential, bogs down the rest of the movie“, schreibt Andrew Wickliffe für The Stop Button und beschreibt in dieser komprimierten Form bereits das zentrale Problem des Films. Im Grunde dürfte mit so einer Besetzung nichts schiefgehen, doch der erste Spielfilm des Argentiniers Hugo Fregonese, der sich fortan auf Mantel-und-Dregen-Filme und Western fokussierte und später auch in Italien, England und in Deutschland tätig war, bietet seinen Zuschauern einen überzuckerten Mittelteil in einem mexikasnischen Dorf, der schlicht langweilig ist. Nachdem Frank Matson und Laura Thorsen auf ihrer Flucht nach Mexiko-Stadt notlanden mussten, entdeckt Matson im einfachen Leben in jenem Wüstendorf seine wahre Bestimmung als Mediziner und mit Laura erneut auch die Liebe. Das ist solide gespielt und dramaturgisch halbwegs kompetent umgesetzt, bietet als Nebenstrang der Hauothandlung um Johnny Wheeler und seine Bemühungen, Laura und Frank ausfindig zu machen und das Geld aus dem Raubüberfall zurückzuerhalten, keinerlei Entwicklung. Aber auch die zentralen Protagionisten werden in dem auf fast 40 Minuten ausgewalzten, also fast die Hälfte der Filmhandlung einnemenden Mittelteil der Erzählung, nicht wirklich greifbar. Von Matson erfahren wir in einigen kargen Sätzen, dass er einst eine Frau hatte und sie starb. Warum er sich als Arzt mit Verbrechern einließ und auf diese Weise Laura kennenlernte, bleibt völlig unklar. Letztere wurde offenbar von Wheeler großgezogen, seit sie 14 Jahre alt war, nachdem ihr Vater, ein Einwanderer, in Diensten Wheelers vorzeitig den Tod fand. Aber Lawrence Kimble, der Autor der dem Film zugrundeliegenden Kurzgeschichte und des Drehbuchs, lässt es dabei bewenden. Die zentralen Figuren wirken in ihren Taten daher so inkonsistenz wie die drei Teile des Films. Vom ihrem Raub aus Habgier zu Altruismus und Romantik und schließlich wieder zurück nach Los Angeles fehlt der rote Faden. Auch die Idee, Johnny Wheeler das Geld kleinlaut zurückzugeben und sich damit das Ticket in ein glückliches Leben in Mexiko auf dem Lande zu sichern, ist einfach nur grotesk und nicht ansatzweise glaubwürdig.

 

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© Universal-International Pictures Inc.

Einige der zentralen Motive der Handlung erinneren an vorhergegangene Film Noirs, so etwa die hoffnungslose Romanze in Mexiko, die One Way Street mit Goldenes Gift (USA 1947) teilt. Auch in Don Siegels Die rote Schlinge (USA 1949) geht es um Hatz nach geraubtem Geld, die quer durch Mexiko führt, und der zeitgleich mit Fregoneses Film Noir erschienene The Capture (USA 1950) mit Lew Ayres und Teresa Wright beschreibt die Läuterung einer von Schud zerfressenen und von romantischer Neigung getriebenen Seele unter der Obhut eines Padres in der Wüste Mexikos. Ist das Finale auch pointiert, da es William Conrad die Gelegenheit gibt, seinen Gangster Ollie nochmals zuzuschärfen, ist der Schluss, der viele Zuschauer enttäuscht und fast verärgert, nach meiner Einschätzung zwar nicht vollends missglückt, zugleich aber auch beliebig. Fazit: One Way Street ist solide Unterhaltung, die man mitnehmen oder außen vor lassen kann. Ein gelungener Film Noir ist er trotz seiner erstklassigen Besetzung leider nicht.

 

Im Jahr 2014 wurde auf dem Film Festival NOIR CITY in San Francisco der inzwischen obskure One Way Street auf der Leinwand gezeigt; eine BD oder auch DVD gibt es bis dato weltweit nicht.

 


Film Noir | 1950 | USA | Hugo Fregonese | Dan Duryea | Jack Elam | James Mason | King Donovan | Rock Hudson | Rodolfo Acosta | William Conrad | Märta Torén

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