Qualen der Liebe / Die Rache einer Frau



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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
A Woman's Vengeance
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1948
Darsteller

Charles Boyer, Ann Blyth, Jessica Tandy, Cedric Hardwicke, Mildred Natwick

Regie
Zoltan Korda
Farbe
s/w
Laufzeit
96 min
Bildformat
Vollbild

 


 

© Universal-International Pictures Inc.

 

Inmitten einer idyllischen Landschaft Englands steht im Schein der Sommersonne das hübsche Landhaus von Henry (Charles Boyer) und Emily Maurier (Rachel Kempson). Als der Hausherr am diesem Morgen aus seinem Zimmer in den Salon tritt, sieht er, dass seine invalide, herzkranke Frau auf ihrer fahrbaren Chaiselounge sich in Gesellschaft ihres Bruders Robert Lester (Hugh French) befindet. Sofort misstrauisch geworden, fischt Henry mit geübtem Griff einen Scheck der Berkley Bank of London über 400,- englische Pfund aus dem Faltenwurf von Emilys Kleid, den jene soeben für ihren Bruder ausstellte. Vor den Augen der Geschwister zerreißt er das Dokument, rügt Emily dafür, immer wieder und wieder Roberts Fehlschläge zu finanzieren, und schmeißt den Schmarotzer aus dem Haus. Nachdem Robert auf und davon ist, beklagt sich Emily bitter darüber, dass anstelle ihres ständig abwesenden Ehemanns ihr Bruder zumindest nett und fürsorglich wäre. Weil er Geld von ihr wolle, erwidert Henry, und aus keinem anderen Grund, doch damit gerät Emily endgültig in Rage und wirft Henry vor, dass er sie am liebsten tot sehen wolle. Just als Emilys Krankenschwester Caroline Braddock (Mildred Natwick) in den Raum tritt, stürmt Henry Maurier zornentbrannt hinaus und knallt hinter sich die Tür zu. Zugleich bemerkt Emily, dass Henry in der Aufregung vergaß, das bereitliegende Geburtstagspaket für ihre Nachbarin Janet Spence (Jessica Tandy) mitzunehmen. Sie bittet Miss Braddock ihm nachzugehen und es ihm auszuhändigen…

 

“Shall I tell you the only reason why I’m still alive? Because Henry would be so happy if I died." Hass und Sozialneid, Betrug und Intrige, Erpressung und Mord: hinter der Fassade des britischen Großbürgertums und seiner dank Reichtum garantierten Sorglosigkeit in einem Dasein, das aufs Kinopublikum wie ein endloser Ferienaufenthalt wirken muss, tun sich Abgründe auf. Die US-amerikanische Produktion der Universal-International Pictures beruht auf einem Drehbuch des britischen Schriftstellers Aldous Huxley, solches wiederum auf seiner eigenen Kurzgeschichte The Gioconda Smile (EA 1921, auf Deutsch 1931 als Das Lächeln der Gioconda), die er im Anschluss an den Film zu einem Bühnenstück umschrieb. Britisch waren auch die Schauplätze, waren der Regisseur Zoltan Kordan sowie viele beteiligte Darsteller – Sir Cedric Hardwicke, Jessica Tandy, Rachel Kempson, John Williams, Harry Cording und Hugh French. Hauptdarsteller Charles Boyer war Franzose von Geburt, hatte an der Seite Ingrid Bergmanns in Das Haus der Lady Alquist (USA 1944) aber  bewiesen, dass sein europäisches Flair auch im British Empire zur Geltung kam. Über weite Strecken vergaß ich völlig, dass Qualen der Liebe – ein irreführender bundesdeutscher Verleihtitel, während der Film 1949 in Österreich als Die Rache einer Frau zur Aufführung kam - ein Kriminaldrama aus Hollywood ist. Ich benenne es dezidiert als ein solches, denn das Werk ist beides, sowohl ein Kriminalfilm als auch ein Drama. Emily Maurier stirbt vermeintlich an einem Herzinfarkt, ihre labile Gesundheit legt es nahe, de facto aber wurde sie mit Arsen vergiftet. Henry Maurier, der daraufhin seine bedeutend jüngere Geliebte Doris Mead (Ann Blyth) heiratet, – Charles Boyer war zu der Zeit 48, Ann Blyth 20 (und als Doris nur 18) Jahre alt – wird wegen Mordes angeklagt und zum Tod verurteilt, obgleich Emilys Leibarzt Dr. James Libbard (Cedric Hardwicke) fest davon überzeugt ist, dass Henry nicht der Täter ist. Kann er dessen Hinrichtung noch verhindern?

 

“While as a rich man, a man without a job or a family to support, he can afford to live discontinuously, if you see what I mean, without any purpose but his own tastes and appetites." Faszinierend an diesem gotischen Thriller mit deutlichen Tendenzen in Richtung des Film Noirs ist Aldous Huxleys Drehbuch. Im Grunde ist Henry Maurier kein übler Kerl. Von Anbginn, während seine übellaunige Frau Emily ihn mit Vowürfen und Bösartigkeiten überzieht und er den Schnorrer von Schwager, Robert Lester, der ihn später gar erpressen wird, aus dem Haus werfen muss, gewinnt er unsere Sympathien. Aber… Henry ist zugleich völlig unbekümmert und unterhält ein Liebesverhältnis mit einer 18-jährigen Schönheit - ohne schlechtes Gewissen oder die mindeste Reue. Der an ein vollends sorgenfreies Leben gewöhnte Günstling des Schicksals ist aller Welt wohlgesonnen, aber er kennt keine Moral und nimmt sich, wonach ihm der Sinn steht. Nun, das muss sich rächen. Und die Rächerin steht ihm seit Jahren sehr viel näher, als er je ahnen konnte… Das Hollywood der 40er liebte das Flair der “Old World“ bzw. Großbritanniens und siedelte manche dem Film Noir zuzurechnende Thriller dort an. George Cukors Das Haus der Lady Alquist (USA 1944), Robert Siodmaks Unter Verdacht (USA 1944), John Brahms Scotland Yards seltsamster Fall (USA 1945) oder Douglas Sirks Angelockt (USA 1947) liegen kaum einen Steinwurf entfernt. Und auch Zoltan Kordas Variation eines solchen tiefschwarzen Dramas ist summa summarum empfehlenswert.

 

Neben einer in der US-amerikanischen Vault Series von Universal Pictures als DVD-R (2016) erschienenen, spartanisch ausgestatteten ersten Edition, bild- und tontechnisch hochwertig, aber ohne UT und ohne Extras, gibt es in Europa auch englische, französische und spanische DVD-Ausgaben, die den Film mit der orginalen Tonspur beinhalten. Die qualitativ beste Fassung erschien in den USA in einer von Kino Lorber edititierten Reihe und zwar in der 3-BD-Box Film Noir: The Dark Side of Cinema XI (2022), die den Film ungekürzt und im Originalformat, bild- und tontechnisch perfekt, inklusive englischer Untertitel mit dem Original-Kinotrailer und mit einem Audiokommentar des Professors und Filmwissenschaftlers Jason A. Ney beinhaltet. Diese Version erschien im Jahr darauf auch in der britischen 6-Blu-ray-disc-Box Universal Noir #2 (2023) mit weiteren, hochwertig restaurierten Raritäten aus den Jahren 1945 bis 1949.

 


 

Film Noir | 1948 | USA | Zoltan Kordan | Russell Metty | Cedric Hardwicke | Charles Boyer | Ann Blyth | Mari Aldon

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