Mystery Road – Series 1

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Bewertung
*****
Originaltitel
Mystery Road – Series 1
Kategorie
Neo Noir
Land
AUS
Erscheinungsjahr
2018
Darsteller

Aaron Pedersen, Judy Davis, Deborah Mailman, Wayne Blair, Colin Friels

Regie
Rachel Perkins
Farbe
Farbe
Laufzeit
324 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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In den Outbacks außerhalb einer Kleinstadt im Nordwesten Australiens wird Marley Thompson (Aaron L. McGrath), ein Mitarbeiter der Ballantyne Station, jener gewaltigen Rinderfarm im Besitz Tony Ballantynes (Colin Friels), als vermisst gemeldet, nachdem inmitten der Einöde ohne Benzin und mit offenen Türen sein Wagen gefunden wurde. Die Chefin der örtlichen Polizei, Senior Sergeant Emma James (Judy Davis), fordert zur Unterstützung einen erfahrenen Detective aus der Hauptstadt Perth, und der dem Fall zugeteilte Jay Swan (Aaron Pedersen) trifft am Fundort, wo der Pick-Up-Truck stets in der Wüste steht, auf Constable Ryan Muller (Anthony Hayes). Letzterer hat wenig mitzuteilen, beteuert aber, dass niemand an dem Auto das Geringste verändert habe. Schließlich kommt auch Sergeant Emma James hinzu, die in der Polzeistation auf ihn wartete und sich sogleich darüber beklagt, dass Swan ihre Zeit vergeudet habe. Der wortkarge Neuling zeigt sich wenig beeindruckt, findet in der Nähe des Autos jedoch eine Halskette und ist gleichermaßen überzeugt, dass Marley Thompson sein Fahrzeug nicht freiwillig an Ort und Stelle zurückließ… Auf der Farm von Tony Ballantyne erfährt Swan, dass die Gelegenheitsarbeiter Genevieve Leclaire (Jessica Falkholt) und Eric Hoffman (Benjamon Hoetjes) auf ihrem Quad Bike den verwaisten Wagen fanden. Als Jay Swan die beiden nach den Umständen ihrer Entdeckung und im Anschluss wegen Thompsons Halskette befragt, wird die Atmosphäre schnell frostig…

 

“Neo-noirs tend to begrudge the decline of old fashioned values and morality, but in both Mystery Road and True Detective, those values are a mask covering up sinister truths“, schreibt Blake Howard über die von Rachel Perkins inszenierte TV-Serie für das australische Webportal Junkee unterm Titel ‘Mystery Road’ Is Australia’s Answer To ‘True Detective’. Howard diagnostiziert damit einen zentralen und hoch relevanten Aspekt des über fünfstündigen, epischen Dramas, das in der Übernahme des Rollencharakters Detective Jay Swan aus Ivan Sens Kinoproduktionen Mystery Road (AUS 2013) und Goldstone (AUS 2016) entstand und für eine Fortsetzung der beliebten Neo Noirs in den Weiten der Outbacks sorgt. Solcher Aspekt ist das Zusammenleben der Aborigenes und der weißen Bevölkerung in Städten und Kommunen Australiens, ihre gemeinsame Geschichte und deren Auswirkungen auf das Hier und Heute. Jay Swan ist selbst ein Aborigene, aber als Polizeibeamter zugleich auf Seiten derer, die den Staat und seine Organe repräsentieren, auf Seiten der Herrschenden, die in der Regel weiß und oft Rassisten sind. Letzteres hat Sen in seinen Filmen ebenso explizit wie subtil zum Tragen gebracht, und es grenzt an ein Wunder, wie das Autorenteam der Serie im Vertrieb der Australian Broadcasting Corporation (ABC) diesen Strang nicht bloß aufnimmt und fortsetzt, sondern mit Zugriff auf das extensive Serienformat zur Perfektion fortentwickelt. In einem über Genre-Konventionen hinaus hochwertigen Kriminalfilm ist die Suche nach einem Täter bestenfalls ein Mittel zum Zweck, dank dessen die schöpferischen Kräfte vor und hinter der Kamera ihren Kunstraum mit Ereignissen, Schauplätzen und Figuren bevölkern, die nie und nimmer sind, was sie dem Anschein nach zu sein vorgeben. Mystery Road trägt solchen Aspekt klassischen und zeitgenössischen Film Noirs quasi schon im eigenen Titel. Wen vor allem das Fremde im Alltäglichen bei der Stange hält, wird mit der an Wendungen und Enthüllungen reichen Erzählung dieser TV-Serie bestens bedient. Was es hier nicht gibt, ist Gut versus Böse. Genau daraus zieht Mystery Road auch im Fernsehforemat sein Potential.

 

“You talk about the truth, but you don’t like hearing it.“ Es gilt für alle und für jeden in dieser Geschichte. Die Wahrheit bringt jeder Figur auf dem Spielbrett den Schmerz und die Bitterkeit der Erkenntnis und damit des Erkennens ihrer selbst. Deshalb stimmt auch die Analogie, die Blake Howard schon im Titel seiner Rezension zum Besten gibt und mit Verweis auf die Traditionen des Neo Noirs fortführt: Die Ermittler enthüllen keine Kette von Tatsachen, die fern von ihnen Andere betrifft. Sie gestalten selbst jene Welt, darin sich vollzieht, was Teil ihrer eigenen Geschichte wird. Hätten die Autoren und die Regisseurin kein Bewusstsein dessen, wäre die erste Staffel von Mystery Road nicht, was sie ist, nämlich ein fulminant komponiertes und komplexes Drama, das die Latte für alles Kommende hoch ansetzt. Aaron Pedersen und Judy Davis sind fantastisch, aber auch eine junge Generation von Darstellern, durch Tasia Zalar, Madeleine Madden und Aaron L. McGrath vertreten, beweist Charisma und Gespür für die jeweilige Rolle. Dass der australische Neo Noir in Film und Fernsehen sich seit Jahren im Aufwind befindet, wird in Deutschland bis dato kaum registriert. Für Freunde des Filmstils ist die TV-Serie Mystery Road nach meiner Einschätzung allerorten ein Muss.

 

Erstklassige englische 2-BD- und 2-DVD-Editionen (2019) mit allen 6 Folgen der TV-Serie ungekürzt im Originalformat, dazu die original englische Tonspur mit optional englischen Untertiteln, als Extras diverse Interviews (52 Minuten Spielzeit) mit den Darstellern Judy Davis und Aaron Pedersen sowie der Regisseurin Rachel Perkins und diversen Produzenten. Es gibt auch eine australische 2-DVD-Ausgabe (2018, RC 4) der Australian Broadcasting Corporation (ABC), die technisch das Gleiche bietet, allerdings keinerlei Extras beinhaltet.

 


Neo Noir | 2018 | International | Rachel Perkins | Aaron Pedersen | Anthony Hayes | Colin Friels | Deborah Mailman | Judy Davis

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