Thick as Thieves



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Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
Thick as Thieves
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1999
Darsteller

Alec Baldwin, Andre Braugher, Michael Jai White, Rebecca De Mornay, Ricky Harris

Regie
Scott Sanders
Farbe
Farbe
Laufzeit
93 min
Bildformat
Widescreen

 


 

 

Mitte der 80er Jahre irgendwo in den USA: Im Greyhound-Bus kehrt der professionelle Einbrecher Kendall “Mackin“ MacNamara (Alec Baldwin), nachdem er für zwei Monate verschwinden musste, in das Dorf zurück, wo er mit seiner Freundin Anne (Janeane Garofalo) eine schäbige Unterkunft bewohnt. Als er eintritt, hört er im Schlafzimmer schon die Liebenden, bevor der Rivale durch die Hintertür verschwindet und Jane auftaucht, die überrascht tut, weil Mackin doch 3 und nicht 2 Monate fernbleiben wollte. Er verspricht ihr, dass sie mit dem Geld seines Raubzugs gemeinsam verschwänden und weist sie an, es aus dem Ölfass auf dem nahe gelegen Schrottplatz zu holen, darin er es versteckt habe. Kaum ist Jane aus der Tür, zerschlägt Mackin die Jesus-Statue, darin er die Dollar wirklich verbarg, schnappt sich seine Jazz-Platten und den Terrier Wally und ist aus der Tür. Gerade noch schafft er es zurück in den Bus, indessen Jane mit bis hoch zu den Ellbogen ölverschmierten Armen das Nachsehen hat… 14 Jahre später lebt Mackin in Chicago, Illinois, in einem schicken Apartment mit einer inzwischen enorm angewachsenen Sammlung edler Jazz-Alben und seinem nunmehr greisen Terrier. Er hat es in seinem Metier zu einer exzellenten Reputation gebracht und hat heute ein Gespräch mit Frank Riles (Robert Miano), einem ihm vertrauten Mafiosi, der ihn für einen Einbruch in Detroit, Michigan, verpflichten möchte. Da die Mafia in den Besitz einer Supermarktkette gelangte, will man dort aus einer Druckerei Lebensmittelmarken im Wert von 250.000 US-Dollar entwenden und sie über das Kassensystem der Märkte in Bargeld verwandeln…

 

“Harsh critics may regard “Thick as Thieves” as an Elmore Leonard wannabe, but more discriminating ones will recognize (…) an offbeat, noirish crimer that boasts idiosyncratic humor and deftly drawn characterizations, played by a terrific cast”, schreibt Emanuel Levy für Variety. Tatsächlich gab es in den 80er und 90er Jahren einige Verfilmungen von Romanen des populären US-Kriminalschriftstellers Elmore Leonard, von denen ich John Frankenheimers 52 Pick-Up (USA 1986) und Quentin Tarantinos Jackie Brown (USA 1997) gelungen finde, demgegenüber mich Steven Soderberghs Out Of Sight (USA 1998) enttäuschte. Allemal ist jene Mischung von schrägen, eigenwilligen Charakteren und bösartigem Humor sowie eine nüchterne und ungeschminkte Sicht auf die USA ihrer Zeit etwas, das für solche Adaptionen typisch war. Tarantios Pulp Fiction (USA 1994) hatte seinerzeit den Weg gewiesen, aber genau diesen Film halte ich von Anbeginn für maßlos überschätzt. Daher sind viele andere, epigonale Neo Noirs dieser Zeit auch deutlich zweit- bis drittklassig: Oliver Stones U-Turn – Kein Weg zurück (FRA/USA 1997), John Ridleys Cold Around The Heart (USA 1997), Robert Patton-Spruills Body Count – Flucht nach Miami (USA 1998) oder Darin Scotts Caught Up (USA 1998) sind alle nicht der Rede wert. An Thick As Thieves fand ich aber wider Erwarten großen Gefallen. Dies geht in erster Linie aufs Drehbuch zurück, schließt die pointierte Charakterzeichnung und die Kameraarbeit jedoch mit ein. Alec Baldwin ist als professioneller Einbrecher mit einer ausgesprochenen Liebe für Jazz und seinen greisen Hund Wally geradezu herausragend. Hand aufs Herz: Das hatte ich ihm, den ich sonst immer als solide und für ein bestimmtes Repertoire auch als geeignet empfinde, gar nicht zugetraut. Es ist Baldwin, der den Rachethriller aus der Menge all der in Gewalt, Sarkasmus und Coolness getränkten Neo Noirs seiner Epoche heraushebt. Zugleich ist auch der Rest des Ensembles pointiert zusammengestellt, mit David Byrd, Robert Miano und Andre Braugher als für ihre jeweiligen Rollencharaktere geradezu perfekt. Um Rebecca De Mornay tat es mir leid. Ihre Rolle gibt kaum etwas her. Als Police Detective Louise Petrone rennt sie den Ereignissen in Detroit und in Chicago über eine lange Zeit nur hinterher: daran können coole Sprüche auch nicht viel ändern. 

 

“Grocery stores operate in a margin so small, you need a microscope and a CPfuckingA to see it. This affordable food for the masses crap is bleeding us to death.” Übrigens ist auch Thick As Thieves die Verfilmung eines Romans, nämlich des gleichnamigen, ersten und einzigen von Patrick Quinn, der 1995 in den USA veröffentlicht wurde, bis dato aber nicht auf Deutsch erschien. In Frankreich wurde das Buch 1999 als Dur à Fuir in der renommierten Serie Noire von Gallimard publiziert. Auch für Drehbuchautor und Regisseur Scott Sanders war Thick As Thieves sein erster Kinofilm, nachdem er zuvor bereits für TV-Serien geschrieben hatte. Das merkt man dem Werk, wie ich finde, keinesfalls an, und ich wundere mich, dass es 10 Jahre brauchte, bevor der Afro-Amerikaner Sanders mit Black Dynamite (USA 2009), einer Hommage an das Blaxploitation-Kino der frühen 70er Jahre, die Gelegenheit bekam, sein Talent ermeut unter Beweis zu stellen. Thick Of Thieves ist ein gelungener Neo Noir seiner Zeit, ein quirliges und flottes Stück US-Indepedentkino und für alle Freunde der Epoche und des Filmstils bis heute ein Geheimtipp. Empfehlenswert!

 

In Deutschland lief der Film nicht im Kino und kam angeblich unter dem grauenhaften Titel Zwei Gangster heizen ein im Dezember 1999 als VHS-Video auf den Markt, was ich aber nicht bestätigen kann. Als The Last Bandit, ebenso sinnfrei, folgte eine deutsche DVD-Edition (2000) der EMS new media AG mit der original englischen Tonspur und einer (schrecklichen) deutschen Synchronisation, zwar ungekürzt, aber im falschen Bildformat, nämlich 1.66:1 und nicht Widescreen 1.78:1, doch immerhin mit deutschen Untertiteln. Allein die US-DVD (2000, Regionalcode 1) von Focus Features kriegt es hin, das Werk ungekürzt im korrekten Bildformat mit optional englischen, französichen oder spanischen Untertiteln zu bieten.

 


 

Neo Noir | 1999 | USA | Scott Sanders | Alec Baldwin | Andre Braugher | Bruce Greenwood | Rebecca De Mornay

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