Joan Fontaine, Robert Ryan, Zachary Scott, Joan Leslie, Mel Ferrer
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© Warner Bros.
San Francisco, Kalifornien: Donna Foster (Joan Leslie) hat heute Morgen alle Hände voll zu tun, um im Vorfeld ihrer Heirat noch die Hausparty im Anschluss an eine Theaterpremiere vorzubereiten. Zudem hat sie Besuch von “Tante“ Clara (Virgina Farmer), der Schwester ihres Chefs und Arbeitgebers John Caine (Harold Vermilyea), der seine langjährige Assistentin darum bat, seiner Nichte Christabel (Joan Fontaine) kurzzeitig Kost und Logis zu gewähren. Schon morgen soll sie in San Francisco eintreffen. Clara findet ihres Bruders Bitte eine Zumutung, auch dass Christabel die hiesige Wirtschaftsschule besuchen und einen Abschluss erwerben soll, erachtet sie als überflüssig. Insofern Donna nach der Heirat mit dem reichen Curtis Carey (Zachary Scott) ihre Stelle aufgeben wird, könnte Christabel doch sofort bei ihrem Onkel in dessen Verlagshaus arbeiten. Es klingelt und Kenneth (Bobby Johnson) liefert zwei Kartons voller Getränke und Lebensmittel. Es klingelt gleich nochmals, und der in Kreisen der Upper Class beliebte Portraitmaler Gabriel “Gobby“ Broome (Mel Ferrer) kommt die Treppe empor, während “Tante“ Clara sie hinabsteigt, um sich auf den Weg nach Santa Flora zu begeben. Auch Gobby bringt einen Karton voller Lebensmittel, als Donna auffällt, dass sie Sodawasser vergessen hat. Also bittet sie ihn es für sie zu besorgen. Mit einem Strauß Blumen zur Hand stolpert Donna über die Schwelle ins Wohnzimmer, wo ein unerwarteter Gast auf dem Sofa sitzend sie lächelnd erwartet, John Caines Nichte Christabel (Joan Fontaine)…
“Nicholas Ray’s sensationally subversive film noir (…) revolves around a young woman who preys on a couple’s insecurities in order to manipulate her way into landing a wealthy husband. So far, so femme fatale,” schreibt Jonathan McCalmont für Ruthless Culture über die Born To Be Bad betitelte Filmfassung von Anne Parrishs Roman All Kneeling (EA 1928). Tatsächlich ist "Femme fatale" hier das entscheidende Stichwort. Die Entwicklung des Film Noirs ist im Lauf der 40er Jahre untrennbar mit solcher Antagonistin verknüpft. Die Femme Fatale ist darin nicht weniger zentral als etwa der Privatdetektiv, der korrupte Cop oder der zwischen die Mühlsteine von Gesetz und Kriminalität geratene Bürger, der aufgrund eines eigenen Fehltritts um Leib und Leben fürchten muss. Born To Be Bad ist konträr zu Nicholas Rays vorherigen Produktionen für die RKO Radio Pictures, seine Film-Noir-Klassiker They Live By Night (USA 1948) und A Woman’s Secret (USA 1949), aber keine sonderlich mörderische Angelegenheit. Eine ernsthaft kriminelle Tat bleibt außen vor, und wir finden stattdessen ein Ausmaß an Betrug und Manipulation, dass an John Brahms Guest In The House (USA 1944), an John M. Stahls Todsünde (USA 1944) oder Jean Renoirs The Woman On The Beach (USA 1947) denken lässt. In Jean Renoirs Film Noir für RKO spielte Robert Ryan die männliche Hauptrolle, der hier in seiner ersten von fünf Kollaborationen mit Nicholas Ray zu sehen ist. Ebenso wie Curtis Carey ist er im Handumdrehen in die Femme fatale Christabel Caine vernarrt, bleibt andererseits und konträr zu Carey aber klug und scharfsinnig. Das eigentlich Subtile am Film ist für mich zudem nicht, wie McAlmont in seiner Rezension äußert, dass Christabel stets ein Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung zeige. Das tut sie nur bedingt. Viel wichtiger ist, dass sie in Robert Ryans Schriftsteller und Weltreisendem Nick Bradley sich selbst erkennt. Denn Bradley ist realistisch, zynisch, egozentrisch und konfrontativ. Genau das beeindruckt Christabel. Im Stillen sehnt sie sich nach der starken Hand, welche ihr impulsives und zugleich von Unsicherheit durchsetztes Temperament beherrscht und die ihr Onkel John Caine, der sie an eines Vaters Stelle aufzog, niemals war. Milde und Fürsorge lassen Christabel völlig kalt.
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© Warner Bros.
“Do you think my husband would like a picture of me hanging above the fireplace?” – “I think your husband would like you hanging anywhere.” Es gibt Cineasten und Journalisten, die dem 2012 in der DVD-Edition Warner Archive Collection in den USA explizit als “Film Noir“ etikettierten Werk seine Zugehörigkeit zum Filmstil absprechen. Sie sehen es im Hinblick auf den zentralen Charakter der Femme fatale näher an Joseph L. Mankiewicz‘ Alles über Eva (USA 1950) als an Billy Wilders Boulevard der Dämmerung (USA 1950), die beide im gleichen Jahr wie Born To Be Bad erschienen und Rays Filmerzählung benachbart sind. Ich tendiere dazu, der Einschätzung zuzustimmen, womit ich hier, was selten vorkommt, einen Film präsentiere, der nur marginal ein Film Noir genannt zu werden verdient. Auch rangiert seine Geschichte hart an der Seifenoper - ein Melodram, das aufgrund der Einflussnahme von Studioboss Howard Hughes nicht mit Klischees spart und besonders im Finale kaum überzeugt. Dennoch gebe ich knapp vier Sterne, denn Robert Ryan und Zachary Scott sind fantastisch. Mel Ferrer spiel das Äquivalent zu Joan Fontaines Christabel, ein manipulativer, erfolgreicher Portraitmaler, der (trotz seines Zynismus‘) der Welt der Reichen und Schönen sein Auskommen verdankt. Kameramann Nicholas Musaraca ist ebenso exquist, wie Nicholas Rays Regieleistung punktgenau ist, so dass sich der Film wie eine Produktion der Warner Bros. anfühlt. Und was ist mit Joan Leslie? Sie spielt eine Rolle, die der in Alfred L. Werkers Repeat Performance (USA 1947) recht ähnlich ist, zudem ihr Verhältnis zum Maler Gabriel “Gobby“ Broome dasjenige ihrer Sheila Page zum Dichter William Williams (Richard Basehart) in Alfred L. Werkers Film Noir spiegelt. Warum wurde aus Joan Leslie bitte kein internationaler Filmstar?
Die DVD-R (2012) der Film-Noir-Reihe in der Warner Archive Collection von Warner Bros. (USA, Regionalcode 1) ist bild- und tontechnisch erstklassig und bringt den Film ungekürzt im Originalformat, mit englischem Ton ohne Untertitel und ohne Extras. Eine britische DVD (2011) in The Hollywood Studio Collection von Odeon Entertainment und eine als Nacida para el mal erschienene spanische DVD (2015) von New Lines Films bringen die gleiche Fassung, sind beide aber vergriffen.














