Opium



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Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
**
Originaltitel
To The Ends Of The Earth
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1948
Darsteller

Dick Powell, Signe Hasso, Maylia, Ludwig Donath, Vladimir Sokoloff

Regie
Robert Stevenson
Farbe
s/w
Laufzeit
109 min
Bildformat
Vollbild

 


 

© Columbia Pictures Corporation

 

Commissioner Michael Barrows (Dick Powell) arbeitet für das Federal Bureau Of Narcotics und ist dessen Leiter Harry J. Anslinger unterstellt, der 1935 auf Long Island im Bundesstaat New York mit Diplomaten aus aller Welt eine Vereinbarung unterzeichnete, um den Kampf gegen den internationalen Rauschgifthandel zu koordinieren. Im gleichen Jahr übernahm Barrows die Dependance in San Francisco, wo von Peru kommend vor der kalifornischen Küste ein Frachter gesichtet wurde, wie ihm sein Assistent Harry Hardt (Harlan Warde) dank eines Telegramms von Anslinger persönlich mitgeteilt hatte. Der Frachter fuhr ohne Beflaggung, und es könnte sich um ein japanisches Opium-Schiff handeln... Mit der Küstenwache sticht Michael Barrows in See, und tatsächlich spüren sie das Schiff auf. Leider entwischt es in der Dämmerung aus der 12-Meilen-Zone. Als sie es trotzdem verfolgen, muss Barrows via Fernglas mitansehen, wie der Kapitän etwa einhundert chinesische Zwangsarbeiter, an eine Ankerkette gefesselt, im offenen Meer ertränkt. Als sie zu dem Frachter aufschließen, prägt sich Barrows das Gesicht des Kapitäns auf der Brücke gut ein, bevor die US-Beamten einen Schwimmreifen aus den Wellen fischen, der jenen als Kira Maru aus Shanghai, China, ausweist. Am nächsten Tag reist Barrows persönlich nach Shanghai, wo er den japanischen Behörden, welche die Stadt kontrollieren, den Fall zur Anzeige bringt. In einem Schauprozess wird der abwesende Angeklagte zu 30 Tagen Haft verurteilt, und Barrows sieht sich abgefertigt…

 

Was bitte schätzen US-Amerikaner bis heute an einem Film, der im Rekurs auf seine Gewaltdarstellungen vielleicht die Zensur des Jahres 1948 außer Kraft zu setzen wusste, aber einzig, weil er sich in die Riege bis ins Mark patriotischer und linientreuer Propagandafilme der Zeit einreihte? Opium, in den USA stets hoch bewertet, ist eine Produktion aus den Tagen der Dämmerung der McCarthy-Ära und glorifiziert die Arbeit des US Department Of Treasury im Kampf gegen den Drogenhandel. Im Mittelpunkt steht Michael Barrows vom Federal Bureau Of Narcotics in der Darstellung durch Dick Powell – ruppig und herablassend, wie es für den Schauspieler in vielen seiner Rollen im Film Noir typisch war. Powells Figuren waren und sind mir mit Ausnahme derjenigen des Privatdetektivs Philip Marlowe in Edward Dmytryks Murder, My Sweet (USA 1944) immer unsympathisch. Bei seiner Ankunft in Shanghai, China, behandelt Barrows den dortigen Kollegen Lum Chin Chow (Vladimir Sokoloff), der sich um eine Kooperation mit ihm bemüht, wie einen Bittsteller. Der Witwe eines US-amerikanischen Ingenieurs namens Ann Grant (Signe Hasso), die Barrows kaum kennt, drückt er in beleidigender Weise sein Unverständnis darüber aus, dass sie nach dem Tod ihres Gatten nicht in ihre Heimat, in die USA, zurückzukehre. Was für ein Mistkerl! Signe Hassos Rolle ist geradewegs substanzlos, und all die internationalen Beamten, die mit Barrows in China, Ägypten, im Libanon und auf Kuba kooperieren sind bloß Statisten, die dem US-Amerikaner widerspruchslos Folge leisten. Dass in Opium internationale Darsteller zum Zug kamen, solche mit schwedischen, russischen, österreichischen oder französischen Wurzeln, ist erfreulich. Aber die aus den USA stammende Maylia (Chinatown At Midnight, USA 1949), mit bürgerlichem Namen Gloria Fong, ist die einzige, die schauspielerisches Talent und Engagement erkennen lässt. In gewissem Sinne ist Opium mit seinen internationalen Schauplätzen, die alle im Studio in Hollywood, Kalifornien, simuliert werden, etwas wie ein Vorläufer der britischen James-Bond-Thriller. Zugleich ist er eine banale Kopie des Film Noirs, vergleichbar mit Henry Hathaways Das Haus in der 92. Straße (USA 1945), Anthony Manns Geheimagent T (USA 1947) und William Keighleys Straße ohne Namen (USA 1948), die ebenso rein propagandistischen Zwecken dienten. Nur ist Opium deutlich langatmiger und damit nochmals langweiliger als die genannten. Wie das?

 

© Columbia Pictures Corporation

 

Der Film erzählt seine Geschichte nicht, er erklärt sie. Ständig kommentiert der Erzähler aus dem Off, was auf der Leinwand passiert und nimmt damit den Bildern ihre Kraft und dem Geschehen jegliche Spannung. Man weiß längst, worauf es hinausläuft, bevor irgendetwas geschieht, und während manche Teile wie im Zeitraffer abgespult werden, schleppen andere sich mühsam dahin. Mit 109 Minuten Laufzeit ist das dröge Drama um einiges zu lang und nur begrenzt ein Film Noir, doch immerhin Kameramann Burnett Guffey (Ein einsamer Ort, USA 1950) beweist sein Können. Der Film Noir und der Drogenhandel fanden in jenen Jahren nur langsam zueinander, mit William Castles Kokain (USA 1949) und László Benedeks Rauschgiftbrigade (USA 1949) als den besseren Alternativen. Dass in Opium nach Abwurf der Atombombe auf Hiroshima durch die US-Amerikaner am 6. August 1945 anti-japanische Ressentiments zum Tragen kommen, ist ein weiterer Tiefpunkt der Produktion. Regisseur Robert Stevenson sollte im Folgejahr mit I Married A Communist / Woman On Pier 13 (USA 1949) die Serie der US-Propagandafilme fortsetzen. Summa summarum erweist sich sein Opium als ein furchtbar angestaubter und dramaturgisch miserabel inszenierter Pseudo-Film Noir, der in keiner Hinsicht zu überzeugen weiß.

 

Eine vergriffene, spanische DVD-Edition (2016) der Nacadih Video in deren Reihe Selección Clásicos de Oro bietet das Werk der Columbia Pictures Corporation ungekürzt im korrekten Bildformat unterm Titel Opio und zwar mit der original englischen und mit wahlweise der spanischen Tonspur, optional spanische Untertitel. Extras gibt es bei der Ausgabe keine. Ansonsten findet man den Film antiquarisch als VHS-Videokassette oder als überteuerte Raubkopien auf DVD oder auch in einigen der einschlägigen Online-Portale.

 


 

Film Noir | 1948 | USA | Robert Stevenson | Burnett Guffey | Dick Powell | Harlan Warde | Ivan Triesault | John Hoyt | Victor Sen Yung | Signe Hasso

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