Club Paradise / Sensation Hunters

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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
***
Originaltitel
Sensation Hunters
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1945
Darsteller

Robert Lowery, Doris Merrick, Eddie Quillan, Constance Worth, Isabel Jewell

Regie
Christy Cabanne
Farbe
s/w
Laufzeit
62 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Ein Mann tritt des Nachts durch eine schmiedeeiserne Pforte in den Innenhof eines Wohnblocks und klopft an der Haustür. Eine Frau in einem weißen Nachtgewand tritt aus einem Zimmer im ersten Stock auf den Balkon und blickt hinunter. Indessen die junge Frau ihm etwas zuruft und verschwindet, geht der Mann behende die Freitreppe empor auf den Balkon und tritt durch die gleiche Tür zur Frau ins Innere der Wohnung. Im nächsten Augenblick sind drei kurz hintereinander abgefeuerte Pistolenschüsse zu hören… Es war ebenfalls dunkel, als die Familie Rogers einst ihr Abendessen einnahm und der übellaunige Familienvater Mark Rogers (Byron Foulger) sich bei seiner Ehefrau Edna (Minerva Urecal) darüber beklagte, dass die Suppe kalt sei, indessen er sie abräumen ließ. Zeitgleich erklärte der ungehobelte Sohn Fred (Maurice Murphy) seiner schwangeren Ehefrau Katie (Janet Shaw), dass sich ein Kollege in der Fabrik namens Tony beide Beine gebrochen habe und er nun mit einer Beförderung rechnen dürfe. Als Mark Edna fragte, wo denn Julie (Doris Merrick) bleibe, antwortete sie, dass jene sich fürs Abendessen und für ihren Ausgang in einen Club namens Black Cat zurechtmache. Fred war der Meinung, dass Julie dann auch kein Abendessen erwarten könne, doch sein Vater wies ihn in die Schranken. Als es an der Haustür klingelte, kam Julie aus ihrem Zimmer und ließ ihren Freund Ray Lawson (Eddie Quillan) ein, der im Club die Trompete spielte und als Fabrikarbeiter von einer Karriere als Berufsmusiker träumte…

 

“I heard this woman say, they’re going to lay off a bunch of girls at the factory.“ – “There‘s always another factory…“ Eine junge Frau versucht ihrer Familie zu entfliehen, in der einzig und allein ihre Mutter Edna ein gewisses Maß an Verständnis für ihr Alter und ihre Sehnsüchte aufbringt. Aber in der Stadt, darin einzig die einfache Kneipe Black Cat für all die Fabrikarbeiter erschwinglich ist, erweist sich der Ausblick auf die Zukunft als genauso fade und einspurig, wie es dem Gemüt ihres Vaters Mark als der einzig gangbare Weg erscheint. In dem an die Sozialdramen der 30er Jahre gemahnenden Club Paradise / Sensation Hunters geht es um die Nöte der Menschen aus kleinen Verhältnissen, die Julie Rogers hinter sich lassen will, denn ihre zerrüttete Familie ist für sie nur ein Quell der Qualen. Sie lernt Danny Burke (Robert Lowery) kennen, ein Nachtschattengewächs und einen Liebling der Frauen, aber nichts kann sie in der Überzeugung beirren, an seiner Seite der Biederkeit und der Lieblosigkeit ihres Elternhauses zu entrinnen. Als sie durch eine zufällige und daher unglückliche Wendung an der Seite Ray Lawsons eines Abends beim illegalen Glücksspiel erwischt wird, zahlt ihr Vater ihre Kaution von 30 US-Dollar und verweist sie des Hauses. Julie Rogers Abstieg beginnt. Der Paradise Club, Mittelpunkt im Leben Danny Burkes, verschluckt sie mit Haut und Haar… Die Qualität des Films ist sein Drehbuch von Dennis J. Cooper (When Strangers Marry / Betrayed, USA 1944), der solches nach der Kurzgeschichte Party Girl von John Faxon verfasste. Coopers Skript bringt die Handlungslogik konsequent auf den Punkt und lässt nicht viel Raum für jene so typischen, komödiantischen Einlagen, die Jugend und Kleinbürgertum seinerzeit gern verballhornten. Es zeigt Julie Rogers als einen zwar naiven, jedoch aufrichtigen und gutherzigen Menschen. Danny Burke ist der Homme fatale in Reinkultur - ein skrupelloser und egoistischer Verlierer, der als Gigolo auf Kosten anderer zu leben weiß und sich für keine Missetat zu schade ist.

 

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“Every now and then Poverty Row studio Monogram got it just right and produced a splendid minor noir”, schreibt John Grant mit Verve und Enthusiasmus über das Werk für Noirish und ich kann seine Freude über diesen B-Film nachvollziehen. Der tiefe Fall der Julie Rogers, der Zynismus Danny Burkes und die Auflösung des Dramas, das zuletzt seine Eingangssequenz wieder einholt, sind mit Blick aufs Niveau der Produktion beeindruckend umgesetzt. Tatsächlich haftet etwas von dem im gleichen Jahr für die Producer’s Releasing Company (PRC) mit einem ebenfalls kaum vorhandenen Budget von Edgar G. Ulmer inszenierten Film Noir Detour (USA 1945) an Club Paradise / Sensation Hunters, dessen Schlusssequenz Ulmers bis heute hoch geschätztem, rabenschwarzem Film Noir kaum nachsteht. Leider jedoch sind nicht alle Schauspieler hochkarätig, ist nicht jede Szene mit der gebührenden Sorgfalt inszeniert, wenngleich Ira H. Morgans Kameraarbeit beizeiten beachtlich ist. Demgegenüber schleicht sich der Gedanke ein, wie der Film in Händen eines erstklassigen Regisseurs und als A-Produktion mit einem entsprechenden Ensemble wohl geraten wäre. Für Freunde des Film Noirs und die der Filmklassik im Allgemeinen ist Club Paradise / Sensation Hunters ein kurioser Fund. Ein verborgenes Juwel oder gar ein unverständlicherweise vergessener Film Noir von Bedeutung ist er nicht.

 

Club Paradise / Sensation Hunters ist ein Film der Public Domain, d.h. international gibt es mehrere DVD-Ausgaben, darunter ungekürzt im Originalformat via Alpha Home Entertainment eine Edition (2012) aus den USA (RC 0), bild- und tontechnisch von eher bescheidener Qualität, inklusive der original englischen Tonspur ohne Untertitel und ohne Extras. Die auf dem Cover verzeichnete Laufzeitangabe von 80 Minuten ist falsch, der Film endet nach exakt 62 Minuten.

 


Film Noir | 1945 | USA | Christy Cabanne | John Hamilton | Robert Lowery | Vince Barnett | Isabel Jewell

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