Spider-Noir – Staffel 1



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Bewertung
***
Originaltitel
Spider-Noir – Season One
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2026
Darsteller

Nicolas Cage, Lamorne Morris, Li Jun Li, Karen Rodriguez, Abraham Popoola

Regie
Harry Bradbeer, Alethea Jones, Nzhinga Stewart, Greg Yaitanes
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
360 min
Bildformat
Widescreen

 


 

© Sony Pictures Television & Prime Video

 

New York in den 20er Jahren: Weltkriegsveteran und Privatdetektiv Ben Reilly (Nicolas Cage), ein Sohn der Metropole, führte über Jahre hinweg ein Doppelleben. Der mit Superkräften ausgestattete Mann verwandelte sich in “The Spider“  und sorgte als ein Superheld mit Maske und Kostüm für Recht und Ordnung. Als jedoch seine Verlobte Ruby J. Williams (Amanda Schull) vor seinen Augen in ihrem Wagen ertrank und Reilly als The Spider versagte sie zu retten, legte er seine Persönlichkeit als Superheld ab und blieb der Mensch und Private Eye, der er einzig noch sein wollte. Dafür packte er sein Kostüm in einen Handkoffer, schlug ein Loch in die Wand seines Badezimmers und mauerte die Vergangenheit ein. Fünf Jahre später, es ist 1933, und Reilly sitzt am Tresen eines Nachtclubs, nippt an einem Cocktail und raucht eine Zigarette, als er die Frau (Elizabeth Miller) auf dem Barstuhl neben sich nach ihrer Meinung zu einem Foto fragt, das einen Mann in Armeeuniform zeigt. Ben Reilly beschattet vor Ort einen Kerl namens Jimmy Addison (Jake Mikesell), der an einem Tisch einen Whisky trinkt. Die Frau stimmt zu, dass es sich um den gleichen Herrn handele, bekundet aber eher Interesse an einem Flirt mit ihm. Wenn ihr Ehemann ihren Absichten zustimme, so Reilly, solle sie ihn einfach anrufen, und damit gibt er ihr seine Visitenkarte. Als Addison die Bar verlässt, folgt ihm der Private Eye. Doch schon vor der Tür macht der Verfolgte dem Detektiv klar, dass er er ihn längst entdeckte und nicht gefunden werden will…

 

“I know who I used to be. And I know who I am now.” Mitunter ist ein Remake besser als das Original, selbst wenn es in einem anderen Jahrzehnt spielt. Zudem haben Roman Polanski und Curtis Hanson mit Chinatown (USA 1974) und mit L.A. Confidential (USA 1997), beides keine Remakes, ihrem Kinopublikum bewiesen, wie großartig ein Retro Noir sein kann. Perry Mason - Season One (USA 2020) transferierte das Ganze ins TV-Format und zeigte eindrucksvoll, wie Computer Generated Images (CGI) eine gestrige Welt wiederauferstehen lassen können. Die vom Autor Oren Uziel (Shimmer Lake, CAN/USA 2017) erdachte und von Sony Pictures Television und den Amazon MGM Studios produzierte erste Staffel von Spider-Noir heftet sich diesen Vorbildern an die Fersen. Mit einem Unterschied: Sie verknüpft die Bild-Ästhetik und eine Detektivgeschichte aus Tagen des Film Noirs mit der Figur eines Superhelden aus den Marvel Comics, nämlich mit The Amazing Spider-Man, auf Deutsch als Die Spinne, der erstmals im August 1962 in einem US-Comic-Strip auftauchte. Auf den ersten Blick ist das Ergebnis geradezu bestechend. Zwar bedient die Produktion in Sachen Drehorte, Bildsprache und Ausstattung alle nur erdenklichen Klischees, aber ist das nicht, was wir eh erwarten und erhoffen? Spider-Noir – Staffel 1 sieht großteils toll aus und zieht mit Perry Mason - Season One über weite Strecken gleich. Die Serie lebt von ihrer Atmosphäre; damit hat sich das Produktionsteam wirklich Mühe gegeben. Auch das Casting ist gelungen. Mit Nicolas Cage als Privatdetektiv Ben Reilly findet sich jemand, der den Zungenschlag James Cagneys, Robert Mitchums oder Humphrey Bogarts nachzuempfinden weiß, ohne die Stars des klassischen Film Noirs zu imitieren. Brendan Gleeson gibt den Mobster Finbar “Silvermane“ Byrne, der einst Edward G. Robinson auf den Leib geschneidert gewesen wäre, und tatsächlich lässt Gleeson Manierismen einfließen, die an Robinson erinnern. Auch die übrigen Darsteller, Männer und Frauen, sind fein ausgewählt, mit Li Jun Li, Lukas Haas und Larmone Morris als Leuten von Format. Zudem liefert das Drehbuch Einzeiler und scharfzüngige Dialoge, die eines Raymond Chandlers würdig wären. Warum vergebe ich trotzdem nur drei Sterne?

 

"Spider-Noir lacks a soul and a much-needed passion (…) On the surface, the show seems like a decent homage to noir, even if it's inevitably artificial and gimmicky... but it just doesn't feel like one”, schreibt Akos Peterbencze für Looper.com. Richtig! Spider-Noir – Staffel 1 ist wie die meisten Produktionen der Streaming-Portale eine TV-Serie, die unterhalten will. Spider-Noir ist Fernsehfutter zum Abschalten. Genau das sollte ein Film Noir jedoch nicht sein. Natürlich gibt es flache Geschichten und klischeebehaftete Plots auch im klassischen Film Noir. Nur dürfen diese eben nicht die Messlatte sein. Obwohl ich gerade bei Ansichten des New Yorks der 30er im Sonnenschein das CGI als merkwürdig „gemalt“ empfand, ist die Serie technisch bis ins Detail ausgeklügelt. Was Drehbuch und Konzept angeht, ist sie es nicht. Letzteres krankt an eben der Verbindung zum Marvel-Kosmos, an Superkräften und an Superhelden. Hand aufs Herz! Das ist ein derart kindisch-banaler Blödsinn, dass ich mich als Erwachsener nicht an die Magie meiner Kindertage erinnert fühlte, sondern für unmündig und für dumm verkauft erachtete. Sobald Ben Reilly sich in “The Spider“ verwandelt und zu dem “hero“ wird, dessen Wiedergeburt Reporter Robbie Robertson (Lamorne Morris) gleich zu Beginn vom Private Eye verlangt, wird es lächerlich. Trotz ihres Unterhaltungswerts und des Castings fand ich mich zunehmend genervt und gelangweilt. Letzteres deshalb, weil jedes Comic lesende Schulkind weiß: Am Ende kann nichts schiefgehen. Spidey schafft das. Kurzum, die Serie mit ihrem Helden anstelle eines Antihelden ist im Kern harmlos - Unterhaltung via Streamingformat ohne Ecken und Kanten. Für mich als Freund des Film Noirs funktioniert der Hybrid aus “Spider“ und “Noir“ nicht: die Teile finden nie wirklich zusammen.

 

Spider-Noir ist eine Co-Produktion von Sony Pictures Television und Amazon MGM Studios, entwickelt von Oren Uziel für Prime Video (den TV-Kanal des US-Onlinehändlers Amazon) und MGM+. Die Serie lässt sich in Deutschland, wahlweise in Schwarzweiß oder in Farbe, exklusiv bei Prime Video, dem digitalen Video-Streaming-Dienst von Amazon, abrufen, dort auch in der Originalsprache und wahlweise mit Untertiteln, was in dem Fall unbedingt geboten ist, denn die deutsche Synchronisation ist indiskutabel.

 


 

Neo Noir | 2026 | USA | Alethea Jones | Greg Yaitanes | Harry Bradbeer | Nzhinga Stewart | Oren Uziel | Brendan Gleeson | Lukas Haas | Nicolas Cage

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