Kelly Reily, Ciarán Hinds, Shaun Dingwall, Amanda Lawrence, Celyn Jones
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London, England: Bis in die Nacht sitzt Detective Chief Inspector James Langton (Ciaràn Hinds) vorm Monitor seines Computers und geht die Akten von mehreren Morden an Prostituierten in den letzten acht Jahren durch, die viel gemeinsam haben. In der gleichen Nacht verpasst die 18-jährige Studentin Melissa Stephens (Emma Pollard) aus Islington die letzte U-Bahn und ist zu Fuß unterwegs, bevor sie am darauffolgenden Morgen als vermisst gemeldet wird… Bei mehreren an einer Bahnlinie gelegen Lagerhallen und Schuppen ist eine Absperrung gespannt und Polizisten in Uniform kontrollieren die Zugänge. DCI Charles Hudson (Martin Herdman) lässt sich vorfahren, während auch Detective Constable Anna Travis (Kelly Reily) aus ihrem Wagen steigt und zu ihm läuft, um ihn zu fragen, ob er DCI James Langton sei. Hudson ist konstaniert und würdigt die junge Frau keiner Antwort, als Travis plötzlich Langton mit seiner rechten Hand Detective Inspector Mike Lewis (Shaun Dingwall) in Richtung des Tatorts gehen sieht. Teile ihres Gesprächs, wo es darum geht, dass Langton sich der ehrgeizigen DC Anna Travis‘ nur annehmen werde, weil er ihrem verstorbenen Vater noch einen Gefallen schulde, dringen an ihr Ohr. Mit ihren Pomps ist Anna auf dem unwegsamen Gelände schlecht beraten, und als sie Mike Lewis erreicht, gibt er ihr kühl die Anweisung sich einen Schutzanzug überzuziehen. Als Anna Travis sich über Melissa Stephens‘ Leiche beugt, raubt ihr der Anblick die Sinne. Sie muss sich übergeben…
Mit vier Kriminalfällen nach Romanen der britischen Autorin Lynda La Plante, welche die Londoner Polizeibeamtin Anna Travis in den Mittelpunkt je einer Mordermittlung stellten und die zwischen 2009 und 2012 elf Episoden à 46 Minuten und damit vier Staffeln umfasste, gehört Above Suspicion als Produktion der ITV1 zu jenen europäischen TV-Serien ihrer Zeit, die schnell in Vergessenheit gerieten. Nicht nur die Skandinavier und ihre Nordic-Noir-Serien à la Die Brücke – Transit in den Tod – Staffel 1 (SWE/DNK 2011) oder Kommissarin Lund (DNK/NOR/SWE/GER 2007-2012) markierten in dieser Zeit Exzellenz, wenn es um Charakterzeichnung, clevere Erzählstruktur und Spannungsaufbau ging. Auch in Großbritannien bewiesen Serien à la Jericho (UK 2005) oder Case Histories – Complete Series (UK 2011), dass man an US-amerikanisches Niveau anschließen konnte. Leider blieben viele Produktionen Achtungserfolge und/oder Kritikerlieblinge. Vor allem auch in Deutschland, wo das Format der Fernsehserie bis heute keine durchgängig internationale Klasse zeigt, gingen europäische Formate wie Above Suspicion tendenziell unter. Unter dem rigiden, autoritären Führungsstil von DCI James Langton erarbeitet sich DC Anna Travis mithilfe von Geduld, Selbstdisziplin und Scharfsinn den Respekt des Vorgesetzten und ihrer Kollegen und Kolleginnen. Ihr Weg zum Erfolg ist von Fehlentscheidungen, Rückschlägen sowie von Gefahren gekennzeichnet, aber es sind sowohl die Erzählstruktur, die lebensnahen Charaktere als auch ihr Auftritt als Frau in einer Männerdomäne, welche die üblichen Klischeefallen großteils meiden helfen. Die Dramaturgie ist stimmig; die Fälle sind klug angelegt. Fast alle Schauspieler und Schauspielerinnen sind in ihren jeweiligen Rollen nahezu perfekt besetzt.
Eine offensichtliche Verbindung zur Ära des Film Noirs der 40er Jahre ist die zweite Staffel, betitelt The Red Dahlia, und deren Bezugnahme auf den historischen Fall der Schwarzen Dahlie, einem bis heute ungelösten Mord an einer jungen Frau im Hollywood des Jahres 1947, der von Brian DePalma als Black Dahlia (USA 2006) verfilmt wurde. Auch jenseits der teils drastischen Darstellungen der Grausamkeiten ihrer Mörder ist Above Suspicion eine Serie, die Unwohlsein auslöst. Einblicke in die gesellschaftlichen Abgründe Großbritanniens sind von Klassendenken, von Arm versus Reich, von Rassismus und Egalität auf allen Etagen gekennzeichnet. Derlei kritische Noten würzen viele britische Serien mit Bezug zum Neo Noir, und sie werten die Fälle um DC Anna Travis ebenfalls auf. Zugleich ist das Verhältnis von Langton zu Anna Travis, Tochter eines inzwischen verstorbenen, früheren Kollegen Langtons, von sexuellen Spannungen gekennzeichnet. Angesichts des Altersunterschieds von 25 Jahren wirkt das völlig deplatziert und unglaubwürdig. Warum tappte Lynda La Plantes, die an den Drehbüchern mitschrieb, derart ins Fettnäpfchen? Viele US-Amerikaner und Briten bewerten Above Suspicion genau aus dem Grund als missraten. Auch ich selbst tat mich damit schwer. Ab der fünften Episode, der letzten von The Red Dahlia, wird es nahezu peinlich. So hinterlässt Above Suspicion trotz einer Fülle von Qualitätsmerkmalen, Regie und Dramaturgie, Drehorte und Kameraarbeit, Schauspiel und Erzählstruktur, einen schalen Nachgeschmack. Schade! Die Serie wäre ohne Erotik in der Arbeitsbeziehung zwischen Langton und Travis deutlich besser dran gewesen.
Von Acorn Media gibt es eine 4-DVD-Box (2013) mit allen vier aus jeweils zwei bis drei Episoden bestehenden Staffeln der Fernsehserie, bild- und tontechnisch exzellent, mit dem englischen Originalton und für die Staffeln 3 und 4 auch inklusive englischer Untertitel. Als Extras sind Interviews mit Darstellern und Crew beinhaltet, dazu ein Behind The Scenes, eine Biografie von Lynda La Plante plus ein Interview mit ihr, zudem eine Bildergalerie mit Standfotos.











