Strangers In The Night



Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
Strangers In The Night
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1944
Darsteller

William Terry, Virginia Grey, Helene Thimig, Edith Barrett, Anne O’Neal

Regie
Anthony Mann
Farbe
s/w
Laufzeit
56 min
Bildformat
Vollbild

 


 

 

Bei Kämpfen der US-Armee gegen die japanischen Truppen auf Inseln im Indopazifik wird Sergeant John Meadows (William Terry) vom U.S. Marine Corps verletzt und auf Anweisung eines Arztes der Kriegsmarine (George Sherwood) in ein Lazarett eingeliefert. Hier tauscht er Briefe mit Rosemary Blake (Linda Stirling), einer jungen Frau, die augenscheinlich in ihn verliebt ist und in Monteflores, Kalifornien, lebt. Als eine Krankenschwester (Frances Morris) Sergeant Meadows eines Nachts darauf anspricht, wie schön es sei, dass er zu Rosemary zurückkehren werde, gesteht der Verwundete, dass er sie nie gesehen habe. Er fand ihre Adresse unter einer Widmung in seiner Ausgabe der Gedichtsammlung A Shropshire Lad des britischen Dichters A. E. Housman… Im Clifftop House hoch über der Brandung des Pazifiks an der Küste Kaliforniens öffnet Ivy Miller (Edith Barrett) heute Abend die Schiebetür zum altertümlichen Salon, so dass Hilda Blake (Helene Thimig) auf eine Krücke gestützt eintreten kann. Sie nimmt Platz, weist Ivy an das Licht einzuschalten und spricht zu dem über dem Kamin hängenden, großen Ölgemälde ihrer Tochter Rosemary, die heute ihren Geburtstag feiert. Wie schade es doch sei, dass sie nicht bei ihnen sein könne, sagt Hilda und schenkt ihnen Sherry ein, so dass sie Rosemary einen Geburtstagsgruß darbringen können. Morgen, so Hilda Blake, komme John Meadows endlich zu Rosemary zurück, sie freue sich so. Ivy will etwas einwenden, doch Hilda gebietet ihr erzürnt zu schweigen…

 

“The lively gothic noir programmer Strangers In The Night (…) reflects a general theme of the noir movement of the 1940s: there is no going back to the America that existed before the war”, schreibt Eric Somer scharfsinnig für seinen Blog Film Noir Board. Der aus dem Pazifikkrieg und aus medizinischer Behandlung zurückgekehrte John Meadows trifft im kalifornischen Monteflores auf zwei unterschiedliche Frauen. Die in einer altmodisch eingerichteten, einsam auf einer Klippe gelegenen Villa hausende Hilda Blake, eine Frau in ihren späten 50ern, ist die Mutter jener Rosemary, mit der er in Briefkontakt stand und die ihm ihre Liebe gestand. Sie erweist sich als extrem neurotisch, als herrisch gegenüber ihrer Hausdame Ivy Miller und schwärmerisch im Hinblick auf ihre Tochter, deren großformatiges Abbild in Ölfarben den Salon und damit das Zentrum des Hauses wie einen Kirchenaltar wirken lässt. Demgegenüber repräsentiert die Medizinerin Dr. Leslie Ross (Virgina Grey) die USA des Wandels in Gegenwart und Zukunft. Noch keine 30 Jahre alt zeigt sie sich als selbstbewusst und zupackend, hat sie doch ihre akademische Ausbildung mit Promotion abgeschlossen und übernimmt  just die bis dato von einem Mann geführte Praxis für Allgemeinmedizin in Monteflores. Als unverheiratete, selbstständig im Beruf stehende Medizinerin ist sie innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft ein Novum. Dr. Ross macht keinen Hehl daraus, dass sie als Ärztin mitunter auf Skepsis oder gar Ablehnung stößt, dass sie sich andererseits durchzusetzen gedenkt. Beim Aufeinandertreffen von Hilda Blake mit Leslie Ross wird sofort klar, dass das nach Mottenkugeln duftende und via Kerzenschein erleuchtete, altbackene USA solches Selbstbewusstsein und die Dynamik der neuen Generation als bedrohlich erlebt. Hilda Blake ist gehbehindert. Sie ist auf medizinische Betreuung angewiesen. Doch sie negiert ihr Gebrechen und lehnt Dr. Leslie Ross ab. Als John Meadows im Haus eintrifft, Rosemary aber stets abwesend ist, wird deutlich, dass Hilda Blake etwas zu verbergen hat. Um ihr Leben im Mausoleum der Villa und ihr Geheimnis zu bewahren, fasst sie einen drastischen Entschluss. 

 

 

“You know something, Johnny? I’ve given hundreds of books to the Red Cross, and not once did I think to put in my name and address.” Der US-amerikanische Regisseur Anthony Mann war in den späten 40er Jahren einer der Garanten für solide bis exzellente Produktionen des Film Noirs. Flucht ohne Ausweg (USA 1948), Border Incident (USA 1949), Side Street (USA 1949) und Fluch des Blutes (USA 1950) zähle ich persönlich zu seinen besten Werken. Strangers In The Night ist ein ganz besonderer Thriller seiner Zeit, der über Konventionen und Genre-Grenzen hinweg tatsächlich abgründig ist und aus einem schmalen Budget und einer nahezu unbekannten Darstellerriege das Maximale herausholt. Während William Terry, der schon 1945 in seinem letzten Kinofilm mitwirkte, nicht der Rede wert ist, entpuppt sich das Trio der Frauen als großartig. Virginia Grey, Helene Thimig und Edith Barett sind in ihren Rollen perfekt besetzt. Manns erster Ausflug in den Filmstil mit Anleihen bei Alfred Hitchcock – Philip MacDonald, Autor der Kurzgeschichte, die dem Kinofilm Strangers In The Night als Vorlagediente hatte am Drehbuch zu Rebecca (USA 1940) mitgewirkt – erinnert auch an andere Schlüsselwerke des Film Noirs. Otto Premingers Laura (USA 1944), John M. Stahls Todsünde (USA 1945) und Curtis Bernhardts Hemmungslose Liebe (USA 1947) kamen jedoch allesamt erst nach dessen Premiere im September 1944 zur Aufführung.

 

Es gibt eine jeweils sehr gute BD- und DVD-Edition (2013) der US-amerikanischen Olive Films mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch einwandfrei, dazu den original englischen Ton mit optional englischen Untertiteln. In Europa beinhaltet eine spanische DVD (2013, RC 0) von Bang Bang Movies unterm Originaltitel den Film im Originalformat, bild- und tontechnisch einwandfrei und einzig mit der original englischen Tonspur und mit wahlweise spanischen Untertiteln. Beide Ausgaben beinhalten keine Extras.

 


 

Film Noir | 1944 | USA | Anthony Mann | Frances Morris | Linda Stirling | Virginia Grey

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