Guilty As Hell



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Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
***
Originaltitel
Guilty As Hell
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1932
Darsteller

Edmund Lowe, Victor McLaglen, Richard Arlen, Adrienne Ames, Henry Stephenson

Regie
Erle C. Kenton
Farbe
s/w
Laufzeit
80 min
Bildformat
Vollbild

 


 

© Paramount Pictures Corporation

Der Arzt Dr. Ernest S. Tindal (Henry Stephenson) entnimmt seiner Tasche, darauf in goldenen Lettern sein Name und seine Profession zu lesen sind, einen Gummihandschuh, den er sich über die rechte Hand streift. Im Anschluss zieht er ein Stetoskop hervor, dass er sich um den Nacken legt, und geht nun ins Schlafzimmer, wo seine deutlich jüngere Ehefrau Ruth (Claire Dodd) in einem Damen-Pyjama auf dem Bett liegt. Sie fragt ihn, was er wolle, er aber antwortet nicht und beugt sich mit den Händen vorgestreckt zur ihr herab. Ruth springt auf, doch Dr. Tindal packt seine Frau an der Gurgel und erwürgt sie. Dann legt er die Leiche auf dem Teppich neben dem Bett ab. Mit seinem Stetoskop verrsichert er sich, dass sie tot ist. Als nächstes platziert er einen metallenen Watch Charm, den er in ein Taschentuch gehüllt aus seiner Westentasche holt, in ihrer rechten Hand, die er zur Faust ballt. Tindal steckt sich ein Kaugummi in den Mund und lässt das Papier bewusst neben die tote Ruth fallen. Er reinigt mit seinem Taschentuch die drehbaren Türknäufe beider Haustüren und befestigt, nachdem er das Licht löschte, ein schwarzes Band quer über dem Schlafzimmerfenster. Als das Telefon klingelt, nimmt er den Hörer ab und spricht mit Dr. Goodman (Gordon Westcott), einem Kollegen aus einem höheren Stockwerk. Sie besuchen heute das Medical Society Banquet, und Tindal tut so, als spräche er kurz mit seiner Frau, deren Fernbleiben er gegenüber Goodman wegen Kopfschmerzen entschuldigt. Man träfe sich also gleich vor seiner Wohnungstür… 

 

”Leave it to a newspaper man to make it dirty.“ Das Publikum kennt den Mörder von Anbeginn, denn sofort in der ersten Szene begeht er sein schreckliches Verbrechen. Damit sind wir gemeinsam mit ihm den Ermittlungen der Polizei in Gestalt von Detective Captain T.R. McKinley (Victor McLaglen) immer ein, zwei Schritte voraus. Wir sehen zu, wie Dr. Ernest S. Tindal den Erfolg seiner Manipulationen genießen kann, die Frank C. Marsh (Richard Arlen) zum Hauptverdächtigen der Ermordung Ruth Tindals werden lassen, hatte jener mit der jungen Dame doch ein Liebesverhältnis. Mord aus Eifersucht: das ist Tindals Motiv. Während der ersten Untersuchung des Tatorts gibt Journalist Russell Kirk (Edmund Lowe) per Telefon an seine Zeitung durch, dass der Ehemann 50 Jahre und seine ermordete Gattin 25 seien. Tatsächlich war Henry Stephenson zur Zeit der Dreharbeiten bereits 60 und Claire Dodd lediglich 20, demnach der Unterschied 40 Jahre betrug, und das sieht man deutlich. Nachdem Frank C. Marsh wegen Mordes zum Tod verurteilt wurde, bezieht der Film seine Spannung aus den Versuchen Russell Kirks, gemeinsam mit Marshs Schwester Vera (Adrienne Ames), in die er sich verliebt, den wahren Mörder zu überführen. Dabei ist einzig Vera von der Unschuld ihres Bruders überzeugt, indessen Russell aus Liebe handelt oder auch aus Kalkül, möchte er die Schöne doch für sich gewinnen… Das ist inhaltlich keine üble Ausgangslage. Zudem profitziert der Film von der großartigen Kameraarbeit des legendären Karl Struss (Der Todesreifen / Ein gefährlicher Rivale, USA 1946), eines renommierten Fotografen, der 1927 für Friedrich Wilhelm Murnaus Sonnenaufgang (USA 1927) den überhaupt ersten Oscar für die beste Kamera erhielt. Seine ungewöhnlichen Einfälle in der Inszenierung wirken bis heute verblüffend, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Alfred Hitchcock sich für Der Fremde im Zug / Verschwörung im Nordexpress (USA 1951) von der Mordszene in Guilty As Hell inspirieren ließ. Trotzdem erhält der Film im von mir nur ganz knapp drei Sterne. Denn es gibt etwas, was ihn großteils ruiniert, und dies ist das unfassbar miese Schaupiel der Hauptdarsteller Victor McLaglen und Edmund Lowe in einer auf Komödie gebürsteten Beziehung ihrer zentralen Figuren.

 

© Paramount Pictures Corporation

Interessanterweise haben fast alle US-Kritiker, ob damals oder heute, mit der seinerzeit durch vorangegangene Filme bereits etablierten Vorstellung von Lowe und McLaglen kein Problem. Das hemmungslose Over-Acting der beiden, die seit 1920 im Stummfilm herangewachsen waren, ihr Grimmassieren und all die gespreizte Gestik sind für mich reine Farce, bestenfalls Selbstparodie, vor allem Schmierenkomödie. Letzteres auch deshalb, weil weder McLaglen noch Lowe annähernd witzig sind. Die Gags sind meist so lahm wie das pantomimische Getue lächerlich und blöde, so dass man es beizeiten kaum aushalten kann. Alle und zwar wirklich alle anderen Schauspieler des Films sind besser, obwohl die beiden in Produktionen, wo sie nicht auf „lustig“ getrimmt sind, gute Leistungen ablieferten. Edmund Lowe ist in William K. Howards The Squeaker / Murder In Diamond Row (UK 1937) deutlich besser, Victor McLaglen in John Fords Der Verräter (USA 1935) sogar exzellent. Tragischerweise starb Adrienne Ames bereits mit 43, Gordon Westcott sogar mit 31 und Ralph Ince mit 50 Jahren. Lowe und McLaglen bekamen schon ab den 40ern keine Hauptrollen mehr und sind heutzutage allein Cineasten noch ein Begriff. Ihr Pre Noir Guilty As Hell ist jedenfalls ein Werk, dass ich selbst eingefleischten Freunden klassischen Hollywood-Kinos nicht empfehle. Fünf Jahre später gab es unter dem Titel Night Club Scandal (USA 1937) ein Remake mit Lynne Overman und Charles Bickford in den Hauptrollen.

 

Obwohl es inzwischen recht viele Filmklassiker der Paramount Pictures Corporation auf Blu-ray oder DVD gibt, erschien dieser Film bis heute (2026) auch in den USA nicht als eine BD- oder als DVD-Edition. In einigen Online-Portalen steht Guilty As Hell zwar zur Verfügung, jedoch nur als ein Mitschnitt von eher bescheidener Bild- und Tonqualität mit der original englischen Tonspur und ohne Untertitel, dafür immerhin ungekürzt und im korrekten Bildformat.

 


Pre Noir | 1932 | USA | Erle C. Kenton | Edmund Lowe | Gordon Westcott | Richard Arlen | Victor McLaglen | Willard Robertson

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